Eintracht will zwei Millionen Euro

Kadlec will nach Dänemark: Jetzt Poker um die Ablöse

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Nur im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin durfte Vaclav Kadlec von Beginn an spielen, konnte die Chance allerdings nicht nutzen.

Frankfurt - „Private Verpflichtungen“, so hatte Sportdirektor Bruno Hübner gesagt, wären der Grund für das Fehlen von Vaclav Kadlec bei den Trainingseinheiten der Frankfurter Eintracht am Donnerstag und Freitag gewesen. Von Peppi Schmitt

Doch es waren eher berufliche Zukunftsplanungen, die der tschechische Nationalspieler an diesen beiden Tagen vorangetrieben hatte. Kadlec war nach Dänemark gereist und hatte neben intensiven Gesprächen auch einen sportmedizinischen Test beim FC Mydtylland absolviert. Übrigens mit Einverständnis seines aktuellen Arbeitgebers. An die große Glocke wollten aber alle Beteiligten den Trip nach Dänemark nicht hängen, denn im vergangenen Sommer war der Transfer von Frankfurt nach Mydtylland schon einmal gescheitert. Doch der „Geheimtrip“ war nicht geheim geblieben. Nun deutet alles darauf hin, dass der Wechsel in diesem Winter klappt.

Einziger Knackpunkt könnte noch die Ablösesumme werden. Vor gut zwei Jahren hatten die Frankfurter 3,2 Millionen Euro für Kadlec an Sparta Prag bezahlt. So viel werden sie diesmal sicher nicht erzielen, der Marktwert des Spielers ist deutlich gesunken. Gut zwei Millionen Euro aber wird Manager Hübner verlangen. Sportlich würde der Wechsel für alle Seiten Sinn machen. Der dänische Spitzenklub sucht einen jungen Stürmer und interessiert sich schon lange für Kadlec. Der Spieler, der im letzten Sommer noch nicht bereit war, in die eher zweitklassige dänische Liga zu gehen, hat nun erkannt, dass er in Frankfurt keine Zukunft mehr und in der Bundesliga keinen Markt hat. Und die Eintracht wäre froh, wenn das sportliche Missverständnis keine großen finanziellen Nachteile bringen würde.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Vaclav bei einen anderen Club auch wieder Tor erzielt“, sagt Trainer Armin Veh. Die Hoffnung, dass er bei der Eintracht den Durchbruch doch noch schafft, ist dagegen gering. Weder in Vehs erster noch in dessen zweiter Amtszeit hat dies geklappt und auch nicht bei Thomas Schaaf in der vergangenen Saison. Kadlec scheint bei allem Talent die nötige Einstellung und oder vielleicht doch die Klasse zu fehlen. In bislang 27 Spielen für die Eintracht hat er sechs Tore erzielt. Seine beste Zeit hatte er in diesem Frühjahr, als er auf Leihbasis wieder ein halbes Jahr in seinem vertrauten Umfeld für Sparta Prag spielen durfte. Da hat er bei dreizehn Einsätzen neun Tore erzielt. Bei der Eintracht aber ist er auf einen Platz auf der Bank nicht hinausgekommen, zuletzt saß er sogar einige Male auf der Tribüne. Nur einmal kam er von Beginn an zum Einsatz, beim Heimspiel gegen Hertha BSC. Da konnte Kadlec nicht überzeugen, wie so viele anderen Spieler auch. Danach hatte der Trainer das Vertrauen in ihn verloren. Auch weil der im Training keine wirklichen Anstrengungen unternahm, sich in den Vordergrund zu spielen. Kadlec ist ein Einzelgänger geblieben, der auch sprachlich nach zweieinhalb Jahren in Deutschland nicht wirklich vorangekommen ist. „Irgendwann mal ist dann Schluss“, sagt Veh. Das scheint nun der Fall zu sein.

An diesem Dienstag, wenn die Frankfurter mit der Vorbereitung auf das Heimspiel am Samstag gegen Bayer Leverkusen starten, wird er zwar wieder im Training sein. Aber eine Zukunft wird er bei der Eintracht nicht mehr haben, obwohl sein Vertrag noch bis zum Sommer 2017 läuft. Sein Berater Pavel Paska hat angekündigt, in dieser Woche nach Frankfurt zu kommen, um Gespräche zu führen. Da geht es dann um die Abwicklung des geplanten Transfers nach Mydtylland, der im Januar über die Bühne gehen soll. An einer frühen Einigung hat auch die Eintracht großes Interesse, würde der Verkauf von Kadlec doch die Möglichkeiten bei der Suche nach Verstärkung des eigenen Kaders vergrößern.

Es ist kein Geheimnis, dass die Frankfurter über die Verpflichtung eines Linksaußen nachdenken, zuletzt waren immer die Namen von Chinedu Obasi und Sidney Sam im Gespräch. Auch die Gedanken, den ehemaligen Frankfurter Sebastian Jung aus Wolfsburg zurückzuholen, sind noch aktuell. Denn auch ein guter rechter Verteidiger würde der Eintracht gut zu Gesicht stehen. Dagegen ist eine Rückholaktion von Sebastian Rode nahezu ausgeschlossen, selbst wenn der Mittelfeldspieler bei den Bayern keine wirklich große Zukunft mehr hat und die Eintracht einen Spielers einer Klasse auch gut gebrauchen könnte. Doch angeblich zeigt auch Bayer Leverkusen Interesse am ehemaligen Offenbacher. Und da können die Frankfurter finanziell nicht mehr mithalten. Selbst wenn ein Verkauf von Kadlec die eine oder andere Million in die Kasse spülen würde.

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