Eintracht Frankfurt

Das „Problem“ Hasebe: Verzichtet Hütter auf den „Unverzichtbaren“?

+
Frankfurts Makoto Hasebe (l) diskutiert mit Schiedsrichter Christian Dingert.

Eintracht Frankfurt ändert das Spielsystem zum Rückrundenstart. Es wird ein Platz für den besten Passgeber der SGE, Makoto Hasebe, gesucht.

Frankfurt - Viererkette anstelle der Dreierkette soll also die Lösung sein bei der Frankfurter Eintracht. Ein Mann mehr in der unmittelbaren Verteidigung des eigenen Tores als in den letzten Jahren. „Mehr Kompaktheit“ will Trainer Adi Hütter damit herstellen und der Gegentorflut der letzten Spiele Herr werden, am besten schon am Samstag beim Rückrundenstart in Hoffenheim. Hört sich gut und vernünftig an, zumal es sicher kein Hexenwerk ist und den Spielern zu viel abverlangt, von der einen Abwehrformation auf die andere umzustellen. „Viererkette hat doch jeder schon mal irgendwann gespielt“, sagt der Jüngste im Team, der 20 Jahre alte Evan Ndicka, „das ist kein Problem für uns.“ Freilich hat die Veränderung des Spielsystems für die Eintracht und ihren Trainer einen großen Haken. Denn auf den ersten Blick ist nun plötzlich kein Platz mehr für den wahrscheinlich besten Fußballer im ganzen Aufgebot.

Eintracht Frankfurt: Hasebe der Organisator

In den letzten beiden Spielzeiten hatte Makoto Hasebe die Defensive organsiert. Er war der Mittelmann der Dreierkette, eine Position wie zugeschnitten auf den 35 Jahre alten Japaner. Gelernt hat der erfahrene Hasebe, 114 Länderspiele für sein Heimatland, das Spielen im Mittelfeld. Eigentlich war er ein „Sechser“, bevor bei der Eintracht erst Niko Kovac, dann Adi Hütter die perfekte Rolle für ihn gefunden haben. Eine Position, die auch ein Fußballer im hohen Alter noch ausfüllen kann, kann er dort doch die Kräfte besser einteilen als im laufintensiven Mittelfeld, kann viele brenzlige Situation mit „Auge“ und Erfahrung lösen. In der letzten Saison spielte Hasebe überragend, galt als unverzichtbar. In dieser Saison spielt er nicht mehr überragend, wie die ganze Mannschaft nicht, gehört aber immer noch zu den deutlich besseren in einem verunsicherten Team. Die professionelle Einstellung des Japaners ist Legende, genau wie seine Trainingsfleiß.

Das Spiel war auch in der Vorrunde auf ihn zugeschnitten. Hasebe war der „freie Mann“ in der Abwehr. Von dort hat er das Spiel der Eintracht angekurbelt. Nicht mehr so auffällig wie letztes Jahr, aber immer noch gut, das beweisen die Statistiken. Im Schnitt ist er in dieser Bundesligasaison, in der er dreizehn von siebzehn Spielen absolviert hat (dazu zehn in der Europa-League und zwei im DFB-Pokal), auf 70 Ballkontakte gekommen. Er hat sich die Bälle zuspielen lassen von den Torhütern, hat sie dann weitergeleitet in Mittelfeld und Angriff. Hasebe hat ligaweit die viertmeisten Pässe aus der Abwehr nach vorne gespielt. Und genau da liegt nun das Problem. Denn kann die Eintracht wirklich auf ihren besten Passgeber in Zukunft verzichten? Kann es sich Hütter also wirklich leisten, Hasebe draußen zu lassen? Und speziell für das Spiel in Hoffenheim: Wer soll den Stürmern wie Filip Kostic oder gar ganz vorne Bas Dost die Bälle bringen, wenn der Initiator der sowieso schon weniger gewordenen Angriffe draußen sitzt und Daichi Kamada, sein ebenfalls spielintelligenter Landsmann, wegen einer Verletzung fehlt?

Eintracht Frankfurt: Hinteregger und Abraham im Abwehrzentrum

Im Trainingslager in Amerika und auch zuletzt bei der ersten Übungseinheit in der Heimat hat sich der Frankfurter Trainer augenscheinlich dazu entschieden, das Abwehrzentrum mit David Abraham und Martin Hinteregger zu besetzen. Das verspricht mehr Stabilität im Zweikampf, sicher auch verbesserte Kopfballstärke als mit Hasebe. Freilich gehört das Passspiel nach vorne, der Spielaufbau, die Einleitung eigener Angriffe nicht zu den Kernkompetenzen der beiden grundsoliden Abwehrrecken. Da war und ist Hasebe besser.

Der Frankfurter Trainer befindet sich damit in einem Dilemma, muss abwägen, was für die Mannschaft in der aktuellen Lage besser ist. Lösen kann er das Problem eigentlich nur, wenn er bei der Einführung der Viererkette Hasebe eine Station weiter nach vorne schiebt und ihn neben Sebastian Rode ins Mittelfeld einbaut. Das könnte passen – hat aber auch wieder einen Haken. Denn beide, Rode wegen seiner durchaus anfälligen Gesundheit, und Hasebe wegen seines Alters, können beide sicher nicht drei Spiele in einer Woche bestreiten. Im Januar wird das noch nicht ins Gewicht fallen, die Eintracht hat nach dem Auftakt in Hoffenheim eine ganze Woche Zeit bis zum Heimspiel gegen Leipzig. Im Februar aber gibt es sieben Spiele in 27 Tagen. Da müssen die Kräfte richtig eingeteilt werden, gerade im Mittelfeld.

Aber vielleicht legt sich Hütter ja gar nicht auf ein festes System fest, spielt mal mit Dreierkette und Hasebe in der Abwehr, mal mit Viererkette, dann ohne Hasebe oder mit ihm im Mittelfeld. „Mir ist es egal, wo ich spiele, ich kann beides“, sagt Hasebe. Bewiesen hat er es schon oft genug. Am Samstag feiert er seinen 36.Geburtstag - auf dem Platz oder auf der Bank? 

Unterdessen scheint die Eintracht Interesse an Jacob Bruun Larsen von Borussia Dortmund zu haben.

Von PEPPI SCHMITT

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare