Eintracht Frankfurt

Eintracht: „Machen uns jetzt nicht in die Hose“

Ernüchterung pur: Die Eintracht-Profis Martin Hinteregger, Djibril Sow und Filip Kostic (von links) bei der 1:3-Pleite in Leverkusen.
+
Ernüchterung pur: Die Eintracht-Profis Martin Hinteregger, Djibril Sow und Filip Kostic (von links) bei der 1:3-Pleite in Leverkusen.

Der Dortmunder Sieg in Wolfsburg hatte Eintracht Frankfurt noch mehr unter Druck gesetzt. Ein Druck, dem die Mannschaft in Leverkusen nicht gewachsen war - und kräftig um die Königsklasse zittern muss.

Frankfurt – Nach einem über weite Strecken schwachen, uninspirierten Auftritt verlor die Frankfurter Eintracht bei „Angstgegner“ Bayer Leverkusen 1:3 (0:0). Nach nur drei Niederlagen in 28 Spielen gab es nun zwei Niederlagen in drei Spielen - innerhalb einer Woche. Zusammengefallen ist die Formdelle mit dem verkündeten Abschied von Trainer Adi Hütter. Der Vorsprung auf Borussia Dortmund ist auf einen einzigen Punkt zusammengeschnurrt, das Momentum liegt beim BVB, die große Unbekannte im Dreikampf um die beiden Champions-League-Plätze ist der VfL Wolfsburg. „Wir machen uns jetzt nicht in die Hose“, betonte Sportvorstand Fredi Bobic.

Für die Niederlage gab es viele Erklärungsansätze. Der Wahrheit am nächsten gekommen ist Martin Hinteregger. „Vor ein paar Wochen hatten wir das Gefühl, wir können die Champions League gewinnen, jetzt haben wir den Gedanken, wir können sie verlieren“, sagte der Abwehrchef. Viele Spieler sind mental nicht mehr auf der Höhe.

Das ist ein Teil der Erklärung für die rätselhafte Formschwäche. Es gibt aber auch rein sportliche Gründe. Da muss sich auch der Trainer an die eigene Nase fassen. In Leverkusen hat Hütter sich mit Auf- und Einstellung verzockt. Fragen müssen gestellt werden: Warum ändert er ausgerechnet jetzt das System, geht vorsichtiger ans Werk als zuletzt? Warum hat er das Experiment mit Aymen Barkok gewagt, der komplett überfordert wirkte? Warum hat er mit Auswechslungen gewartet, bis seine Mannschaft in Rückstand geraten war? Warum spielt Amin Younes, Personifizierung des zwischenzeitlichen Aufschwungs, keine Rolle mehr?

An den Fragen werden die Probleme deutlich, die die Eintracht in Leverkusen mit sich herumgeschleppt hat. „Uns hat die letzte Durchschlagskraft und Sauberkeit gefehlt“, legte Bobic den Finger in die Wunde, „wir haben es nie geschafft, Ruhe reinzubringen, und haben ihnen zu viel Raum gelassen.“ Barkok hatte sein ganz persönliches Fehlerfestival bereits nach vier Minuten begonnen, als Kevin Trapp mit zwei Glanzparaden einen Rückstand noch verhindern konnte. Mit Ausnahme von Makoto Hasebe gelang es kaum einem Spieler, Angriffe vernünftig einzuleiten. Daichi Kamada stand neben sich, Filip Kostic wurde von Jonathan Tah aus dem Spiel genommen, Djibril Sow war fleißig, aber wenig effizient. André Silva machte was er am besten kann. Er köpfte das Frankfurter Tor zum 1:2 – 25. Saisontreffer.

Der beste Mann war der Torwart. „Kevin hat uns in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten“, sagte Hütter, kritisierte den Keeper aber in Zusammenhang mit dem 0:1. Da hatte Leon Bailey Trapp den Ball durch die Beine gespitzelt. Der Nationalspieler war sich keiner Schuld bewusst. „Wie kann man da von einem Torwartfehler sprechen“, blaffte er einen ZDF-Reporter an. Da wusste Trapp nach seinem 200. Bundesligaspiel noch nicht, dass auch sein Trainer so seine Zweifel hatte. „Es war ein ganz billiges Gegentor, da haben wir naiv verteidigt“, ärgerte sich Hütter, „Kevin schaut da nicht so gut aus.“

Doch dieses 0:1, „aus dem Nichts“, wie Bobic feststellte, war nicht das eigentliche Problem. Vielmehr hatte die gesamte Statik des Spiels nicht gestimmt, der Gegner wirkte frischer, mutiger, entschlossener, „handlungsschneller“, wie Hütter bemerkte. Kaum hatte die Eintracht das Risiko erhöht, war mit dem Kontertor von Lucas Alario im Grunde schon alles vorbei.

Das Heimspiel gegen Mainz am 9. Mai wird nun zum ersten Endspiel. „Wir haben weiter alles in der eigenen Hand“, sagt Hütter fast schon trotzig, „es sind drei Spiele, die wir gewinnen können und gewinnen wollen.“ Es geht dann noch gegen Schalke und Freiburg. „Wir dürfen jetzt nicht alles schwarzmalen, sondern müssen mit Freude an die Aufgaben herangehen“, gibt Anführer Trapp den Ton vor. (Von Peppi Schmitt)

Polizei verhindert Fan-Krawalle

Mit einem massiven Polizeiaufgebot hat die Polizei in Leverkusen Krawalle von rivalisierenden Fangruppen verhindern können. Beide Anhängergruppen umfassten etwa 100 Personen. Zu Handgreiflichkeiten kam es dank des Eingreifens der Polizei nicht. Einige Frankfurter Anhänger konnten auf einem Parkplatz in der Nähe der Arena festgesetzt werden. Sonderbare Aussagen zu den Vorkommnissen gab es von Frankfurts österreichischem Nationalspieler Martin Hinteregger: „Die haben sich wahrscheinlich ausgeredet und ein bisschen gekloppt. Wenn es beide gewollt haben, ist es ja okay.“ 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare