Ärger bei Sieg der Eintracht

Kommentar: Coup wird zur Nebensache

Fangen wir mit einer Bemerkung an, bei der sich dem Fan des runden Leders gern mal die Nackenhaare aufstellen: „Es ist doch nur Fußball“. Nein, für viele ist es mehr als das, weit mehr. Es geht um Emotionen: freuen, ärgern, leiden, mitfiebern. Von Jörn Polzin

Auch mal dem Gegner oder Schiedsrichter das eine oder andere weniger nette Wort mitgeben. Gehört alles dazu, keine Frage. Was aber, wenn Krawallmacher den Rhythmus vorgeben und die (europäische) Bühne nutzen, um sich selbst zu inszenieren? Wenn Zuschauer bereits Tage vor dem Anpfiff angegriffen werden und verletzt die Heimreise antreten müssen? Wenn Chaoten brennende Leuchtkörper auf gegnerische Gruppen oder Ordner werfen und sich sogar untereinander prügeln? Wenn die Polizei schwere Geschütze auffährt, ein Fan-Hotel mit Maschinengewehren bewacht, den Gästen vorgibt, wann sie sich draußen bewegen dürfen? Diese bürgerkriegsähnlichen Zustände vor, während und nach dem Europa-League-Spiel der Frankfurter Eintracht bei Lazio Rom gehen weit über jegliche Grenze des Tolerierbaren hinaus. Und werfen die Frage auf: Was hat das noch mit Fußball zu tun, wenn es vorrangig darum geht, unversehrt zum und aus dem Stadion zu kommen?

Der historische Erfolg der Eintracht am Donnerstag in der italienischen Hauptstadt geriet dadurch zur Nebensache. Ärgerlich und bedauerlich für die Verantwortlichen des Klubs. Denn die Frankfurter hatten beim Siegeszug durch Europa viel Werbung für sich betrieben - national wie international. Mit starken Leistungen auf dem Feld, mit Gänsehaut-Choreografien auf den Rängen. Sie haben vor allem gezeigt, dass sie die zuletzt von deutschen Vertretern etwas stiefmütterlich behandelte Europa League ernst nehmen - als Chance sehen. Gespannt schauen sie nun nach Nyon, wo am Montag der Gegner im Sechzehntelfinale zugelost wird. Es winken Duelle mit Celtic Glasgow, Galatasaray Istanbul oder Sporting Lissabon – das hätte was.

Bilder: Eintracht Frankfurt bezwingt Lazio

Doch die Vorfreude ist nach den Vorfällen in Rom getrübt. Es droht nicht nur ein weiterer Imageschaden, sondern auch eine saftige Strafe – im schlimmsten Fall ein Zuschauerausschluss beim nächsten Heimspiel. Als Wiederholungstäter hat die Eintracht wenige Argumente auf ihrer Seite. Sie muss, ganz egal, wie das Urteil ausfällt, künftig härter durchgreifen und die Unbelehrbaren aus dem Verkehr ziehen. Das ist zweifellos schwierig, aber alternativlos. „Eine kleine Gruppe hat das Spiel missbraucht, um ihre private Auseinandersetzung mit Lazio Rom zu führen“, betont Eintracht-Vorstand Axel Hellmann. Das mag stimmen. Andererseits kann auch das Verhalten einer „kleinen Gruppe“ große Auswirkungen haben. Ein Geisterspiel in der K.o.-Runde wäre jedenfalls so etwas wie der Super-GAU für den Klub und die vielen friedlichen Anhänger, die sich bereits Tickets für das „Blind-Date“ besorgt haben. Und es hätte mit Freude am Fußball definitiv nichts mehr zu tun.

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