Angst vor dem Absturz

Kovac sauer: „Wir haben uns wie Schüler angestellt“

Darmstadt 98 - Werder Bremen
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Die Eintracht ließ sich von Freiburg den Schneid abkaufen. Darüber ärgerte sich Niko Kovac.

Freiburg - So sauer war Niko Kovac noch nie seit er für die Frankfurter Eintracht arbeitet. Nach der ebenso unnötigen wie verdienten 0:1 (0:1)-Niederlage beim SC Freiburg hat der Trainer der Hessen in der Kabine seinen ganzen Frust rausgelassen.

Kovac war laut, er war enttäuscht, er war wütend. Und er war sauer auf seine Spieler. „Wir haben uns wie Schüler angestellt“, schimpfte er, „diese Niederlage ärgert mich immens.“ Nichts von dem, was man sich vorgenommen habe, sei umgesetzt worden. „Da kann ich erzählen, was ich will, wenn dann die Cleverness fehlt“, griff er die Mannschaft scharf an. Der forsche Beginn der Freiburger, die Hektik während der zweiten Halbzeit, nichts sei überraschend gewesen. Und doch wusste die Eintracht keine Antwort. Das Spiel wurde nach einer schläfrigen Anfangsphase und einem Fehler von David Abraham durch den Treffer von Vicenzo Grifo früh entschieden.

In Ingolstadt hatten die Frankfurter einen ähnlich schwachen Start, damals war es gutgegangen. Diesmal nicht. „Wir haben den Sieg verschenkt“, brachte es Torwart Lukas Hradecky auf den Punkt. Nach der Pause hatte die Eintracht die Linie verloren. „Freiburg hat provoziert und billige Fouls gezogen, das gehört zum Spiel“, sagte Kovac, „und meine Mannschaft hat überhaupt nichts kapiert.“ Kovacs Fazit: „Sie wollten den Sieg mehr“.

Eine Tatsache, die von den Statistiken untermauert wird und die der Trainer nur schwer akzeptieren kann. Die Frankfurter liefen 3,5 Kilometer weniger als ihre Gegner, sie zogen 30 Sprints weniger an und sie gewannen nur 45 Prozent aller Zweikämpfe. Auf solche Werte reagiert Kovac allergisch. Und mit Druck. Es wird eine harte Trainingswoche folgen mit sechs Übungseinheiten plus zwei Freundschaftsspielen, am Dienstag beim KSV Klein-Karben, am Freitag beim Zweitligisten SV Sandhausen. „Wir werden mit jenen, die hier sind, so gut arbeiten, dass sie alle fit fürs nächste Spiel sind“, sagte Kovac.

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Insgesamt neun Spieler werden wegen Länderspielreisen fehlen, die Arbeit wird sich also auf etwas mehr als den halben Kader beschränken. Und dann geht es gegen die Bayern. Und danach nach Hamburg und Mönchengladbach. Den Frankfurter schwant nichts Gutes nach der Niederlage von Freiburg, latent ist schon die Angst vorhanden, in den nächsten Wochen abzustürzen. „Wir wollten etwas mitnehmen in die Länderspielpause“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner, „aber gegen Teams auf Augenhöhe lassen wir zu viele Punkte liegen“.

Als besonders „ärgerlich“ empfand auch Sportvorstand Fredi Bobic die Pleite, „weil wir sicher nicht unterlegen waren.“ Vor allem in der ersten Halbzeit hatte Hübner die Eintracht trotz des Rückstandes „klar spielbestimmend“ gesehen. Bobic und Kovac äußerten sich ganz ähnlich. Doch festzuhalten bleibt: Über die gesamten 90 Minuten hatte die Eintracht nur drei „halbe Chancen“, zweimal Alex Meier, einmal Marco Fabián. Womöglich haben die Frankfurter sich in der letzten Woche auch zu viel mit dem Gegner und zu wenig mit ihren eigenen Stärken beschäftigt. Drei Video-Analysen über den SC Freiburg hatte es gegeben, viele Information über den Gegner also.

Das Eintracht-Zeugnis gegen Freiburg

SC Freiburg - Eintracht Frankfurt
SC Freiburg - Eintracht Frankfurt
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Das Eintracht-Zeugnis gegen Freiburg

Mit Blick auf den Gegner hatte der Trainer seine Formation umgestellt. Die Eintracht spielte nicht im 4-2-3-1, sondern mit Raute, wollte damit die Freiburger überraschen. Dafür gab es dickes Lob vom Gegner (Trainer Christian Streich: „Frankfurt war taktisch hervorragend, das war höchste Ebene“), aber keinen Ertrag. Und das hatte Gründe. Mit Szabolcs Huszti, Omar Mascarell und Makoto Hasebe spielte die Eintracht quasi mit drei defensiven Mittelfeldspielern. Alle drei strahlen keinerlei Torgefahr aus, das ist nicht neu. Wie schon beim 0:1 in Darmstadt, als auch auf dieses System vertraut wurde, führte es dazu, dass Alex Meier weitgehend isoliert vom Spiel war. Gerade in der ersten Halbzeit fand sich Meier häufig auf dem linken Flügel in direkten Duellen mit den Freiburger Verteidigern. Doch das Dribbling auf Außen, der Angriff über den Flügel und Flanken schlagen, das alles gehört sicher nicht zu den Kernkompetenzen des Frankfurter Kapitäns. Er gehört ins Zentrum, in den Strafraum, auch das ist keine neue Erkenntnis.

Das Spiel der Eintracht hatte keinerlei Balance: Die, die außen sein sollten, waren in der Mitte, die in der Mitte sein müssen, waren außen. Was auch daran lag, dass einzelne völlig von der Rolle waren, Haris Seferovic war ein Totalausfall, so deutlich muss man es sagen, Huszti kaum besser, Mascarell komplett unauffällig. Es gibt noch andere personelle Fragen. Warum musste der zuletzt so starke Danny Blum auf die Bank? Warum war Ante Rebic überhaupt nicht im Kader? Verletzt war der Kroate nicht, er hat am Samstag und Sonntag trainiert. Als mit Danny Blum und Neuzugang Shani Tarashaj dann zwei Außen eingewechselt wurden, spielten auch sie nicht auf Außen, sondern auch noch in der Mitte.

Bilder und Spielbericht: Eintracht verliert in Freiburg

Eintracht Frankfurt: Niederlage in Freiburg
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Auch die Auswechslung von Bastian Oczipka war durchaus überraschend, hatte er doch bei den ganz wenigen Gelegenheiten immer die Füße mit ihm Spiel. Dagegen wirkte Taleb Tawatha wie ein Fremdkörper. Es bleibt das Fazit, dass Freiburg für die Frankfurter ein gebrauchter Tag war. Die Form der Spieler hatte nicht gestimmt, das System hatte nicht gegriffen und die Bereitschaft, als Mannschaft Defizite auszugleichen, war diesmal zu wenig ausgeprägt. So gesehen war es ein sehr lehrreicher Nachmittag für die Eintracht.

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Anthony Modeste erzielte gegen den FC Bayern den Ausgleichstreffer zum 1:1. Foto: Matthias Balk
Joshua Kimmich (r.) traf zum 1:0 für den FC Bayern. Foto: Andreas Gebert
Vedad Ibisevic jubelt über seinen Treffer zum 1:0. Foto: Maurizio Gambarini
Antonio-Mirko Colak (l.) erzielte gegen Werder Bremen zwei Treffer. Foto: Boris Roessler
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