Vertragspoker geht weiter

Vorwürfe von Vater Hradecky an die Eintracht

Lukas Hradecky
+
Lukas Hradecky

Frankfurt - Seit Wochen hält der Vertragspoker mit Lukas Hradecky die Fans der Frankfurter Eintracht in Atem. Nun haben sich Hradecky und sein Vater Vladimir, der die Verhandlungen führt, zum ersten Mal exklusiv öffentlich geäußert. Von Peppi Schmitt

Sie betrachten die für eine vorzeige Vertragsverlängerung gestellten Forderungen als "absolut angemessen" und bestreiten, dass die Eintracht ein Angebot in Höhe von angeblich 2,8 Millionen Euro gemacht habe, wie es zuletzt einige Medien berichtet hatten. Vater Hradecky hat sich auch zu einem angeblichen Ultimatum der Eintracht und zu möglichen England-Angeboten geäußert: "Es ist mir eine Freude, Stellung zu nehmen. Das ist gut für die Öffentlichkeit, sie bekommt damit ein klareres Bild von der gesamten Situation."

Sohn Lukas Hradecky freut sich derweil auf die neue Saison: "Unser Team steht vor einem Umbruch und ich bin sehr gespannt, wer alles kommt und wie wir uns verstärken. Ich möchte mit der Eintracht nochmal so etwas wie das Pokalfinale erleben, denn ich fühle mich total wohl in Frankfurt." Das hört sich nicht nach vorzeitigem Abschied an. Zumal der Papa auch explizit bestätigt, dass es "kein Angebot" aus der englischen Premier-League gibt. "Ich möchte allen Fans sagen, dass es unsere Priorität ist, dass Lukas mindestens auch die nächste Saison bei der Eintracht spielt", sagt er, "aber der neue Vertrag muss auf einem bestimmten Level sein und nicht nur die finanziellen Interessen des Klubs sichern."

News und Aktuelles zur Eintracht auf Facebook

Nach wie vor will sich der 27 Jahre alte Finne, der am Mittwochabend ein Länderspiel gegen Liechtenstein bestritten hat, nicht unter Zeitdruck setzen lassen. "Nach den Länderspielen mache ich Urlaub, kann abschalten und mir in Ruhe Gedanken machen über meine Zukunft", sagt er. Diese Ruhe hat die Eintracht aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Für Sportvorstand Fredi Bobic gab und gibt es nur zwei Alternativen: Entweder Hradecky verlängert vorzeitig, oder er geht in diesem Sommer und die Eintracht kassiert eine Ablösesumme. "Wir haben finanziell alles aus uns rausgeholt, was geht, und damit unsere Wertschätzung dokumentiert“, erklärte Bobic. Dies hat die Eintracht dem Gesprächspartner zuletzt deutlich gemacht und angeblich mit der Drohung unterfüttert, bei einem weiteren Zeitspiel von Hradecky, eine neue Nummer eins zu verpflichten. Das ist bei Vater Vlado gar nicht gut angekommen. "Ein Beispiel: Sie kommen und wollen mein Auto für 1000 Euro kaufen. Wenn ich nicht verkaufen will, machen sie einen Reifen kaputt , dass ich nicht mehr damit fahren kann. Wir wissen beide, dass das Auto 3000 Euro wert ist", vergleicht er den Vertragspoker mit einem Autokauf. "Dann gehen sie an die Medien mit der Information, dass sie mein Auto nicht kaufen können, weil ich zu viel Geld verlange. Ich will es aber überhaupt nicht verkaufen, sondern noch ein Jahr fahren." 

Mit solchen Drohungen seitens der Eintracht würde der laufende Vertrag "lächerlich gemacht". Eine sportliche Zurückstufung wäre "völlig unangebracht". Es wäre eine Art von "Rache" und "jemand anders, aber nicht Lukas, müsste dafür die Verantwortung übernehmen und es den Fans und der Öffentlichkeit erklären". Aus seiner Sicht, so Vater Hradecky deutlich, gehe es wohl gar nicht um die Forderungen, sondern vielmehr darum, "die eigene Reputation zu schützen." Aber die Öffentlichkeit, so glaubt er, würde das durchschauen. "Ich möchte daran erinnern, dass die Verhandlungen vorgezogen sind und nicht von unserer Seite initiiert wurden. Lukas hat einen gültigen Vertrag und ich erwarte, dass beide Seiten diesen respektieren", macht der Vater seinem Ärger Luft. "Lukas hat viel erreicht mit der Mannschaft in den letzten beiden Jahren, die Liga wurde erhalten und das Pokalfinale erreicht. Warum sollte der Verein seine Leistungen nicht bis zum Ende des Vertrages nutzen?"

Saison-Rückblick: Die Eintracht in der Einzelkritik

Eintracht Frankfurt Fototermin
Eintracht Frankfurt Fototermin
Frankfurter Varela wird am Dienstag operiert
Eintracht Frankfurt Fototermin
Saison-Rückblick: Die Eintracht in der Einzelkritik

Die Eintracht hat von Beginn der Verhandlungen an immer wieder betont, dass sie ihren Torwart behalten will und hat dies mit dem deutlich verbesserten Angebot ja auch unterstrichen. Die in der Öffentlichkeit genannten 2,8 Millionen Euro bestreitet Hradecky senior freilich. Wäre das so, würde sein Sohn wohl sofort verlängern. "Wenn alles passt, würde ich gerne unterschreiben", bestätigt auch Lukas.

Vlado Hradecky hat "mit Erstaunen" verfolgt, wie er zuletzt durch Aussagen des Clubs über einige Medien zum "Bad Boy" gemacht worden ist und in die Ecke des raffgierigen Vaters gedrängt wurde. Er sei ein "Hardcore"-Verhandlungspartner", hatte Eintrachts Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing gesagt. Die Forderungen seien "exorbitant" hatte es aus Vorstandskreisen verlautet. Alleine wegen dieser öffentlichen Vorwürfe wolle er sich nun auch erstmals öffentlich äußern. "Ich habe kein Problem damit, unpopulär zu sein, aber ich muss als Vater meinem Sohn in die Augen schauen können", sagt er.

Die Chefs der Eintracht, "ehemalige Spitzenathleten", gemeint sind wohl Bobic und Trainer Kovac, hätten es doch "nicht nötig" solche Mittel einzusetzen. Die Gespräche sind also weiter ziemlich festgefahren und eine Ende des Pokers ist nicht absehbar. Bei einer so wichtigen Entscheidung sei es notwendig, "lange nachzudenken", sagt er, "es muss alles gründlich überdacht werden".

Hinrunden-Zeugnis der Eintracht-Spieler

Eintracht Frankfurt vs 1. FSV Mainz 05
Eintracht Frankfurt - TSG 1899 Hoffenheim
Eintracht Frankfurt - 1. FSV Mainz 05
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - FC Bayern Muenchen
Hinrunden-Zeugnis der Eintracht-Spieler

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare