Stürmer bislang nur Bankdrücker bei der Eintracht

Der große Frust des Luka Jovic

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Luka Jovic, Eintracht-Stürmer mit ausgeprägtem "Torriecher", hat an den ersten beiden Spieltagen noch keine Minute auf dem Platz gestanden. Dieses Foto entstand beim Testspiel der Eintracht gegen Benevento Calcio.

Frankfurt - Als einer der ersten war Luka Jovic vergangenen Samstag davongeschlappt. Der Stürmer der Frankfurter Eintracht wollte nur schnell weg aus dem Stadion, das war ihm anzusehen. Da war die 1:2-Niederlage gegen Werder Bremen, da war aber auch die verordnete persönliche Tatenlosigkeit, die ihm zugesetzt hatten. Von Peppi Schmitt  

Denn Jovic hat an den ersten beiden Spieltagen keine einzige Minute für die Eintracht gespielt. In Freiburg und gegen Bremen hat er auf der Bank gesessen, wurde nicht einmal eingewechselt. Die Gründe waren unterschiedlich: In Freiburg lagen die Frankfurter in Führung, Kollege Sébastien Haller spielte stark, ein weiterer Stürmer wurde nicht benötigt. Gegen Bremen war Trainer Adi Hütter wegen Verletzungen und einem Platzverweis gezwungen Eins-zu-eins-Auswechslungen vorzunehmen.

Für Jovic sind es schwere Tage in Frankfurt. Eigentlich haben sie schon am Ende der letzten Saison begonnen. Mit einem spektakulären Hackentrick-Tor hatte er die Eintracht im DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke zum Sieg geschossen. Und dann, beim großen Finale in Berlin, beim Höhepunkt der Saison, beim Triumph gegen die Bayern hat er 90 Minuten auf der Bank gesessen. Der Halbfinal-Held war im Finale nicht einmal eine Randfigur.

Das Gefühl der Machtlosigkeit hat sich dann bei der Weltmeisterschaft fortgesetzt. Der serbische Trainer Mladen Krstajic hatte Jovic zwar mit nach Russland genommen, ihn aber erst im letzten Gruppenspiel eingesetzt, für genau zwei Minuten beim 0:2 gegen Brasilien. Da kam keine Freude auf.

In Frankfurt fehlt es Jovic nicht an offizieller und öffentlicher Wertschätzung. Die Eintracht hat ihn vor einem Jahr von der zweiten Mannschaft von Benfica Lissabon geholt, der ehemalige Trainer Niko Kovac hat große Stücke auf ihn gehalten. Das erste Jahr war dann auch erfolgreich. Für acht Tore hat Jovic in der vergangenen Bundesliga-Saison nur 22 Spiele gebraucht, insgesamt nur 927 gespielte Minuten.

Die Frankfurter haben sich im Leihvertrag mit Benfica eine Kaufoption verankern lassen, die zwölf Millionen Euro betragen soll. Eine große Summe, die die Eintracht wohl auch bereit ist zu zahlen. Angeblich ist die Hälfte bereits in diesem Sommer nach Lissabon überwiesen worden. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. „Wenn Luka sich so weiterentwickelt, wird die Eintracht mit ihm nochmal richtig viel Geld verdienen“, hat Niko Kovac prophezeit.

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An den Qualitäten der erst 20 Jahre alte Serben gibt es also keine Zweifel. Jovic hat einen ausgeprägten „Torriecher“, er ist einer, der Torchancen erahnt und der sich für seine Jugend auch mit viel Ruhe beim Abschluss auszeichnet. Das klappt nicht immer, wie beim Pokalaus vor drei Wochen in Ulm, als er gleich viermal in aussichtsreicher Position gescheitert war, aber immer öfter. „Ich denke, der liebe Gott hat mir diesen Torriecher gegeben. Ich habe das in mir, so etwas kann man nicht erlernen“, hat er in einem Interview der FR mal gesagt, „ich überlege im Strafraum auch nicht großartig, wo ich hinzulaufen habe. Das ist ein Instinkt.“

Und doch ist er bei der Eintracht aktuell nicht mitten drin, sondern nur dabei. Trainer Adi Hütter hat sich nach dem missglückten Versuch mit Sébastien Haller und Luka Jovic als Doppelspitze in Ulm erst einmal für Haller als einzige Spitze entschieden. Der französische Kollege und Konkurrent von Jovic hat die Einschätzung des Trainers mit zwei starken Leistungen und zwei Toren an den ersten beiden Spieltagen auch bestätigt.

Für Jovic ist dies nur ein schwacher Trist. Immerhin kann er seinen persönlichen Frust nun im Nationaltrikot loswerden. Er wurde zwar nicht für die A-Nationalmannschaft Serbiens nominiert, sondern „nur“ für die U 21. Aber das Nachbarschaftsduell mit Mazedonien an diesem Freitag hat auf dem Weg zur Europameisterschaft große Bedeutung. Die Eintracht würde sich über ein Tor ihres Stürmers freuen. Denn ein zufriedener Jovic könnte in den nächsten Wochen und Monaten noch ganz wichtig werden.

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