Eintracht Frankfurt

Hütter war erfolgreich, bleibt aber nicht in bester Erinnerung

Am Ende nicht mehr einer Meinung: Vorstandsmitglied Axel Hellmann (links) und Trainer Adi Hütter.
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Am Ende nicht mehr einer Meinung: Vorstandsmitglied Axel Hellmann (links) und Trainer Adi Hütter.

Autoritätsverlust und atmosphärische Störungen nach Bekanntgabe des Abschiedes von Trainer Adi Hütter warfen Eintracht Frankfurt in der Fußball-Bundesliga zurück. Ein Saison-Fazit.

Frankfurt – Die Fakten sind eindeutig: Eintracht Frankfurt hat 60 Punkte geholt in der abgelaufenen Saison, so viele wie nie zuvor. Und sie hat sich als Fünfter für die Europa League qualifiziert. „Es war eine hervorragende Saison“, sagt Vorstandssprecher Axel Hellmann. Fakt ist aber auch: Die Eintracht hat in den letzten sieben Spiele ihren Sieben-Punkte-Vorsprung verspielt und das Traumziel Champions League verpasst. „Es ist eine Enttäuschung, dass wir das nicht erreicht haben“, sagt Hellmann. Viel erreicht also, aber auch viel verschenkt.

In der Verantwortung für das sportliche Abschneiden stehen der Sportvorstand, der Trainer und die Mannschaft.

Adi Hütter ist durch das große Tor gegangen. Dieses Bild hat Vorstand Axel Hellmann zu Recht gewählt. Hütter hat die Eintracht nach vorne gebracht, daran kann es keinen Zweifel geben. Die euphorische Reise durch Europa 2019 und der Vorstoß in die Spitzenränge der Liga 2021 werden unvergessen bleiben.

Und doch wird Hütter in Frankfurt nicht in bester Erinnerung bleiben. Was an seinem Verhalten in den letzten Wochen liegt, an seinen Handlungen und Aussagen. Denn ausgerechnet, als die Eintracht vor dem größten Triumph seit der Deutschen Meisterschaft 1959 gestanden hat, kamen dem Trainer andere Pläne in den Sinn. Der Abgang nach Mönchengladbach war wegen einer Ausstiegsklausel im Vertrag legitim, aber zumindest kontraproduktiv. Hütter hat seine Interessen über die des Vereins gestellt. „Lebens- und Karriereentscheidungen haben eine Rolle gespielt“, sagt Hellmann. Hütter hatte bei all seiner Erfahrung den Effekt seines angekündigten Abschieds auf die Mannschaft komplett unterschätzt. Mit der Bekanntgabe war der Stecker gezogen. Mit unglücklichen Aussagen in Interviews hat er nicht nur die komplette Fanszene gegen sich aufgebracht. Die Mannschaft hatte er nicht verloren, nein, das wäre zu viel der Kritik. Aber er hat es nicht mehr geschafft, die Spieler bedingungslos hinter sich zu versammeln. Anders sind die Leistungen und die daraus resultierenden Ergebnisse nicht zu erklären.

Es gab atmosphärische Störungen, so sehr sie auch bestritten wurden. Den Disput mit Amin Younes in der Halbzeit in Dortmund hatte es gegeben. Danach hat Younes nur noch einmal von Beginn an gespielt. Die Mannschaft war dadurch geschwächt und Younes hat die dauerhafte Reservistenrolle die Teilnahme an der Europameisterschaft gekostet. Die Verstimmungen mit Danny da Costa, der im Winter nach Mainz geflüchtet ist, hat es auch gegeben. Und da Costa hat kürzlich noch einmal erfahren, wie nachtragend der Trainer sein kann, wenn ein Spieler eine andere Meinung hat. Nach dem Abpfiff wollten er und Dominik Kohr, beide von der Eintracht nach Mainz ausgeliehen, in die Frankfurter Kabine, um mit den alten Kumpels zu plaudern. Hütter hat es verboten. Was allenthalben für Kopfschütteln sorgte.

Selbst zwei Tage nach der Saison, nach einer würdevollen Verabschiedung, hat Hütter noch einmal kurz nachgetreten und versucht, von eigenen Fehlern abzulenken. „Es ist sehr schade, dass die drei erfolgreichen Jahre hier in Frankfurt am Ende von der einen oder anderen Seite so abgewertet werden“, hat er wie so oft die Bild-Zeitung genutzt, um seine Meinung öffentlich zu machen.

Hütter ist ein guter Trainer. Er hat gute Arbeit in Frankfurt abgeliefert. Er hat Erfolge gefeiert, er hat kleinere und größere Krisen überwunden, er hat Spieler entwickelt und er ist den Weg des Klubs nach wirtschaftlicher Konsolidierung mitgegangen. Sich im Rückblick über vermeintliche taktische Fehler, falsche Aufstellungen oder zu späte Ein- und Auswechslungen aufzuregen, ist albern. In aller Regel nämlich hatte der scheidende Frankfurter Trainer richtig gelegen. Sein größter Erfolg war wahrscheinlich, dass er den Verlust der „Büffelherde“ nicht öffentlich beklagt, sondern mit anderen Persönlichkeiten wie André Silva einen anderen Weg eingeschlagen hat. All das wird bleiben. „Er hat den Verein besser gemacht“, sagt Hellmann. Hütter sieht das umgekehrt ähnlich. „Die Eintracht hat mich zu einem besseren Trainer gemacht“, sagt er.

Gerade in den letzten Wochen sollte er viel gelernt haben. Die Wechselverkündung war in Art und Weise und Zeitpunkt schlicht eine Dummheit und hätte leicht vermieden werden können. Hütter hätte dem Gladbacher Manager Max Eberl sein Wort geben können, aber ohne eine so frühe Unterschrift. Damit hätte er Stillschweigen durchgesetzt. Er hat es nicht getan. Landsmann Oliver Glasner hat in Wolfsburg vorgemacht, dass es auch anders gegangen wäre. Hütter hat das alles unterschätzt.

Das 0:4 in Mönchengladbach war der Anfang vom Ende. In der Vergangenheit Bewährtes griff auf einmal nicht mehr. Vor den letzten drei Spielen gegen Mainz, Schalke und Freiburg hat er den Spielern freigegeben, „damit sie den Kopf freibekommen“. Das hatte er in den letzten Jahren immer mal wieder getan. Aber diesmal ging der Schuss nach hinten los. In den Tagen rund um den 1. Mai soll einiges aus dem Ruder gelaufen sein. Viele Profis hätten die Zeit nicht nur für Erholung genutzt, sondern auch für die Suche nach neuen Arbeitgebern. Mit Privatflugzeugen sollen einige in halb Europa unterwegs gewesen sein.

Einhalt hat dem keiner geboten, wohl weil es keinen mehr wirklich interessiert hatte. Und jene, die es kritisiert haben, habe Hütter, so hört man, abgekanzelt und auf seine Entscheidungskompetenz hingewiesen. Einen direkten Vorgesetzten hatte er zu diesem Zeitpunkt faktisch nicht mehr. Sportvorstand und Manager waren längst ebenfalls „lame ducks“ und die Co-Trainer waren auch auf dem Absprung. Christian Peintinger und Armin Reutershahn wurden kaum noch ernst genommen im Kreis der Mannschaft. Und so war eines zum anderen gekommen.  sp

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