"Chico" vor dem Absprung

Das spricht für und gegen eine Trennung von Francisco Geraldes 

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Francisco Geraldes (rechts) hat bisher nur Testspiele für Eintracht Frankfurt absolviert.

Frankfurt - Leihspieler Francisco "Chico" Geraldes steht schon im Winter vor der Rückkehr von Eintracht Frankfurt zu seinem Stammklub Sporting Lissabon. Doch was spricht für eine Rückkehr, was dagegen. Von Peppi Schmitt

Francisco Geraldes sollte im letzten Sommer so etwas wie der „Königstransfer“ der Frankfurter Eintracht werden. Um den 23 Jahre alten Mittelfeldspieler von Sporting Lissabon, im Jahr zuvor ausgeliehen an Rio Ave, hatten die Frankfurter lange gekämpft. Nur das zwischenzeitliche Führungschaos bei Sporting hatte verhindert, dass die Eintracht zusätzlich zum ein Jahr laufenden „Leihvertrag“ eine Kaufoption vereinbaren konnte.

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„Francisco hat eine hohe Spielintelligenz, ist beidfüßig stark und verfügt über eine gute Technik sowie hohes Tempo“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic als der Transfer endlich über die Bühne war. Jetzt, nur gut fünf Monate später, meldet die gewöhnlich gut informierte portugiesische Sportzeitung „Record“, dass der Leihvertrag schon im Winter vorzeitig aufgelöst werden soll. „Es ist noch keine grundsätzliche Entscheidung gefallen“, sagte Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner am Dienstag gegenüber dieser Zeitung, „natürlich wünscht sich Chico mehr Spieleinsätze.“ Erst nach dem letzten Vorrundenspiel gegen die Bayern werde die Eintracht konkrete Schritte unternehmen.

Für eine Trennung spricht, das Geraldes bis heute kein einziges Pflichtspiel für die Hessen bestritten hat. Erst hatte er sich nur ganz schwer an das Tempo bei Training und Spiel gewöhnt. Dann hatte ihn eine schwere Rückenverletzung für zwei Monate außer Gefecht gesetzt. Seit vier Wochen steht er nun wieder im Training, doch als er eine Chance auf den Kader hätte bekommen können, ist er vor dem Spiel gegen Olympique Marseille wegen einer Grippe ausgefallen.

Alles keine Argumente also für den feinen Techniker, den Chefscout Ben Manga entdeckt hat. Manga war der Überzeugung, dass Geraldes das kreative Vakuum im Frankfurter Mittelfeld ausfüllen und der ideale Passgeber für die Angreifer sein könnte. „Ja, deshalb hat er mich geholt“, hat Geraldes erst vor ein paar Wochen in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt, „als Zehner ist es meine Aufgabe, die Stürmer in Position zu bringen.“

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Es passt eigentlich nicht zur Philosophie der Eintracht schon so früh aufzugeben und sich von einem Spieler schon nach einem halben Jahr wieder zu trennen. „Wir müssen immer Geduld aufbringen, das lohnt sich“, gehört zu den Standardsätzen von Sportvorstand Fredi Bobic, „neue Spieler brauchen einfach Eingewöhnungszeit.“ Bei vielen Profis hat sich diese Geduld ausgezahlt. Bei Geraldes scheint die Überzeugung aber nicht mehr so groß zu sein.

Was sicher in erster Linie mit der Einschätzung von Trainer Adi Hütter zu tun hat, der dem schmächtigen Portugiesen die Bundesliga wohl nicht zutraut. Am Ende des Trainingslagers im Sommer hatte er mal angemahnt, „dass Chico sich schnellstens an Härte und Tempo gewöhnen muss, sonst wird es schwierig“. Die Gelegenheit dazu hat Geraldes freilich bislang noch nicht gehabt. „Ich habe ja noch nicht gespielt“, hat er gesagt. Er war fest entschlossen, um seine Chance in der Bundesliga zu kämpfen.

„Ich tue mein Bestes, um wieder spielen zu können, das ist klar. Und ich bin gekommen, um länger zu bleiben“, hat er gesagt, „ich habe meine Heimat nicht wegen einer Saison verlassen.“ Nun könnte es ihn schon wieder zurück in die Heimat ziehen. Noch sei dies freilich „Spekulation“, wie Hübner betont.

Für die Frankfurter könnte die vorzeitige Auflösung des Vertrages allerdings Sinn machen, den gerade im Mittelfeld wollen und müssen sie nachbessern. Mit der Abgabe von Geraldes und vermutlich auch von Marco Fabián, der auf Vereinssuche ist, würden Kapazitäten im Kader frei werden. Gesucht wird nicht nur, aber vor allem ein defensiver Mittelfeldspieler. Denn niemand kann seriös einschätzen, wann Lucas Torró nach seiner Leistenoperation wieder einsatzfähig sein wird.

Im letzten Sommer hatte die Eintracht sich ein paar Gedanken um eine mögliche Rückkehr von Sebastian Rode (28) gemacht. Damals konnte der Wechsel nicht realisiert werden. Ob es jetzt möglich und noch gewollt ist? Rode war lange verletzt, das würde dagegen sprechen. Rode hat in Dortmund kaum noch eine Chance und könnte womöglich günstig wechseln, das würde dafür sprechen. Aber vielleicht hat der Trainer ja eine ganz andere Idee und arbeitet daran, sie in die Tat umzusetzen.

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