Gelson Fernandes im Gespräch

„Für Europa zählt jetzt jeder Zentimeter“

+
Gelson Fernandes

Frankfurt - Stammspieler ist Gelson Fernandes nicht bei der Frankfurter Eintracht. Aber zum engeren Stamm gehört er immer. Von Peppi Schmitt

Der 31 Jahre alte Schweizer Nationalspieler gehört zu den erfahrensten Profis, hat einen sehr genauen und sehr sachlichen Blick auf die sportliche Situation. Fünfzehn Spiele hat er bestritten und hofft, dass es bis zum Saisonende noch viel mehr werden. In einem Gespräch mit den Medien hat Fernandes zu vielen Fragen seine Meinung gesagt. „Für Europa zählt jetzt jeder Zentimeter“, sagt er unter anderem. Unser Mitarbeiter Peppi Schmitt hat die wichtigsten Aussagen aufgezeichnet.

Zum Spiel in Dortmund: „In der ersten Halbzeit war es schwer, einen vernünftigen Spielaufbau hinzukriegen. Der BVB hat gut gepresst, fast Mann gegen Mann. In der zweiten Halbzeit war es besser, da haben wir so gespielt, wie wir sollen. Das ist unser Weg.“

Zum Gegentor in letzter Minute: „Die fünf Minuten nach einem eigenen Tor sind die wichtigsten, da geht die Konzentration nach unten. Man muss wissen, wenn ein Punkt in Dortmund möglich ist und muss es dann besser machen. Aber es ist ein Lernprozess. Die Punkte sind weg, ich hoffe, wir schreien am Ende nicht danach.“

Zur Bedeutung des Spiels gegen Mainz: „Für die geht es um die Wurst, für uns aber auch. Sie werden kommen und kämpfen. Für sie geht es ums Überleben, für uns darum, einen Traum zu erfüllen. Mit Worten werden wir aber nicht viel erreichen. Wir brauchen eine Mischung zwischen hartem Training und Konzentration. Wir haben so hart gearbeitet in der ganzen Saison, jetzt müssen wir noch zwei Monate Gas geben, um etwas zu erreichen.“

Zur Gemütsverfassung nach der Last-Minute-Niederlage: „Nach dem Spiel waren wir enttäuscht. Und am Tag danach auch. Aber es ist wie im Leben, man muss sich immer zurückkämpfen. Und wir haben ja ein gutes Leben.“

Zur plötzlichen Auswärtsschwäche nach drei Niederlagen in Folge: „Wir müssen noch Punkte von auswärts mitbringen, ganz klar. Aber jetzt geht es erst gegen Mainz. Und wenn man auswärts nicht punktet, muss man zu Hause gewinnen.“

Zu den Vorteilen des großen Kaders: „Wenn einige nicht mehr frisch sind, können andere kommen und etwas zeigen. Das kann unsere Stärke jetzt am Ende sein. Beispiele sind Danny da Costa, Danny Blum, Luka Jovic oder Johnny de Guzman. Das ist sehr gut für uns. Im April und Mai brauchen wir nochmal viel Kraft. Vielleicht macht jetzt mal einer ein Tor, der vorher gar nicht gespielt hat.“

Zur Enttäuschung, in Dortmund nur auf der Bank geblieben zu sein: „Ich hatte vorher gespielt und wir hatten vorher gewonnen. Aber ich habe genug Erfahrung, um zu wissen, dass es taktische Gründe gibt. Die Entscheidungen des Trainers muss man akzeptieren. Ich bin hier, um der Mannschaft und dem Verein zu helfen. Wir wollen gemeinsam etwas erreichen. Ich habe ja schon viel erlebt und weiß, wie es funktioniert und wie es nicht funktioniert. Ich will ja auch Vorbild für junge Spieler sein.“

Eintracht-Zeugnis gegen Dortmund

Zu dieser Vorbildrolle: „Mit 32 Jahren ist das doch klar. Barkok, Stendera, Kamada oder Jovic, sie haben ihre Karriere vor sich, ich nicht. Ich rede auch mal mit Haller. Tipps kann ich ihm nicht geben, ich war ja kein Stürmer. Wenn wir auf Tore von mir warten müssen, steigen wir ab (lacht). Aber ich kann sagen, dass die Tore zurückkommen, wenn er weiter seriös arbeitet.“

Zu den Chancen auf Europa: „Jetzt zählt jeder Zentimeter. Noch zweieinhalb Monate müssen wir alles geben. In Amerika haben wir im letzten Sommer mit einer harten Vorbereitung begonnen und unseren Weg gefunden. Jetzt wir so weit gekommen. Wir müssen gut leben und gut trainieren. Was nicht sein darf ist, dass wir am Ende sagen müssen, Scheiße, wir haben nicht alles gegeben.“

Zur Woche ohne freien Tag: „Das macht alles Sinn. Die Spieler, die nicht gespielt haben, müssen trainieren. Zwei Tage vor dem Spiel ist ja immer ein leichter Tag, ein Tag vor dem Spiel auch. Dann spielt man nicht, das ist auch leicht und am Tag nach dem Spiel ist es auch leicht. Aber das geht natürlich nicht. Also müssen wir arbeiten.“

Zu seinen Chancen aufs Schweizer WM-Aufgebot: „Ich mache alles, um dabei zu sein. Ich trainiere hart. Der Nationaltrainer weiß das. Ich habe da keinen besonderen Druck.“

Bilder: Eintracht verliert in Dortmund

Zu den Qualitäten von Niko Kovac: „Er geht immer ins Detail. Ich habe viele Trainer gehabt in meiner Karriere, er hat eine Riesenzukunft, ganz sicher. Was er macht, macht alles Sinn. Am Anfang muss man erst lernen damit umzugehen. Jeder Spieler fragt ja, warum machen wir dies oder das? Jetzt sehen wir warum. Ich habe jedenfalls Spaß mit ihm zu arbeiten. Wenn er Entscheidungen trifft, muss man es einfach akzeptieren. Er stellt immer so oder so auf, weil er gewinnen will. Nicht weil er einen nicht mag oder sowas. Junge Spieler verstehen das manchmal nicht.“

Zum Vergleich von Christian Streich und Kovac: „Sie sind sich sehr nah, menschlich und wie sie den Fußball sehen. Beide sind sehr leidenschaftlich, das ist wichtig für eine Mannschaft. Ich hasse Trainer, die keine Leidenschaft haben. Wenn du in die Kabine kommst und der Trainer ist deprimiert, dann ist das ganz schlecht. Wenn unser Trainer wütend ist, dann spürt man es.“

Zu seiner persönlichen Zufriedenheit nach dem Wechsel im letzten Sommer: „Es ist genauso gekommen, wie ich es erwartet habe. Ich hatte mich ja bei Christoph Spycher und Pirmin Schwegler informiert. Ich bin sehr zufrieden. Ich spiele lieber hier als in China oder Amerika.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare