Kollektivstrafen fast ohne Wirkung

So führen die Eintracht-Ultras die DFB-Strafen ad absurdum

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Deutlich sichtbar, wer im Frankfurter Stadion das Sagen hat: Die Frankfurter Ultras versammelten sich trotz der Sperre des DFB in der Arena. Sie wanderten einfach von der Stehplatz- auf die Gegentribüne.

Frankfurt - Seit längerem wendet der DFB Kollektivstrafen an, um das Fehlverhalten von Frankfurter Fans zu ahnden. Die Wirkung bleibt aus, gerade die Ultras finden immer wieder Wege in die Arena.

Es ist ein trauriges Bild: Als Eintrachts Japaner Makoto Hasebe um kurz nach 23 Uhr den entscheidenden Elfmeter im DFB-Pokalspiel der Hessen gegen den FC Ingolstadt versenkt, blickt er auf eine komplett leere Tribüne. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte die Frankfurter nach den Vorfällen in der ersten Pokalrunde in Magdeburg mit einer Kollektivstrafe belegt, nach der unter anderem alle Stehplätze des Stadions leer bleiben mussten. Insgesamt waren nur knapp 14.000 Zuschauer zugelassen. Letztlich kamen wohl wegen der späten „Champions League“-Anstoßzeit um 20.45 Uhr und dem wenig ansprechenden Gegner nur rund 6300 Fans in die Arena - und es waren aus Sicht des DFB die falschen. Zwar nicht in ihrem gewohnten Stehblock hinter dem Tor, dafür aber auf der Gegengerade des Stadions hatten sich die Frankfurter Ultras in einer beachtlichen Zahl versammelt. Beachtlich deshalb, weil sie es sind, die die fragwürdigen Kollektivestrafen in erster Linie treffen sollen. 

„Scheiß DFB“ waren noch die harmloseren Sprüche, mit denen die Fans gestern gegen den Zuschauerausschluss protestierten.

Die Sitztribüne wurde von den Ultras kurzerhand zum neuen Stehplatz, im Block wurden Fahnen geschwenkt, die den DFB als „korrupte Schweine“ bezeichneten. Ebensolche Rufe hallten während des Spiels mehrfach durch die Arena, es war trotz der wenigen Zuschauer erstaunlich laut. „Wenn man sich das Stadion so anschaut, dann scheint es, als wären gerade die ausgeschlossen, die gar nichts mit irgendwelchen Zündlern zu tun haben“, schrieb Nutzer „Raggamuffin“ im offiziellen Fan-Forum der Eintracht. Zwar darf den Ultras sicher nicht die alleinige Verantwortung für Vorfälle wie in Magdeburg zugeschrieben werden, sie sind aber nunmal die einflussreichste Gruppe in der Fanszene. Und sie führen die Kollektivstrafen des DFB-Sportgerichts regelmäßig ad absurdum. Ein Rückblick auf die Vorfälle dieses Jahres:  

6. Februar 2016: Das DFB-Sportgericht sperrte im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart den Fanblock hinter dem Tor. Hunderte Eintracht-Ultras kauften sich daraufhin Karten für die Ostkurve und standen oberhalb der Fans aus Schwaben. Doch was zunächst nach einem Risiko aussah, mündete in einem Akt der Solidarisierung. „Keine Kollektivstrafe“, stand auf einem Banner, das im Stuttgarter Block ausgerollt wurde.

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30. April 2016: Der 2:1-Erfolg im brisanten Hessenderby und Abstiegskampfduell beim SV Darmstadt 98 war gerade perfekt, da gingen die Eintracht-Spieler jubelnd in Richtung Zuschauerblock, in dem rund 300 Eintracht-Fans (nicht nur Ultras) standen. Sie hätten dort eigentlich nicht stehen dürfen. Ein Urteil des DFB-Sportgerichts verfügte einen Ausschluss der Gästefans. Die Frankfurter Anhänger besorgten sich bei Ebay trotzdem Karten und wurden schon während des Spiels von Darmstädtern attackiert.

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27. August 2016: Für den diesjährigen Saisonauftakt gegen den FC Schalke 04 blieb erneut Block 40 (2500 Stehplätze) gesperrt. Trotzdem waren die Anführer der Frankfurter Fanszene im Stadion - nur wenige Meter entfernt im Oberrang. Die Ultras hatten sich regulär Karten für andere Blöcke besorgt und zogen dann gemeinsam hinter das Tor. Dort bauten sie sich auf, es soll zu vereinzelten Streitigkeiten mit den dort sitzenden Anhänger gekommen sein. Im Fan-Forum der Eintracht gab es jedenfalls viele Beschwerden mit dem Vorwurf, Zuschauer aus anderen Blöcken hätten ihre Plätze eingenommen. Und seien von den Ordnern nicht daran gehindert worden.

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15. Oktober 2016: Auch gegen Rekordmeister Bayern München blieb Block 40 dicht. Auf ihrer Homepage kündigten die Ultras vor der Partie an: „Egal, wie oft sie uns bestrafen: Los werden sie uns niemals“. Anschließend zog es die Anhänger nicht ins Stadion, sondern vor die Arena. Ein Protestmarsch in der Frankfurter Innenstadt und eine Versammlung auf einem Parkplatz waren die Folge der Kollektivstrafe. Die Polizei hinderte die Gruppe daran, bis zur nahegelegenen DFB-Zentrale weiterzuziehen. Die Gästefans aus München solidarisierten sich mit den Eintracht-Anhängern. Sie schwiegen 65 Minuten lang.

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25. Oktober 2016: Gegen Ingolstadt waren gestern nur 14.000 Zuschauern zugelassen, es kamen letztlich rund 6300. Natürlich mit dabei: die Frankfurter Ultras, die ihr Banner gut sichtbar für die TV-Kameras auf der Gegengerade entrollten und die Eintracht zum Sieg schrien. (dani)

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