Eintracht Frankfurt

Eintracht: „Stepi“ versteht Hütter-Wechsel

Dragoslav Stepanovic betreute selbst zweimal die Eintracht und war mehr als 30 Jahre im Trainergeschäft tätig.
+
Dragoslav Stepanovic betreute selbst zweimal die Eintracht und war mehr als 30 Jahre im Trainergeschäft tätig.

Dragoslav Stepanovic weiß, wie es ist, als Trainer mit Eintracht Frankfurt oben mitzumischen. Im Interview zeigt der Kult-Coach Verständnis für den Hütter-Wechsel („Im Erfolg bleibt man in besserer Erinnerung“) und glaubt an Königsklassen-Coup.

Frankfurt – Im Mai 1992 hätte Dragoslav Stepanovic die Frankfurter Eintracht fast zur Meisterschaft und in die Champions League geführt. 29 Jahre später schickt sich Adi Hütter an, mit dem erstmaligen Königsklassen-Einzug Historisches zu erreichen, ehe er im Sommer die Eintracht in Richtung Mönchengladbach verlassen wird. Ein Wechsel, der für viel Wirbel sorgt, bei „Stepi“ aber auf Verständnis trifft. Im Interview spricht der 72-Jährige über Hütters Arbeit, Vertragsklauseln und die Frankfurter Champions-League-Chancen.

Herr Stepanovic, die Eintracht klopft an der Tür zur Champions League und Adi Hütter verkündet seinen Abschied zum Sommer. Wie stuft ein erfahrener Trainer wie Sie diese Situation ein?

Wenn ein Mensch seinen Job wechselt, weil er woanders bessere Perspektiven sieht und vielleicht mehr Geld verdienen kann, wird ihm dazu gratuliert. Nur im Fußball ist das anders. Niko Kovac ist damals nach dem Pokalsieg zum FC Bayern gegangen und auch Adi Hütter war und ist hier sehr erfolgreich. Ich kann seine Entscheidung absolut nachvollziehen.

Warum?

Zum einen passt es zu ihm und seiner Historie. Nach zwei, drei Jahren war bei all seinen vorigen Stationen Schluss. Auch bei Young Boys Bern. Er hat in Frankfurt viel aufgebaut und kann jetzt das große Ziel erreichen. Die Frage ist allerdings, ob er das noch mal schaffen kann. Da bestehen sicher Zweifel. Und wenn man im Erfolg geht, bleibt man eben in besserer Erinnerung. Das hat Kalli Feldkamp damals schon so gemacht und immer Begründungen gefunden, warum er den Verein wieder wechselt.

Aber reizt es andererseits einen Trainer gar nicht, mit der selbst zusammengestellten Mannschaft die Früchte der Arbeit zu ernten, sprich Auftritte in der Königsklasse.

Klar ist die Champions League sehr reizvoll. Das wäre es für mich damals auch gewesen. Aber um dort bestehen zu können, brauchst du auch eine richtig starke Truppe. Und keiner weiß, wie die Mannschaft nächste Saison aussehen wird. Das wäre schon sehr schwer geworden.

Die Art und Weise von Hütters Abgang und die Meldung ausgerechnet vor dem Gladbach-Spiel sorgt für Unmut. Können Sie das nachvollziehen?

Ich bin auch ein bisschen traurig, dass er geht, weil er hier tolle Arbeit leistet. Letztlich hat er aber seine Ausstiegsklausel im Vertrag gezogen, was ihm auch zusteht. Aber natürlich zeigt es die Entwicklung in diesem Profigeschäft. Irgendwann gibt es dann nur noch Wochenverträge (schmunzelt).

Befürchten Sie, das die Unruhe sich im Endspurt auf die Mannschaft überträgt?

Nein, das denke ich nicht. Die Mannschaft hat ihren Weg eingeschlagen und wirkt sehr gefestigt. Man muss nur mal sehen, wie häufig sie schon Rückstände aufgeholt und in Siege gedreht hat. Sie glaubt immer an sich und daran hat auch Adi Hütter einen großen Verdienst.

So von Trainer über Trainer: Was zeichnet Adi Hütter besonders aus?

Er erinnert mich sehr an meine früheren Trainer. Er weiß genau, wie er Spieler anpacken und sie formen kann. Er hat dafür ein gutes Gespür. Von Djibril Sow war in der vergangenen Saison wenig zu sehen, jetzt ist er ein richtig guter Stratege geworden. Ein André Silva hat in Mailand und Sevilla kaum getroffen und in dieser Saison bereits 23 Tore erzielt. Auch Luka Jovic hat Hütter wieder auf den Weg gebracht.

Also packt die Eintracht die Champions League?

Sie haben sieben Punkte Vorsprung auf Dortmund und neun auf Leverkusen. Wenn das nicht reicht, weiß ich auch nicht mehr. Ich halte es da mit Frau Merkel: Wir schaffen das (lacht).

Das Gespräch führte Jörn Polzin

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare