Matthias Filbrich trainierte Eintracht Frankfurts Riesentalent beim OFC

„Faule Socke“ Barkok ist jetzt ein Juwel

Eintracht Frankfurts Aymen Barkok (rechts) auf dem Weg zu seinem zweiten Saisontor: Der Mainzer Torwart Jonas Lössl streckt sich vergebens. Auch Daniel Brosinski (links) kann nicht mehr eingreifen. Hinten beobachtet der Brasilianer Fabián die Szene.   J Foto: Hübner
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Eintracht Frankfurts Aymen Barkok (rechts) auf dem Weg zu seinem zweiten Saisontor: Der Mainzer Torwart Jonas Lössl streckt sich vergebens. Auch Daniel Brosinski (links) kann nicht mehr eingreifen. Hinten beobachtet der Brasilianer Fabián die Szene.

Offenbach - Aymen Barkok aus der eigenen U19 ist beim Fußball-Erstligisten Eintracht Frankfurt die Entdeckung der Saison. Ausgebildet wurde der 18 Jahre alte Frankfurter mit marokkanischen Wurzeln auch bei Kickers Offenbach, wo er zwei Jahre spielte. Unser Redakteur Christian Düncher hat mit Matthias Filbrich, Barkoks damaligem Trainer, gesprochen.

Herr Filbrich, wissen Sie noch, was Sie gedacht haben, als Ihr Ex-Schützling Aymen Barkok bei Eintracht Frankfurt einen Profi-Vertrag erhielt?

Ja sicher, ich habe mich total gefreut und gedacht: „Heb jetzt bloß nicht ab! Gib noch mehr Gas, dann sehe ich dich bestimmt bald in der Sportschau.“ Und so kam es ja.

Haben Sie noch Kontakt?

Natürlich, ich habe ihm, direkt nachdem er den Vertrag bekommen hatte, mitgeteilt, dass ich wahnsinnig stolz auf ihn bin. Wir tauschen uns auch nach seinen Spielen regelmäßig aus. Er wird wohl am 29. Januar zum U12-Hallenmasters meines Klubs Eintracht Windecken kommen und den Pokal übergeben.

Inwiefern war seine Entwicklung für Sie schon in der U14 beziehungsweise U15 absehbar?

Ich habe immer zu ihm gesagt: „Du musst es wirklich wollen, nur dann hast du auch eine Chance“. Seine fußballerischen Fähigkeiten konnten damals alle sehen, aber er hat die Sache oft auf die leichte Schulter genommen. Die nötige Ernsthaftigkeit war damals einfach noch nicht da. Irgendwann hat es aber bei ihm Klick gemacht.

Matthias Filbrich war Jugendtrainer beim OFC. Jetzt coacht er Eintracht Windecken (Kreisliga A Hanau).  Wie verwundert waren Sie darüber, dass es dem OFC damals gelungen ist, ein solches Talent zu verpflichten, das bei Rot-Weiß Frankfurt ja quasi vor der Tür der Nachwuchszentren einiger höherklassiger Klubs kickte?

Matthias Filbrich war Jugendtrainer beim OFC. Jetzt coacht er Eintracht Windecken (Kreisliga A Hanau).

Mein damaliger sportlicher Vertrauter Stefan Gohlke und ich hatten Aymen das erste Mal bei einem Hallenturnier beobachtet und sahen sofort sein großes Potenzial. Wir mussten aber schnell handeln, da auch der FSV Frankfurt Interesse hatte.

Er bringt es als Mittelfeldspieler nach fünf Bundesliga-Einsätzen bereits auf drei Torbeteiligungen, erzielte zwei Tore selbst und bereitete eins vor. War er in der U15 ähnlich offensivstark?

Auch bei mir hat Aymen im zentralen Mittelfeld agiert, denn er hatte damals schon eine sehr hohe Spielintelligenz, Drang zum Tor und eine überragende Technik, was sich vor allem im Eins-gegen-eins bemerkbar machte. Im Aufstiegsjahr zur Regionalliga war er auch bester OFC-Schütze mit 15 Toren. Deswegen war ich sehr irritiert, als er nach dem Wechsel zur Eintracht in der U17 und U19 überwiegend rechter Außenverteidiger spielte.

In welchen Bereichen hat sich Aymen Barkok Ihrer Meinung nach am meisten entwickelt?

Also in meinen Unterlagen steht beim ihm „faule Socke“. Aymen musste stets angeschoben werden, bei ihm war der Spurt hinter meinem Rücken oft ein lockerer Lauf. Aber im Ernst: Aymen hat sich in allen Bereichen entwickelt, auch körperlich.

Er wird bereits als Juwel gefeiert oder mit Jay-Jay Okocha verglichen. Was halten Sie davon?

Aymen ist ein Spieler, dem man den Spielwitz und die Spielfreude nicht nehmen darf. Er macht Dinge mit Ball und Gegner, die wir als Zuschauer lieben. Es gibt von diesen Typen vielleicht nur noch eine Handvoll. Als Trainer braucht man aber starke Nerven, wenn Aymen den Ball am Fuß hat, muss man mit allem rechnen. Im Training war für ihn ein „Tunnler“ mehr wert als ein Tor.

Die damalige U15 des OFC mit Aymen Barkok spielte in der höchsten Klasse (Hessenliga), aber lediglich er schaffte bisher auch bei den Aktiven den Sprung nach ganz oben. Wie bewerten Sie diese Quote?

Der OFC hatte im 98er-Jahrgang viele Talente. So spielt Jayson Breitenbach zum Beispiel mit Mainz 05 in der U19-Bundesliga und war im Sommer mit den Mainzer Profis im Trainingslager. Andere aus der damaligen Truppe haben sich ebenfalls gut entwickelt, spielen in der U19-Regional- beziehungsweise Hessenliga. Man braucht natürlich auch verdammt viel Glück, um ganz nach oben zu kommen. Die Quote in diesem Jahrgang ist aber gut. Schade, dass solche Talente beim OFC so selten nach oben durchgereicht werden.

Ihr ehemaliger Schützling spielte bereits dreimal für die DFB-Junioren (U16, U17) und war 2016 zu zwei Lehrgängen der marokkanischen U20 eingeladen. Was trauen Sie ihm noch alles zu?

Sehr viel. Ich glaube, wenn er diesen Weg weiterhin so ehrgeizig verfolgt, hat er eine tolle Zukunft vor sich und wird uns mit seiner Art des Fußballspielens noch sehr viel Spaß machen.

Bilder: Eintracht im Trainingslager in Abu Dhabi

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Abu Dhabi
Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Abu Dhabi
Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Abu Dhabi
Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Abu Dhabi
Bilder: Eintracht im Trainingslager in Abu Dhabi

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