Trainer stellt die Weichen mit Mut und Fantasie

Eintracht überrascht: Ein Sieg für Hütter

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Adi Hütter

Freiburg - Der durchaus ein wenig überraschende 2:0 (1:0)-Sieg beim SC Freiburg hat der Frankfurter Eintracht nach den Irrungen und Wirrungen der letzten Wochen gut getan. Vor allem aber hat er dem neuen Trainer gutgetan. Von Peppi Schmitt

Adi Hütter hat bei seinem ersten Bundesligaspiel Mut bewiesen und ist dafür belohnt worden. Er hat allen Schwierigkeiten getrotzt und hat die richtigen Schlüsse aus den Pleiten im Supercup und DFB-Pokal gezogen und den durchaus glücklichen Erfolg realistisch eingeschätzt. „Es war Balsam auf die Wunden nach der berechtigten Kritik in den letzten Wochen“, sagte er, „für mich, der als Österreicher zum ersten Mal auf der Bank war, ist es eine Genugtuung mit einem Sieg zu starten.“ Dieser Sieg war Adi Hütters Sieg.

Er hatte die richtige Taktik (4-2-3-1) gewählt. In der Viererkette hat die Eintracht viel stabiler gewirkt als zuletzt mit der Dreierabwehr. „Mir haben einfach die vielen Gegentore in den letzten Wochen nicht gepasst“, sagte er nachher, „deshalb haben wir unter der Woche viel probiert.“ Und dabei die richtigen Lösungen gefunden. Er hat nicht gejammert. Neben den Abgängen der Pokalhelden Lukas Hradecky, Kevin-Prince Boateng, Omar Mascarell und Marius Wolf, hatten in Freiburg ja auch noch Ante Rebic, David Abraham, Timmy Chandler (alle drei verletzt) sowie Makoto Hasebe (krank) gefehlt. Ein Aderlass, den kaum eine Mannschaft verkraften kann. Die Eintracht konnte es in Freiburg. „Es haben Schlüsselspieler gefehlt, aber ich habe Vertrauen zu den Spielern, die da sind“, sagte Hütter ruhig. Das Vertrauen wurde belohnt.

Er hat das richtige Personal für dieses Spiel ausgewählt. Trotz der Ausfälle hatte er einige Überraschungen bereitgehalten. Den Debütanten Evan Ndicka statt des Routiniers Marco Russ aufzustellen, hätte sich nicht jeder getraut. Den Neuen Filip Kostic noch draußen zu lassen und auf links mit Taleb Tawatha zu beginnen auch nicht. Mit Lucas Torró nach schwachen Leistungen einen weiteren Neuzugang im Team zu lassen und dafür den erfahrenen Johnny de Guzman auf die Bank zu setzen, konnte kaum jemand erwarten. Auch Sébastien Haller den Vorzug vor Luka Jovic zu geben, war durchaus mutig. Alle diese Maßnahmen haben gegriffen. Und nicht nur das. Die „Überraschungsgäste“ im Team gehörten zu den Besten. Ndicka zeigte eine grundsolide Leistung, machte keine Fehler, wirkte ruhig und souverän. Und das mit gerade neunzehn Jahren. „Er hat das hervorragend gemacht“, lobte Hütter. Und schob den Grund für den Einsatz des Youngsters nach: „Ich habe ihn spielen lassen, weil er mit dem linken Fuß im Spielaufbau gut ist.“

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Der ehemalige Freiburger Gelson Fernandes war ein weiterer Mosaikstein im diesmal stimmigen Frankfurter Bild. Als Kapitän ackerte der Schweizer im Sinne des Wortes, warf sich in jeden Ball. Und er hat geredet mit den Kollegen, er hat Regie geführt, ganz anders als ein Spielmacher, eher als Organisator. Darum war er so wichtig. Hütter: „Gelson ist ein grundpositiver Mensch, er hat eine tolle Einstellung, er kann andere unglaublich pushen, er kann helfen, einstellen und dabei stellt er sich nie selbst in den Vordergrund.“ Ein Leader der ganz anderen Art also. Beim Pokalaus in Ulm, Fernandes war gesperrt, habe genau ein solcher Spieler gefehlt. Auch im Sturm hatte Hütter richtig gewählt. Haller war ein Volltreffer, womöglich hat der Franzose sein bestes Spiel im Eintracht-Trikot gemacht. Das 1:0 hatte er mit einer Art Hackentrick aufgelegt, das 2:0 selbst erzielt. „Seb hat toll gespielt“, lobte Hütter, „wir haben den Gegner zu Fehlern gezwungen und die Tore toll herausgespielt.“

All das zusammen hat zum ersten Auswärtssieg seit Januar geführt und die sportlich Verantwortlichen in ihrer Trainerwahl früh bestätigt. Hütter geht den Weg des Umbruchs bis zu einem gewissen Punkt mit, hat aber auch seinen eigenen Kopf und scheut sich nicht vor unpopulären Maßnahmen. Das betraf sogar die Auswahl des zweiten Torwarts. Auf der Bank saß Jan Zimmermann, der in der Vorbereitung nicht eine Minute gespielt hatte, dafür musste Felix Wiedwald zu Hause bleiben. „Ich musste ja eine Entscheidung fällen“, sagte er kurz. Grundsätzlich stelle er „Gegnerbezogen“ auf, sagte Hütter sachlich. Und vergaß nicht zu erwähnen, „dass wir auch das nötige Spielglück hatten“.

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