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Eintracht wird besser: Nur die Siege fehlen

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Von: Peppi Schmitt

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Eintracht Frankfurt - RB Leipzig
Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig © dpa

Frankfurt - Vier Punkte nach vier Spielen, noch kein Heimsieg, Platz dreizehn in der Tabelle – das hört sich für die Frankfurter Eintracht noch nicht so wirklich prickelnd an. Von Peppi Schmitt

Doch die nackten Zahlen und Bilanzen täuschen. Nicht nur wegen des zwischenzeitlichen Auswärtssieges in der Europa-League bei Olympique Marseille ist bei den Hessen durchaus eine positive Entwicklung zu beobachten. „Wir sind sicher noch nicht bei hundert Prozent, aber wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Trainer Adi Hütter nach dem 1:1 gegen RB Leipzig, „wenn man die Spiele gegen Bayern und Ulm vor ein paar Wochen mit dem Spiel gegen Leipzig vergleicht, sind das zwei paar Schuhe.“ Die Arbeit von Hütter und mit Hütter trägt erste Früchte, sowohl in der Spielweise als auch in der Personalzusammenstellung ist die Handschrift des Trainers immer deutlicher zu erkennen. Dabei hat es der Neue nicht einfach und immer wieder macht es sich auch die Mannschaft selbst schwer. Doch die Eintracht hat wie in Marseille auch gegen Leipzig Widrigkeiten getrotzt, personelle Engpässe wurden mit kreativen Lösungen ausgeglichen.

Hütter hatte die Leipziger mit einer Dreierkette und einer Doppelspitze überrascht. In dieser Formation hatten die Frankfurter in dieser Saison noch nicht gespielt. Die im einen Fall wenig überraschende, im anderen sehr überraschende Erkenntnis: Hasebe ist nirgendwo besser aufgehoben als als „Libero“ in der Dreierkette. Der Japaner hat ein starkes Spiel gezeigt, war eine Art Spielmacher aus der eigenen Hälfte heraus. Und die Stürmer Jovic und Haller haben den Beweis geliefert, dass sie sehr wohl gemeinsam spielen können, wenn es denn mal gefordert ist. Jeder für sich verkörpert unterschiedliche individuelle Klasse, gegen Leipzig haben sie ihre Qualitäten gewinnbringend für die Mannschaft eingesetzt. Das Führungstor haben sie eingeleitet, Jovic mit einer Flanke, Haller mit einem Kopfball, den Gulasci nur abwehren konnte, bevor Fernandes den Ball ins Tor schob. Die taktischen Kniffe Hütters waren aufgegangen. „Schade nur, dass wir nicht noch mehr Profit daraus schlagen konnten“, sagte der Trainer, „denn der eine Punkt ist eigentlich zu wenig.“

Die Eintracht ist wie vor einem Jahr unter Niko Kovac in abgeänderter personeller Zusammenstellung also auch jetzt wieder in der Lage unterschiedliche Systeme vernünftig zu interpretieren. In Marseille war es ein 4-2-3-1, gegen Leipzig eine Art 3-5-2. Beides hat funktioniert. Auch, weil mit der Stabilisierung der Mannschaft auch persönliche Fortentwicklungen einhergehen. In der Abwehr ist neben Hasebe die Leistung des jungen Evan Ndicka frappierend. Noch vor ein paar Wochen schien es, dass der 19 Jahre alte Franzose bei allem Talent noch einige Zeit brauchen würde, um in der Bundesliga Fuß zu fassen. Das hat sich im Schnelldurchlauf geändert. Ndicka, körperlich robust, technisch geschickt, hat sich gut eingefunden, minimiert seine immer noch vorkommenden Leichtsinnsfehler und ist so ein großer Wechsel auf die Zukunft.

Auf die Außenverteidiger-Not (Willems gesperrt, Chandler, Tawatha verletzt) hat Hütter ebenfalls kreativ reagiert. Links spielte Stürmer Kostic eine für ihn defensive Rolle. Er interpretierte sie gut, auch wenn ihm völlig unnötig das Handspiel unterlief, welches die Leipziger mit dem anschließenden Elfmeter zum Ausgleich nutzen konnten. Auf der anderen Seite ist Danny da Costa schon so früh in der Saison ein Einzelkämpfer und Dauerbrenner. Mangels Alternative muss er immer spielen, ein Risiko. „Ich bin immer froh, wenn er nach einem Foulspiel wieder aufsteht“, gibt der Trainer zu, „wir müssen mit ihm gerade zwischen den Spielen sehr behutsam umgehen“. Das gilt schon bis zum Mittwoch, wenn die Eintracht in Mönchengladbach zum nächsten Auswärtsspiel antreten muss. „In der ersten „englischen Woche“ habe sich seine Mannschaft „sehr ordentlich präsentiert“, sagt der Frankfurter Trainer, „am Mittwoch sind wir wieder frisch und wollen in Gladbach gewinnen.“

Vielleicht kann der wegen Müdigkeit geschonte Lucas Torró wieder spielen. Er wurde aber gegen Leipzig von Fernandes mehr als gleichwertig ersetzt. Dass der Schweizer sein allererstes Tor für die Eintracht im 23. Spiel erzielte, war einer der Höhepunkte des Spiels. „Ich hätte lieber drei Punkte gemacht als ein Tor“, sagte der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler bescheiden. Fernandes sei ein Profi „wie ihn sich jeder Trainer wünscht“, lobte Hütter, „er ist fleißig, bescheiden, hilft allen und jedem.“

Und da war ja auch noch Ante Rebic. Der Vizeweltmeister ist zurück, begeistert empfangen von den Fans. Der Kroate war von der ersten Minute an präsent. Alleine durch seine Anwesenheit verlagerte sich das Spiel nach und nach wieder vor das Leipziger Tor. Er ist ein Spieler, der dem Gegner mit seiner Wucht Respekt abnötigt. „Ante hat den Punch, den wir brauchen“, glaubt der Trainer. Ob er ihn in Mönchengladbach schon von Beginn an aufs Feld schicken wird, ließ er offen.

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