Teil 2 der Serie

Ohne Drama geht es nicht: Eintracht Frankfurt überrascht Fans und Kritiker

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Die Fans von Eintracht Frankfurt überzeugen in der Europa-League mit ihren Choreographien.

Für Eintracht Frankfurt geht es in der Europa-League ohne Drama nicht: Die SGE überrascht Fans und Kritiker.

Eintracht Frankfurt wird nach der Auslosung der Gruppen für die Europa-League (EL) nicht in der Favoritenrolle gesehen. Wie sehr man sich in der SGE täuschen kann und wie mit einzigartigen Fans im Rücken jedes Spiel zum Heimspiel wird. Teil 2 der Serie.

Als am 31. August letzten Jahres die Gruppen für die Europa-League (EL) ausgelost waren, hielten sich Vorfreude und Schreck bei der Eintracht die Waage. Olympique Marseille, Lazio Rom und Apollon Limassol als Gegner, das bedeutete für die Anhänger schöne Reisen, für die Mannschaft aber schwierigste Aufgaben. Die Eintracht startete als Außenseiter, alleine die Zyprer aus Limassol galten als machbare Gegner. Vorjahresfinalist Marseille und das italienische Spitzenteam schienen zu stark. Wie man sich täuschen kann.Die erste und wie sich zeigte einzige (Ent)täuschung mussten die Fans hinnehmen. 

Halb Frankfurt wollte an die französische Mittelmeerküste reisen, um in Marseille das Comeback auf der internationalen Bühne mitzuerleben. Doch die UEFA machte allen Wünschen und Sehnsüchten einen Strich durch die Rechnung. Marseille wurde wegen Zuschauerausschreitungen in der Saison davor mit einem „Geisterspiel“ belegt, die Frankfurter waren die Dummen. Kein Fan durfte ins Stadion und selbst in der Stadt, so hieß es vorher aus Polizeikreisen, werde man dafür sorgen, dass keine durch Trikots oder Schals erkennbaren Eintracht-Fans für „Unruhe“ sorgen. Der Zwiespalt zwischen Reisefreudigkeit auf der einen und Sicherheitsgefühl auf der anderen Seite sollte die Eintracht durch die gesamte europäische Saison begleiten.

Geisterspiel in Marseille: Sieg der SGE Fundament für weiteren Erfolg

Zurück nach Marseille. Im leeren Stadion Velodrome sorgten die Hessen für eine echte Sensation. Sie besiegten Olympique mit 2:1, obwohl sie nach einer Stunde (Platzverweis Jetro Willems) in Unterzahl spielen mussten. Neuzugang Lucas Torró und Luka Jovic erzielten die Treffer. Jovics Stern begann an der Cote d’Azur besonders hell zu leuchten. Im ersten Heimspiel empfing die Eintracht Lazio Rom. Und alle bekamen einen Vorgeschmack, was noch folgen sollte. 

Eine fantastische Choreografie auf den Rängen und eine außergewöhnliche Leistung auf dem Rasen bereiteten den Boden für den späteren Triumphzug durch Europa. Die Eintracht siegte 4:1 und lag auf einmal an der Spitze der EL-Gruppe H. Es folgten zwei schon fast erwartete Siege (2:0 und 3:2) gegen Limassol, mit den gleichen „Auffälligkeiten“ wie schon gegen Rom: Begeisterte und begeisternde Fans und leidenschaftlich kämpfende Spieler. Schon nach vier Runden hatte sich die Eintracht für die K.o.-Spiele qualifiziert.

Eintracht Frankfurt stellt neuen Rekord ein

Dann ging es erst richtig los. Noch nie hatte eine deutsche Mannschaft alle Gruppenspiele gewonnen. Die Eintracht hat es geschafft. Sie hat Marseille noch einmal besiegt und dann auch in Rom gewonnen. Das war die eine Seite der Medaille. Die andere: Die Fans hatten die Partie im Römer Olympiastadion zum Heimspiel gemacht, sie hatten die „ewige Stadt“ mit touristischer Neugier quasi geflutet. Und wurden dann von einer paar wenigen Chaoten um Spaß und Freude gebracht. 

Das auf dem Platz erwünschte Feuerwerk wurde auch auf den Rängen gezündet, Polizei war aufmarschiert, es waren schlimme Bilder und zum fremdschämen. Die Leistung der Mannschaft wurde in den Hintergrund gedrängt, das Vertrauen der Vereinsspitze in die eigenen Anhänger war erschüttert. Die UEFA reagierte, sprach eine hohe Geldstrafe aus und drohte beim nächsten Vergehen mit schlimmeren Sanktionen bis hin zu Zuschauerausschlüssen. Von Sanktionen gegen die italienischen Behörden, die die in großer Mehrzahl friedlichen Anhänger drangsaliert hatten, wurde nichts bekannt.

SGE immer selbstbewusster im Kampf um Titel

Sportlich lief alles weiter wie geschmiert. Die Eintracht bekam immer schwerere Gegner und wuchs daran. Erst Schachtjar Donezk, direkt aus der Champions-League (CL) gekommen. Dann Inter Mailand, auch aus der CL, dann Benfica Lissabon, auch aus der Königsklasse. Und am Ende Chelsea, natürlich auch aus der oberen Etage. Doch längst hatte die Eintracht auch den nächsten Schritt getan. Die Mannschaft war im Winter mit Martin Hinteregger und Sebastian Rode deutlich verstärkt worden und konnte den Kampf selbstbewusst aufnehmen.

Die Spiele wurden immer aufregender, immer besser. Donezk wurde nach einem Auswärts-2:2 zu Hause mit 4:1 ausgeschaltet. Frankfurt war im siebten Himmel. San Siro lockte, Mailand, das Guiseppe-Meazza-Stadion, die Kathedrale des italienischen Fußballs. Das war eine wirkliche Belohnung für Spieler und Fans. Zu Hause reichte es „nur“ zu einem 0:0, gerettet von Kevin Trapp, der einen Elfmeter abwehren konnte. Milano war dann wieder ein großes Reiseziel. Die Eintracht siegte 1:0, Luka Jovic war der Schütze des „goldenen Tores“, na klar. Nun war die Eintracht zurück auf der Landkarte des großen Fußballs. Es hätte alles so schön sein können. Wenn da nicht wieder ein paar Idioten gewesen wären, die ihre Pyromanie auslebten, Raketen abschossen und alles gefährdeten, was andere aufgebaut hatten. Der Ausschluss der Fans drohte, doch die UEFA hatte ein überraschendes Einsehen.

Elfer-Drama in London: Eintracht Frankfurt scheidet unglücklich aus

Es ging nach Lissabon. Benfica gegen Eintracht, ein Traum wurde Wirklichkeit. Im „Estadio da Luz“ schien die Reise zu Ende zu gehen. Die Portugiesen führten in Überzahl (Platzverweis Ndicka) mit 4:1, der ehemalige Frankfurter Haris Seferovic hatte das fünfte Tor auf dem Fuß. Trapp rettete und der Portugiese Goncalo Paciencia erzielte das zweite Eintracht-Tor. Ein Fünkchen Hoffnung wurde in den Tagen darauf zum lodernden Feuer. Die Choreografie erreichte einen neuen Höhepunkt, die Leistung der Mannschaft dann auch. Kühl und abgeklärt spielte die Eintracht, hatte das Glück, ein Abseitstor anerkannt zu bekommen und landete punktgenau. Tor Kostic, Tor Rode, 2:0, Halbfinale.

Die Steigerung von Rom, Mailand, Lissabon hieß London. Der Weltklub Chelsea, vor ein paar Jahren noch gut bezahlter Testspielgegner, war nun Gegner im Halbfinale. 1:1 zu Hause, Torschütze, na klar, Jovic. Keine Chance im Rückspiel? Nicht mit der Eintracht. Chelsea führte zur Pause 1:0, die Eintracht glich aus, Jovic, na klar. Die Frankfurter wurden besser und besser, hatten die besseren Chancen bis zum Schluss und in der Verlängerung. Es wurde ein Elfmeterschießen. Das Drama nahm seinen Lauf, Trapp hielt einen, Hinteregger und Paciencia verschossen zwei, Aus. Tränen flossen, aber fast 5000 Frankfurter feierten an der Stamford Bridge bis weit nach Mitternacht den „Finalisten der Herzen“. Ganz Deutschland schwärmte. Das war ein Sieg in der Niederlage.

SGE ist der Finalisten der Herzen

Baku, der Finalort, war verpasst, aber die Champions-League-Teilnahme war noch immer greifbar. Doch die Mannschaft war am Ende. Der Einbruch kam mit Macht. Sechs Spiele in der Liga ohne Sieg, am Ende gerade noch Siebter. „Wären wir gegen Benfica ausgeschieden und hätten nicht gegen Chelsea gespielt, wären wir jetzt in der Champions-League“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic ohne Wehmut. Man kann halt nicht alles haben.

Von Peppi Schmitt

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