Die Fackel macht Caio glücklich

Frankfurt (sp) ‐ Das Tor lief auf allen Fernseh-Sendern. Zwanzigmal, dreißigmal, vierzigmal, vor und zurück, in Normalgeschwindigkeit, in Zeitlupe, aus Sicht der Hintertorkamera. Es war „das Tor“ des Spieltags, womöglich das Tor der Saison.

„Ein Tor des Monats, ja ein Tor des Jahres“, sagte Bayer Leverkusens Trainer Jupp Heynckes. Der schwärmte, obwohl es ihm nicht zum Schwärmen zumute war. Denn das Tor hatte Caio erzielt, zum 2:2 für die Frankfurter Eintracht beim 3:2 gegen Leverkusen.

Es war ein Tor wie ein Hammerschlag. Aus 33,8 Metern hatte Caio abgezogen, der Ball flog mit mehr als hundert Stundenkilometern Richtung Tor von Nationaltorwart Rene Adler. Unterwegs machte der Ball eine Kurve nach links, schlug dann ein. Von der Unterkante prallte er auf den Boden, wieder zurück an die Latte, von dort ins Tor. „Von so weit habe ich noch nie getroffen“, sagte Caio, als er später mit Söhnchen Caian an der Hand den Reportern erklären sollte, was im Grunde nicht erklärbar ist. „Das war eine Fackel“, sagte Bayers Manager Rudi Völler, „so eine Flugbahn habe ich selten gesehen.“ Jupp Heynckes sprach von einem „Sonntagsschuss am Samstag“.

„Ich bin sehr kritisch bei Torhütern, aber da gab es wirklich nichts zu halten“, sagte Rudi Völler. „Der liebe Gott müsste helfen, um so einen Schuss zu halten“, sagte Heynckes. Für Skibbe, der Caios ausgefeilte Schusstechnik und die Flugeigenschaften der modernen Bälle genau kennt, steht fest, „dass du so ein Ding nur zufällig halten kannst.“

Es war der vierte Saisontreffer des Brasilianers. „Ich bin überglücklich“, ließ Caio den Kollegen Chris übersetzen. Mit der deutschen Sprache hat er noch immer keine Fortschritte gemacht. Mit einer Ausnahme. Wie viel wiegst Du, wurde er gefragt. „84 Kilo“ kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen auf Deutsch. Kein Übergewicht mehr also. Jetzt ist Caio auf dem Weg zu einem sportlichen Schwergewicht.

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