Ultras fordern Innenminister Beuth zum Rücktritt auf

„Das war ein Angriff auf Eintracht Frankfurt“

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Eintracht Frankfurt gegen Schachtjor Donezk

Frankfurt - Der Tag danach steht im Zeichen gegenseitiger Vorwürfe. Die polizeilichen Maßnahmen gegen die Fans der Frankfurter Eintracht rund um das Europa-League-Spiel gegen Donezk haben zu heftigen Reaktionen geführt. Von Peppi Schmitt

Die Ultras haben in einer Veröffentlichung dem hessischen Innenminister und der Polizei vorgeworfen, die Polizeieinsätze hätten das Ziel verfolgt, „eine Eskalation herbeizuführen.“ Besonders Innenminister Peter Beuth (CDU), der vor einigen Wochen unter anderem Gefängnisstrafen für den Einsatz von Pyro-Technik in Stadien gefordert hatte, wird scharf angegriffen. „Innenminister Beuth führt dabei einen persönlichen Kleinkrieg und lässt seine Truppen nach Gutdünken operieren“, heißt es in der Stellungnahme der Ultras, „alles andere als der sofortige Rücktritt des inkompetentesten hessischen Innenministers aller Zeiten ist nicht akzeptabel.“ Auch die Vorsitzende des Frankfurter Fan-Klub-Verbandes, Ina Kobuschinski, fand deutliche Worte. „Wir wurden mit einer fadenscheinigen Begründung drangsaliert“, sagte sie.

„Verharmlosung von Straftaten“

Beuth wehrte sich in einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz. Er bezeichnete den Polizeieinsatz als „notwendig und angemessen" und kritisierte Eintracht-Präsident Peter Fischer scharf. Fischer habe „Signale für gefährliches Verhalten“ gesendet, das sei „unverantwortlich.“ Die „mangelnde Distanz“ der Eintracht-Führung zu Teilen des polizeibekannten Klientels sei „bedenklich“. Beuth: „Die Verharmlosung von Straftaten im Vorfeld von Bundesligaspielen muss endlich beendet werden.“ Am Freitagnachmittag veröffentlichte auch Eintracht Frankfurt eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen.

Anlass der großflächigen polizeilichen Untersuchungen war eine Aussage von Vereinspräsident Peter Fischer am Tag vor dem Spiel. „Wenn ich sage, dass das Stadion brennt, dann brennt das morgen. Und zwar so, dass Ihr kaputtgeht, weil Ihr so viel Licht habt und das Spiel für Euch etwas neblig wird“, hatte Fischer gesagt. Die Polizei hatte dies als eine Art Aufruf zur Verwendung von Pyro-Technik aufgefasst. Fischer hatte am Donnerstagvormittag seine Aussagen freilich bereits relativiert. Es sei ihm nur „um die Stimmung in der Arena“ gegangen. Im Polizeibericht aber heißt es: „Unabhängig davon wie es gemeint war, musste in Verbindung mit dem zum Teil massiven Abbrennen von Pyrotechnik an vorangegangenen Spielen davon ausgegangen werden, dass Besucher des Spiels sich insbesondere für diese Begegnung dazu aufgerufen fühlen könnten, Pyrotechnik mitzubringen und abzubrennen.“

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Eintracht-Vorstand Axel Hellmann hält dies für abwegig. „Es war klar, dass es keine Pytotechnik geben würde“, sagte er, „und es wurde ja auch nichts gefunden.“ Mehrfach habe er den Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill darauf auch hingewiesen. Ohne Erfolg, die polizeilichen Maßnahmen wurden dennoch durchgeführt.

Spruchband gegen Innenminister Beuth

Die Fans reagierten auf ihre Art und Weise. Sie fertigten ein Spruchband an („Beuth, der Ficker fickt zurück“), was die Polizei wiederum als „unflätige und beleidigende Aussage zum Nachteil des hessischen Innenministers“ betrachtete und unter Einsatz von Gewalt aus dem Block holte. Dabei habe es, so der Polizeibericht, „keine Verletzten“ gegeben. Die Fans sprechen dagegen von zwei Verletzten. Nach dieser Eskalation hatten die Fans die gesamte über drei Tage aufgebaute Choreografie abgesagt und alle Materialien wieder eingesammelt. „Die Untersuchung von Räumen und der Kurve mit Polizeihunden war schlimm genug, das Entfernen des Spruchbandes aber ist ein Angriff auf die Fans und auf Eintracht Frankfurt“, sagte Frau Kobischinski.

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Axel Hellmann, studierter Jurist, bezeichnete das Verhalten der Polizei für „rechtsstaatlich bedenklich“ und hält es für möglich, „dass die Angelegenheit zu einem Fall für das Verwaltungsgericht werden könnte.“ Weitere Aussagen wollte er nach dem Spiel nicht machen. „Für die Stimmung im Stadion hatte es keine Auswirkungen“, konnte er sich freuen, „das Stadion hat komplett hinter der Mannschaft gestanden.“

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