Eintracht auf der Suche nach dem Königsweg

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Aufmunterung vom Trainer: Michael Skibbe (links) und Pirmin Schwegler.

Frankfurt (sp) ‐ Es gab Zeiten, da hat die Frankfurter Eintracht Trainer öfter gewechselt als manche Menschen die Unterwäsche.

Seit Heribert Bruchhagen bei der Eintracht im Dezember 2003 das Ruder übernommen hat, hat der Verein das Image der „Diva“ abgelegt, ist seriös geworden. Mit der Folge, dass Trainer in Frankfurt wie im Paradies arbeiten können.

Sie können sich auf den Vorstandschef verlassen. Willi Reimann konnte es und musste erst nach dem Abstieg gehen, Friedhelm Funkel konnte es und hat es zurückgezahlt, in dem er die Eintracht nach dem Aufstieg vier Jahre in der Erstklassigkeit gehalten hat. Nun genießt Michael Skibbe dieses Vertrauen, durchaus nachvollziehbar nach der guten Vorrunde. Bruchhagen jedenfalls beharrt darauf, „dass es das Wichtigste ist, jetzt der Mannschaft Mut zuzusprechen und in jeder Beziehung hinter dem Trainer zu stehen.“

Er macht es anders als Mönchengladbach, Stuttgart, Köln und Wolfsburg, die bereits den Trainer gewechselt haben. Er ist auf gleicher Linie mit Bremen, St. Pauli und Kaiserslautern, die ihre Trainer behalten haben. Einen „Königsweg“ aus der Krise scheint es nicht zu geben. In Frankfurt setzen sie alles auf das Heimspiel am Samstag gegen St. Pauli. Für die Eintracht ist es ein „Endspiel“, denn bei einer weiteren Niederlage würde die Hoffnung auf die Rettung auf den „Nullpunkt“ sinken. Ob es auch für Skibbe ein „Endspiel“ ist? Gewinnt er, bleibt er, verliert er, kann er auch bleiben, denn dann würde ein Trainerwechsel kaum noch Sinn machen.

Die Fußball-Öffentlichkeit begleitet den Absturz der Eintracht (es wäre der vierte Abstieg nach 1996, 2001 und 2004) so gleichmütig wie nie zuvor. Es herrscht eine Art Schockzustand. In ähnlichen Situationen gab es in Frankfurt einst „Rettungsaktionen“ mit Aufrufen in Zeitungen und Plakaten in der Stadt, es gab Blockaden des Mannschaftsbusses. Es gab Pfiffe und Sprechchöre gegen den Trainer. Es gab Kritik aus dem Aufsichtsrat. Jetzt gibt es zumindest extern keine kritischen Worte, nicht vom Aufsichtsratsboss, nicht vom Präsidenten, nicht mal von ehemaligen Spielern, die sonst immer alles besser wissen, auch weil früher eigentlich alles besser war.

Die Eintracht hebt sich in der Krise deutlich von anderen Klubs ab. Und dies ist gut so, betrachtet man das Theater auf Schalke oder Hamburg. Ob es aber der richtige Weg ist, bleibt abzuwarten. Auch der Trainer hat das Bewahren zur ersten Pflicht erhoben. Mit Ausnahme eines missglückten Trainingslagers vor dem Spiel gegen Kaiserslautern geht in Frankfurt alles seinen gewohnten Gang. Keine besonderen Trainingsmethoden, keine Ausweitung der Trainingszeiten, keine neuen Inhalte auf dem Platz, keine Systemänderungen im Spiel, keine Hilfe durch Mentaltrainer, nicht einmal besondere Ansprachen.

Und die Spieler? Sie kämpfen, das kann ihnen niemand absprechen. Aber sie finden keinen Weg aus der Krise. Vielleicht sind sie doch auf Hilfe von Außen angewiesen?

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