Gegenkandidat Schäfer zieht zurück

Eintracht-Präsident Fischer bekommt 99 Prozent

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Frankfurt - Peter Fischer bleibt weitere drei Jahre Präsident der Frankfurter Eintracht, ist nun seit dem Jahre 2000 der erste Mann des Klubs. Von Peppi Schmitt

Der 58 Jahre alte Amtsinhaber wurde auf einer durchaus emotionalen, aber meist sachlichen Mitgliederversammlung mit einer überwältigenden Mehrheit wiedergewählt.

Es gab nur zwei Gegenstimmen und neun Enthaltungen, nachdem um 20 Uhr Herausforderer Reiner Schäfer seine Kandidatur wegen Aussichtslosigkeit zurückgezogen hatte. Schon früh war deutlich geworden, dass Schäfer chancenlos war. Er wurde von Fischer in zwei längeren Vorträgen an die Wand geredet. „Ich bin ein Präsident, der sich sehen lassen kann“, sagte Fischer und wurde dafür begeistert gefeiert. Viel zu spät kam Schäfer überhaupt zu Wort, da hatte Fischer längst seine Pflöcke eingeschlagen. Und dann fand Schäfer keine Antworten, legte auch kein schlüssiges Konzept vor. Insgesamt harrten bis zur endgültigen Entscheidung rund 1 000 Mitglieder aus. Durch Vollmachten gab es 1 308 Stimmen, davon bekam Fischer 1297, also mehr als 99 Prozent. Selbst für den erfolgsverwöhnten Fischer war dies ein phänomenales Ergebnis. Am Ende brandete Jubel in der Wolfgang-Steubing-Halle auf, wie sonst nur bei Toren in der Arena. „Ich bin stolz, Präsident dieses Vereins zu sein“, sagte Fischer von den Beifallsstürmen überwältigt, „packen wir’s an“.

Mitgliederzahl von 30.553 „historisch“

Fischer hatte zuvor sein rhetorisches Geschick genutzt, die Mitglieder auf seine Seite zu ziehen. Zudem war ihm die zeitliche Inszenierung entgegengekommen. Alleine die Rede des alten und neuen Präsidenten hatte knapp eine Stunde gedauert, Schatzmeister Thomas Förster hatte das dann noch übertroffen. Fischer hob natürlich seine Verdienste heraus, nannte die Mitgliederzahl von 30.553 „historisch“. Er verteidigte die finanziellen Maßnahmen der letzten Jahre ebenso wie die Abmeldung der U23. Mit den Leistungen im Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) sei er „sehr zufrieden“. Da widersprach selbst Heribert Bruchhagen. „Wir sind mit der sportlichen Leistung des NLZ nicht zufrieden“, betonte der Vorstandsvorsitzende in seiner Rede zur AG. Vor allem die U19 macht Sorgen, steht auf einem Abstiegsplatz.

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Peinliches Schauspiel

Die Ausführungen des Schatzmeisters gingen an die Grenze der Belastbarkeit des Publikums. Förster kam vom Hundertsten ins Tausendste, versuchte so die von vielen Seiten geforderte Transparenz herzustellen. Im Gegensatz zu Fischer attackierte er Schäfer ziemlich heftig. Schäfer würde wider besseren Wissens Anschuldigungen in Bezug auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in die Öffentlichkeit bringen, „das ist unredlich und dumm“.

Mitgliederversammlung der Eintracht

Mitgliederversammlung der Eintracht

Zur Sache machte Förster deutlich, „dass die Finanzen geordnet sind“. Danach hat die Eintracht einen Jahresüberschuss von 350.000 Euro erwirtschaftet und damit das Vereinsvermögen auf 735.000 Euro gesteigert. Die Verbindlichkeiten sind laut Förster von 13,5 Millionen Euro auf 10,5 Millionen Euro gesunken. Die Steuernachforderungen des Finanzamtes liegen bei 3,8 Millionen Euro, davon seien bereits 2,7 Millionen Euro beglichen worden. Auch die Anfragen von Mitgliedern wie Sylvia Schenk, wie denn der Präsident honoriert wird, wurde beantwortet. Danach erhielt Fischer bis zum Juni letzten Jahres aus verschiedenen Töpfen 6 000 Euro monatlich, inzwischen 4 000 Euro, dazu pro Jahr 9 000 Euro Auslagen. Präsidiumsmitglied Dieter Burkert erhalte für seine Geschäftsführertätigkeit ein Gehalt von 3 200 Euro, die beiden anderen Präsidiumsmitglieder Stefan Minden und Förster arbeiten ehrenamtlich.

Erst nach den Ehrungen um 18.32 Uhr, mehr als fünf Stunden nach Beginn der Versammlung, durfte Reiner Schäfer reden. Ihm gelang es dann nicht, die Stimmung noch einmal zu drehen. Nachdem zuvor schon Schäfers Vizepräsident-Kandidat Christian Geiser wegen eines „Vertrauensbruchs“ aus dem Verwaltungsrat abgewählt worden war, waren die Mehrheitsverhältnisse klar. Dies sah auch Schäfer ein, der seine Kandidatur zurückzog. Dass er dafür den größten Beifall erhielt, war eine Tragik des Abends.

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