Der Fluch der frühen Gegentore

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Für Außenverteidiger Christopher Spycher (rechts, im Duell mit dem Gladbacher Karim Matmour) ist die Saison nach einem Teilriss des Innenbandes im linken Knie beendet.

Frankfurt (sp) ‐ Gut waren die Frankfurter erst nach dem Spiel. Da gaben sie sich kämpferisch, selbstkritisch, klar strukturiert. Doch da war es zu spät. Die Frankfurter Eintracht hatte zuvor die Chancen auf einen Europapokalplatz leichtfertig verspielt, beim 0:2 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach all das vermissen lassen, was sie in den Wochen zuvor so stark gemacht hatte.

Trainer Michael Skibbe war restlos bedient und beendete offiziell die Ambitionen auf eine Rückkehr nach Europa: „Das ist abgehakt.“ In seiner kurzen Vergangenheit in Frankfurt hatte der Trainer schon mal mit wütenden öffentlichen Angriffen auf Leistungen wie diese reagiert, in Mönchengladbach ist er vergleichsweise ruhig geblieben. „Ich bin tief enttäuscht von der Mannschaft“, sagte er, „eine Erklärung für diese Leistung habe ich nicht.“

Intern ist Skibbe deutlicher geworden. Schon die Halbzeitansprache war laut, half aber nur für knappe zehn Minuten, solange bis die Borussia dem 1:0 durch Marco Reus (6.) durch Dante das 2:0 folgen ließ (56.). Bevor er am Tag darauf zur Beobachtung des nächsten Gegners Hertha BSC nach Berlin flog, zeigte der Trainer den Spielern noch einmal die Fehler auf und machte ihnen deutlich, was für eine Chance sie vergeben hatten. Ein schlechtes Spiel gestehe er seiner Elf zu, natürlich auch eine Niederlage in Mönchengladbach. Aber es war die Art und Weise, die nicht nur den Trainer irritierte. „Wir sind nur hinterhergelaufen, haben nur reagiert, haben viele, viele Fehler gemacht. Das darf so nicht sein.“

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Das hatten die Spieler genauso gesehen. In den ersten Aussagen nach dem Spiel waren auch durchaus Differenzen innerhalb der Mannschaft deutlich geworden. „Wenn man nicht das macht, was der Trainer vorgibt, kommt sowas raus“, sagte Halil Altintop. „Immer wenn wir oben angreifen wollen, vergeigen wir“, sagte Benjamin Köhler. Schon auf dem Platz hatten sich die Innenverteidiger Chris und Marco Russ nach dem zweiten Gegentor ziemlich deutlich die Meinung gesagt. Vorstandschef Heribert Bruchhagen hatte ein grundsätzliches Problem ausgemacht: „Wir sind noch nicht so weit, dass wir solche Aufgaben alleine spielerisch lösen können.“ Zu wenig Kampf also, ein Problem der Einstellung?

Anzeichen dafür gab es durchaus einige. Die Konzentration stimmte nicht, die Spieler waren ohne Spannung ins Spiel gegangen. Das wird zum Dauerzustand. Wieder bekam die Eintracht in der Anfangsphase des Spiels ein Gegentor, diesmal in der sechsten Minute. So wie zuletzt gegen Schalke (12.), in Hannover (14.), gegen den FC Bayern (7.) und in Bochum (10.). „Da sind wir sicher Rekordhalter in der Bundesliga“, bemerkte Köhler bitter. Diesmal hat es für die Mannschaft trotz kämpferischer Bemühungen zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht gereicht, um zurückzukommen. Der einfache Grund: Zu wenige zeigten eine ordentliche Leistung. „Die Spieler wissen selbst, wie schlecht sie waren“, sagte Skibbe, „wir hätten ja viel höher verlieren können“. Das verhinderte fast alleine der starke Torwart Oka Nikolov.

Fast genauso hart wie die Niederlage trifft die Eintracht die Verletzung von Christoph Spycher. Der Außenverteidiger zog sich gegen Mönchengladbach einen Teilriss des Innenbandes im linken Knie zu und fällt damit vier bis sechs Wochen aus. Das bedeutet das Saisonende für den Schweizer Nationalspieler und eventuell auch das Ende seiner WM-Hoffnung. Womöglich war das Spiel in Mönchengladbach sogar das letzte von Spycher für die Eintracht, denn die Verhandlungen über einen neuen Vertrag stocken. Bruchhagen gibt sich jedoch weiter gelassen: „Wir sind in guten Gesprächen“, so der Eintracht-Boss. „Das Angebot für Christoph ist gut und angemessen.“

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