Chefscout Ben Manga sucht junge, schnelle und kernige Spieler

Frankfurts „Kaderplaner“ und die Wünsche des Trainers

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Die Köpfe des sportlichen Erfolgs: Sportchef Fredi Bobic (von links), "Kaderplaner" Ben Manga, Manager Bruno Hübner und Trainer Niko Kovac.

Frankfurt/Abu Dhabi - Bernd Legien musste im Sommer gehen. Der ehemalige Chefscout hat bei der Frankfurter Eintracht keine besonderen Spuren hinterlassen. Sein Nachfolger wurde Ben Manga, ausgestattet mit umfangreicheren Kompetenzen und herausgehoben mit der Berufsbezeichnung „Kaderplaner“. Von Peppi Schmitt

Ben Manga soll nicht nur gute und finanzierbare Spieler für die Eintracht finden, er soll auch aktiv an den Planungen für die nächsten Jahre mitarbeiten. Mehr als ein halbes Jahr arbeitete der 42 Jahre alte ehemalige Bundesligaspieler von Fortuna Düsseldorf aus Sicht der Öffentlichkeit im Verborgenen. Er hat keine Interviews gegeben, ganz so, wie dies Sportchef Fredi Bobic offenbar von seinen Mitarbeitern erwartet. Ben Manga hat Taten sprechen lassen. Der eine oder andere neue Spieler, den die Frankfurter im Sommer oder nun im Winter geholt haben, Jesus Vallejo oder Andersson Ordonez beispielsweise, geht auf seine Ideen zurück. Und nun hat er auch gesprochen, zum ersten Mal, in einem bemerkenswerten Interview mit der FAZ. An mangelndem Selbstvertrauen leidet der in Äquatorialafrika geborene Manga nicht.

„Ich bin seit 15 Jahren im Geschäft und behaupte, dass ich mehr sehe als andere“, sagt er. Das gute Auge stellte er schon oft unter Beweis. Deshalb klingt diese Aussage auch nicht überheblich. Er arbeite mit einer Mischung aus „Bauchgefühl, Instinkt und Logik“. Das Geschäft sei hart, die großen englischen Vereine würden inzwischen bis zu 60 Scouts durch die Fußballwelt schicken. Die Eintracht beschäftigt neben Manga noch sechs weitere Scouts, davon zwei hauptamtlich. „Wenn einer drei Tore schießt, war er gut, das sieht jeder“, erklärt Manga, „meine Aufgabe ist es, kleinste Sachen zu erkennen.“ In diesem Fall steckt nicht der Teufel, sondern der Mehrwert im Detail. Jesus Valljo sei bereits als 15-Jähriger von anderen Scouts aussortiert worden, weil er gegen kräftigere Mittelstürmer zu viele Zweikämpfe verloren hatte. „Da lache ich drüber“, sagt Manga, „sein Stellungsspiel, sein Auge und seine Spielintelligenz waren schon da zu erkennen.“

Real Madrid hat das so gesehen und Manga auch. Eintrachts neues „Auge“ räumt freilich auch ehrlich ein, „dass man sich natürlich auch täuschen kann.“ Bislang aber sei die Quote gut. Ben Mangas Motto ist: „Wer viel sieht, kann viel mitreden.“ Deshalb fliegt er durch die Welt, seit Mittwoch wieder bis Mitte Februar. Zuletzt sah er sich in Abu Dhabi bei der eigenen Mannschaft um. Als „Kaderplaner“ muss er die eigene Mannschaft kennen, die Eckdaten im Kopf haben. In den Gesprächen mit Trainer, Sportvorstand und Manager wird festgelegt, auf welchen Positionen „Nummer-eins-Lösungen“ gesucht werden, oder auch „Back-ups“. Gemeinsam stelle man sich die Frage, wie die Position etwa auch in drei Jahren besetzt sein könnte. „Für die Eintracht Spieler zu suchen, heißt Nischen zu suchen“. So etwa hat er den Ecuardorianer Andersson Ordonez gefunden.

Bilder: Eintracht im Trainingslager in Abu Dhabi

„Man kann nicht mehr sagen, der eine Klub scoutet gut, der andere scoutet schlecht“, erklärt er, „es geht darum: Der eine Klub kann sich den Spieler leisten, der andere nicht.“ So habe er seinen jeweiligen Arbeitgebern immer empfohlen den damals 16 Jahre alten Dembele zu kaufen. „Doch die Klubs, für die ich arbeite, können ihn sich nicht leisten“, sagt er ohne Frust. Gelandet ist Dembele in Dortmund. Die Woche im Trainingslager diente auch der weiteren Abstimmung. Denn zwischen den Trainern der Vereine gibt es in den Erwartungen immer wieder Unterschiede. Niko Kovac habe ein klares Anforderungsprofil. „Jung, schnell, hart, kernig“ sollen die Spieler sein, die Ben Manga empfiehlt. „Also muss ich bei einem Spanier schauen, dass er zur Technik auch die Mentalität und die Athletik besitzt“, sagt er, „oder ich hole einen Spieler aus Ecuador, da wird dazwischen gefegt.“ Und: „Mit einem Holländer brauche ich Niko nicht zu kommen.“

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