Trainer und Manager üben Kritik an Spielern

Vehs Wutrede: „Bevor ich gehe, gehen ein paar andere“

Frankfurt - Zeitenwende bei der Frankfurter Eintracht: Drei Tage nach der Niederlage im Derby gegen Darmstadt, haben Trainer Armin Veh und Manager Bruno Hübner Klartext gesprochen und Konsequenzen jedweder Art angekündigt. Von Peppi Schmitt

Der Weg, den die Eintracht einschlagen wird, um die sportliche Krise zu bewältigen, wurde klar umrissen: Bedingungsloses Vertrauen in den Trainer, deutliche Ansagen an die Spieler, und Neuzugänge in der Winterpause. „Wir werden die Reset-Taste drücken und alle wachrütteln“, kündigte Hübner an, „wir brauchen frisches Blut, um wieder eine Konkurrenzsituation herzustellen.“ Veh sprach von „einem neuen Spirit und einem neuen Geist“, der einkehren müsse. Bevor der Trainer in die Öffentlichkeit gegangen ist, hatte er seiner Mannschaft in den vier Wänden der Kabine die Leviten gelesen. „Bevor ich gehe, gehen ein paar andere“, sagte Veh, „mein Verständnis für die Spieler ist relativ gering, ich bin richtig angefressen“.

So hatten Spieler und später auch die Journalisten den 54 Jahre alten Trainer in seinen nun bald dreieinhalb Jahren in Frankfurt noch nie erlebt. Die Niederlage an sich sei schon schlimm gewesen, sagte Veh, die Analysen und statistischen Auswertungen danach noch schlimmer. 41:59 Prozent hatten die statistischen Werte für die Zweikämpfe ergeben. „Das hat mir den Rest gegeben“, sagte Veh, „da habe ich keine Lust mehr über taktische Dinge zu reden“. Seine Spieler hätten sich von den Darmstädtern „verarschen“ lassen, seien auf jede noch so billige Provokation reingefallen, hätten sich gegen Spieler wie Sandro Wagner „einfach nicht gewehrt“. Es werde deshalb Zeit, an die Grundsätzlichkeiten des Profisports zu erinnern. „Wir haben noch die Gelegenheit, etwas zu tun, noch ist nichts verloren“, sagt er, „abgerechnet wird am Schluss“. Das gelte für die beiden letzten Spiele der Vorrunde und für die gesamte Rückrunde. Und auch gegen Darmstadt gebe es „ja noch ein Rückspiel“.

Die Kritik aber richtete sich in erster Linie an die eigenen Spieler, nicht an die des Gegners. „Wer gegen Darmstadt zu Hause verliert, hat keine Argumente mehr“, fügte der Manager hinzu. Es gebe „elementare Dinge“, die er von einem Fußballprofi einfach verlangen müsse, sagte Veh. Besonders in der Verantwortung würden nun die erfahrenen Spieler stehen, jene, die mit ihm im Sommer 2011 hier angefangen hätten, unter anderen sind das Stefan Aigner, Bastian Oczipka und Alexander Meier. Letzterer hatte allerdings gegen Darmstadt nicht gespielt. „Sie werden immer meine Jungs bleiben“, versichert Veh, „aber sie müssen jetzt vorangehen, den Arsch hochkriegen und es nicht einem Neunzehnjährigen überlassen.“

XXL-Galerie: Darmstadt 98 gewinnt Hessen-Derby in Frankfurt

Eintracht Frankfurt gegen Darmstadt 98 - Bilder zum Bundesligaspiel
Eintracht Frankfurt gegen Darmstadt 98 - Bilder zum Bundesligaspiel
Eintracht Frankfurt gegen Darmstadt 98 - Bilder zum Bundesligaspiel
Eintracht Frankfurt gegen Darmstadt 98 - Bilder zum Bundesligaspiel
XXL-Galerie: Darmstadt 98 gewinnt Hessen-Derby in Frankfurt

Die Einstellung von Marc Stendera, der an diesem Donnerstag seinen 20. Geburtstag feiern wird, erwarte er von allen anderen. Vehs Kernbotschaft an seine Profis: Weniger reden, mehr leisten. Die eigenen Worte ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Und wenn sie es nicht hinkriegen, müssen wir etwas ändern“, stellte er fest. Das werde man in jedem Fall auch tun. Vorstand, Management und Trainer sind entschlossen, im Winter nachzurüsten. Die Anzahl von möglichen Neuzugängen wurde nicht genannt, auch keine Namen. Tabus gibt es keine, auch der finanzielle Rahmen wird wohl etwas weiter gesteckt als ursprünglich geplant. Es könne durchaus sein, „dass wir Spieler ausleihen, die uns nur ein halbes Jahr helfen können“, sagte Hübner, „aber wir wollen auch die weitere Zukunft nicht außer Acht lassen.“ Eine Doppelstrategie also. Hübner: „Es wird ein Mix sein, jeder Transfer wird separat bewertet.“

Schon im ersten Training nach Vehs Wutrede waren heute Veränderungen deutlich geworden. Nach den üblichen Spielformen, hatte es noch eine Laufeinheit hinten drauf gegeben und auf das eine oder andere geplante Interview hatten die Eintracht-Profis vorsichtshalber verzichtet. Fürs Trainingslager in Abu Dhabi kündigte Veh schon „viele harte Einheiten“ an. Er wisse, dass die durchaus „populistisch“ rüberkommen könne, aber der Verein müsse „gegensteuern“. Er werde das mit aller Konsequenz und persönlichem Einsatz tun. Ohne Rücksicht auf Namen, ohne Rücksicht auf Verdienste oder Sympathien. Aus der Verantwortung werde er sich keinesfalls stehlen. „Ich bin der Chef, ich bin schuld“, sagte er, „die Kritik muss ich aushalten“. Er gestattete aber auch einen Einblick in sein persönliches Befinden. „Mein persönliches Umfeld, Familie und Freunde, leidet wie ein Hunde“, gab er preis. Er selbst habe keine Lust mehr, zum Essen raus zu gehen, bleibe lieber zu Hause. „Schön ist das nicht“, gibt er zu.

Der Manager versicherte, dass es bei der Eintracht auch nicht den Ansatz einer Trainerdiskussion gebe, dies wäre der „völlig falsche Ansatz“. In der Verantwortung stehe vor allem die Mannschaft, aber auch er selbst. „Ich habe die Mannschaft zusammengestellt und ich habe mich stark dafür gemacht, Armin zurückzuholen“, sagte Hübner. Es gebe keinen Grund an den Entscheidungen aus dem letzten Sommer zu zweifeln. Die Qualität bei allen Beteiligten sei da. „Armin kämpft wie nie zuvor“, sagte Hübner, das erwartete er nun auch von den Spielern. „Sie müssen eine Leistung abrufen, die Eintracht Frankfurt gerecht wird“, fordert der Sportdirektor.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare