Eintracht Frankfurt

Adi Hütter: „Der Wurm ist drin“

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Makoto Hasebe (li.) mahnt mangelnde Mentalität an.

Bei Eintracht Frankfurt gibt es deutliche Kritik an der Mannschaft. Makoto Hasebe spricht von „zu wenig Mentalität“.

Frankfurt - Wenn am Montag in der Zentrale der UEFA in Nyon das Sechzehntelfinale in der Europa-League (EL) ausgelost wird, könnte für die Frankfurter Eintracht auf die aktuelle Winterdepression schnell wieder ein Frühlingshoch folgen. Denn die möglichen Gegner, unter anderem Manchester United, Ajax Amsterdam oder der FC Sevilla, wären spektakuläre Herausforderungen. Ein entsprechendes Los könnte die grundsätzliche Zufriedenheit unterstreichen, die nach der 2:3-Heimniederlage gegen Vitoria Guimaraes einer harten Bewährungsprobe unterzogen wurde. Die Eintracht hat richtig schlecht gespielt gegen die Portugiesen und die Eintracht ist nur weitergekommen, weil Arsenal London sich nicht hat hängen lassen. Und zum ersten Mal hat die Eintracht auch im Europapokal ihre Zuschauer enttäuscht. Und doch kann niemand Sportvorstand Fredi Bobic widersprechen, der gerade den internationalen Weg im Jahr 2019 als eine „unglaubliche Erfolgsgeschichte“ beschrieben hat.

Eintracht Frankfurt in einer schwierigen Lage

Das war sie. Und doch befindet sich die Eintracht am Ende des sportlich wohl erfolgreichsten Jahres ihrer jüngeren Geschichte in einer ausgesprochen schwierigen Lage. „Der Wurm ist drin“, räumt Trainer Adi Hütter ein. Die Mannschaft schleppt sich Richtung Winterpause und die Freude über das Erreichte ist arg gedämpft. Der Europacup war nach Wochen der Enttäuschungen so etwas wie der Rettungsanker, vom Spiel gegen Guimaraes sollte eine „Initialzündung“ (Hütter) für die letzten drei Bundesligaspiele ausgehen. Das Gegenteil ist eingetroffen. Die Zuschauer, darunter als Gast des Vorstandes der frühere Trainer Niko Kovac, sind zum ersten Mal nach einem internationalen Spiel enttäuscht und sauer nach Hause gegangen. Keine Spur mehr von der Frankfurter Europacup-Magie.

Der Trainer hat den Morgen danach genutzt, um deutliche Kritik zu üben: „Nach vorne arbeiten wir nicht gut, nach hinten zu wenig. Wir waren nicht aggressiv in den Zweikämpfen und zu sorglos. Wir attackieren nicht gemeinsam. Die Abstände sind zu weit auseinander. Im Mittelfeld müssen wir zu viel laufen, vorne bleiben zwei oder drei einfach stehen. Das darf nicht sein.“ Eine lange Mängelliste. In einer gemeinsamen Besprechung und in Einzelgesprächen habe er „Klartext“ geredet. Die Spieler spüren, dass das gesamte Spiel aus der Balance geraten ist und die Mannschaftsteile nicht mehr ineinandergreifen. „Über die zweite Halbzeit müssen wir reden“, sagte Danny da Costa. „Wir haben zu wenig Mentalität gezeigt, ich bin heute sehr enttäuscht“, sagte Makoto Hasebe.

Eintracht Frankfurt mit Problemen im Mittelfeld

Die Symptome der Krise sind also offensichtlich. Und doch ist die Ursachenforschung gar nicht so einfach. Viele machen für die Formkrise die Stürmer verantwortlich, die seit vielen Wochen nicht mehr getroffen haben (siehe auch nebenstehender Bericht). Doch das Problem liegt ganz offensichtlich tiefer, nicht in erster Linie bei André Silva oder Goncalo Paciencia. Dafür genügt ein Blick auf die letzten Spiele: Zwei Gegentore in Mainz (1:2), zwei gegen Hertha (2:2), drei gegen Guimaraes (2:3). Das sind zu viele, um zu siegen. Es fehlt neben den Stürmertoren auch an defensiver Stabilität. Doch die Defensive wackelt Woche für Woche. Doch so wenig, wie die Stürmer alleine für weniger Tore verantwortlich sind, so wenig sind die Abwehrspieler alleine für die Gegentore verantwortlich.

Ein großes Problem liegt im Mittelfeld. Da ist nur Durchschnitt versammelt. Die Millionen-Einkäufe Djibril Sow und Dominik Kohr, gegen Guimaraes wieder einmal nur auf der Bank, helfen aktuell kein bisschen weiter. Sebastian Rode ist der einzige, der ab und zu eine gute Idee hat, aber seine körperliche Konstitution erlaubt es ihm nun mal nicht, alle drei Tage auf höchstem Niveau zu spielen. Also: Abwehr schwach, Mittelfeld schwach, Angriff schwach? Das wäre eine zu einfache Analyse. Vielmehr liegt es an der Zusammenarbeit der Mannschaftsteile. Die Gegentore gegen Mainz, Berlin und Vitoria waren die schlechten Beispiele dafür. Die Eintracht spielt ohne Absicherung, die Idee des gemeinschaftlichen Kampfes ist irgendwo in den letzten Wochen verschüttet worden.

Trainingslager in den USA nicht optimal

Natürlich ist in erster Linie der Trainer für die taktische Einstellung und für die Vorgabe einer Spielidee verantwortlich. Doch Adi Hütter kann Gründe für die aktuelle Malaise anführen. Zum einen können die Spieler nach einer wegen der EL-Quali nicht wirklich konsequenten Vorbereitung im Sommer und inzwischen schon 28 Spielen körperlich und mental nicht mehr auf der Höhe sein. Zum anderen fehlen ihm schlicht die Möglichkeiten zum Training. Beides könnte mit der Winterpause und der Rückrundenvorbereitung korrigiert werden. Allerdings: Das vor allem von Sportvorstand Fredi Bobic forcierte Trainingslager in den USA mit zwei verlorenen Trainingstagen wegen der An- und Abreise sowie einem Ortswechsel in Amerika mit einem weiteren halben Reisetag, wirken da schon im Vorfeld kontraproduktiv. Hertha BSC übrigens, die wie die Eintracht in die USA wollte, planen den Trip abzusagen. Jürgen Klinsmann will lieber irgendwo im südlichen Europa jeden Tag zur Übung nutzen. Das wäre auch für die Eintracht ein guter Plan. 

VON PEPPI SCHMITT

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