Profi fordert härtere Strafen und steht hinter Präsident Fischer

Boatengs Kampf gegen den Rassismus: „Das Maß ist voll“

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Kevin-Prince Boateng hielt einst vor der UN-Vollversammlung eine Rede über Rassismus.

Frankfurt - Kevin-Prince Boateng ist eine meinungsstarker Profi. Besonders ein Thema beschäftigt den Frankfurter Mittelfeldspieler sehr: der Rassismus auf und neben dem Fußballplatz. Von Peppi Schmitt

Ein Junge posiert für das schwedische Modehaus H&M in einem Pullover mit dem Aufdruck „Coolest Monkey in the Jungle“, also „Coolster Affe im Dschungel“. Ein Spruch, der von vielen als Rassismus interpretiert wird. H&M hat das Foto mittlerweile zurückgezogen. Zudem wurde der Fußballprofi Blaise Matuidi von Juventus Turin beim Auswärtsspiel in Cagliari mit Hassgesängen rassistisch beleidigt. Für den Frankfurter Kevin-Prince Boateng (30) sind diese beiden Vorkommnisse nur die Spitze des Eisbergs. „Das Maß ist voll“, sagte Boateng heute, „wir dürfen nicht die Augen zumachen, denn es passiert weiter jeden Tag.“ Gemeinsam mit anderen Spielern will er nun gegen den offenen und versteckten Rassismus auch im Fußball vorgehen. „Ich werde es angehen“, kündigte er an, „wenn das meine Berufung ist vom großen Gott, von Allah oder Buddha, dann ist es eben so.“ Würden die FIFA oder die UEFA nicht helfen, „dann mache ich es halt alleine.“ Er habe bereits viel Zuspruch erhalten, unter anderen vom italienischen Nationalspieler Mario Balotelli und dem ehemaligen holländischen Nationalspieler Patrick Kluivert.

Boateng sprach eine Woche vor dem Rückrundenstart der Bundesliga in einer Medienrunde in der Frankfurter Arena kaum über Fußball. Gefragt war seine Meinung zu den Vorkommnissen der letzten Tage. Er sei einfach nur „traurig und wütend“, habe „gezittert“, als er das Foto gesehen hatte, „es ist schlimm, dass immer noch solche Dinge passieren und wir darüber reden müssen.“ Die Argumentation, dass das Werbefoto von H&M nicht rassistisch sei, weil es ja auch ein weißer Junge hätte sein können, ärgert ihn mächtig. „Natürlich ist das rassistisch, egal ob gewollt oder nicht“, sagt er, „weil es wir Schwarzen sind, die schon oft als Affen beleidigt wurden, ich übrigens auch.“ Die Entschuldigung der Firma sei wenig glaubwürdig. „Ich kann diese Entschuldigung nicht akzeptieren, so etwas darf in diesen Zeiten einfach nicht passieren“, schimpfte der 30 Jahre alte in Berlin geborene Ghanaer.

Auch in der Kabine der Eintracht seien die Fälle ein großes Thema gewesen. „Wir haben uns darüber unterhalten“, sagte Boateng, die Empörung sei groß. „Man muss sich doch nur in die Menschen hineinversetzen“, sagt er, „wie fühlt sich Matuidi, wenn er beleidigt wird, nur weil er eine andere Hautfarbe hat.“ Noch immer müssten dunkelhäutige Menschen fühlen, „dass wir anders sind.“ Nach einem ähnlichen Vorfall hatte vor einigen Wochen Hellas Verona eine Geldstrafe von 20.000 Euro bezahlen müssen. „Das ist doch ein Witz“, regt sich Boateng auf und fordert härtere Strafen, „da müssen sie halt mal hinter verschlossenen Türen spielen.“

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Boateng, der einst schon vor der UN-Vollversammlung eine Rede gegen Rassismus gehalten hat, will seinen Weg konsequent weitergehen. Er hielt sich auch nicht mehr an die angebliche Vorgabe der Eintracht, dass Spieler sich zu dem Streit zwischen Präsident Peter Fischer („In unserem Verein gibt es keinen Platz für die braune Brut“) und der AfD nicht äußern sollten. „Ich brauche mit dem Präsidenten darüber gar nicht zu reden, ich stehe voll hinter ihm“, sagte er, „wir sehen doch jeden Tag, es ist noch da.“

Kevin-Prince Boateng: Rede bei UN

Ganz am Ende der Gespräche mit den Medien hat Boateng dann auch noch über Fußball gesprochen. Der sei nämlich im Kampf gegen den Rassismus besonders wichtig. „Es gibt nichts Schöneres als den Fußball, wo alle zusammenspielen, sich zusammen freuen, zusammen traurig sind“, sagte Boateng. Er freue sich jedenfalls riesig auf die Rückrunde. Die Mannschaft sei „sehr gut“ vorbereitet, die Stimmung sei „vielleicht sogar ein bisschen zu gut“, die Zuversicht groß. Er selbst fühle sich „überragend“, endlich zu 100 Prozent fit. Der Prince ist überzeugt, „dass wir in der Rückrunde viel Spaß haben werden.“ Einen Einbruch, wie ihn die Eintracht im letzten Jahr erlebt habe, kann er sich nicht vorstellen. „Da habe ich keine Angst, so etwas wird es nie wieder geben“, ist er überzeugt. Das alles stehe am Samstag beim Heimspiel gegen Freiburg auf dem Prüfstand. „Wir wollen gewinnen, ohne Wenn und Aber“, fordert er, „am Samstag werden die Antworten gegeben, ob die Vorbereitung wirklich so gut war.“

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