Der letzte Punch fehlt

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1:1 in Nürnberg - trotzdem freuen sich die Profis der Eintracht vor dem Fanblock. Von links ganz in weiß: Patrick Ochs, Alexander Meier, Christoph Preuß und Selim Teber.

Nürnberg ‐ Sechs Spiele in Folge ist die Frankfurter Eintracht nun ungeschlagen, in der Tabelle so gut platziert wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Und doch waren nicht alle so richtig zufrieden mit dem 1:1 (1:1) beim 1.FC Nürnberg. Von Peppi Schmitt

Ein Sieg wäre möglich gewesen gegen einen verunsicherten Gegner, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, „aber uns hat ein bisschen die Entschlossenheit gefehlt.“ Michael Skibbe sah es genauso. „Uns fehlt der letzte Punch“, sagte der Trainer, „uns fehlt ein Stürmer, der auch mal ein Tor schießt.“ Da war sie wieder die Forderung nach einem weiteren Angreifer in der Wintertransferperiode, der Nikos Liberopoulos und Alexander Meier unterstützen und Ioannis Amanatidis und Martin Fenin ersetzen könnte. Dass Skibbe der Wunsch nach offensiver Verstärkung erfüllt wird bis zum 31. Januar, ist eher unwahrscheinlich. „Ich glaube nicht an einen weiteren Neuzugang“, sagt er, „der Transfermarkt ist zurzeit ganz schwierig.“

Und so hatte sich der Frankfurter Trainer dann auch schnell mit dem einen Punkt aus Nürnberg arrangiert. „Wir können wirklich zufrieden sein, dass wir mit unserer schwächelnden Offensive so viele Punkte haben“, lobte er die Mannschaft und damit auch ein bisschen sich selbst. 28 Punkte hat die Eintracht auf dem Konto, in der Tat eine erstaunliche Zahl nach 19 Spielen. Auch Bruchhagen konnte sich bald mit dem Remis anfreunden. „Mit 28 Punkten stehen wir auf einem tollen Tabellenplatz, darüber freuen wir uns sehr“, sagte der Eintracht-Chef, „wir wollen ja nicht überheblich werden.“ Christoph Spycher war sogar positiv überrascht. Unter der Woche beim Training habe es nicht so gut ausgesehen, „ich hatte gar kein gutes Gefühl.“ Doch rechtzeitig zum Spiel habe die Mannschaft noch die Kurve bekommen. „Uns ist es gelungen, den Schalter umzulegen“, sagte der Kapitän.

Erfolgsserie soll gegen Köln ausgebaut werden

Es waren die jüngsten Erfolge, die die Eintracht selbstbewusst haben aufspielen lassen in Nürnberg. Die Erfolgsserie gebe der Mannschaft „viel Sicherheit“, sagt der Trainer. Spycher wünscht sich, „dass wir sie nächste Woche gegen Köln noch ausbauen“. Nürnbergs Trainer Dieter Hecking hatte im kämpferischen Bereich keine Unterschiede zwischen den Mannschaften feststellen können, wohl aber bei der Ballkontrolle. „Wir haben den Unterschied gesehen zwischen einer Mannschaft, die fünfmal nicht verloren hat und einer, die fünfmal nicht gewonnen hat“, sagte er, „die Eintracht hat viel kontrollierter und ruhiger gespielt als wir.“ Aber deshalb noch lange nicht gut. Dieses Gefühl zumindest beschlich Patrick Ochs. Der Mittelfeldspieler fand, „dass die Nürnberger etwas besser waren und wir deshalb mit dem einen Punkt zufrieden sein sollten.“

Skibbe und die Mannschaft haben aus der (Stürmer-)Not eine taktische Tugend gemacht. Die Frankfurter spielen im Grunde ohne Angriff, denn die nominellen Stürmer Alexander Meier und Nikos Liberopoulos hatten auch in Nürnberg wieder ihre besten Szenen in der Defensivarbeit und bei der Ballbehauptung im Mittelfeld. Druck nach vorne erzeugen die Frankfurter nur über die Außenbahnen, rechts mit Ochs mehr als links mit Spycher. Der größte Trumpf der Eintracht ist die Ballsicherheit der Spieler. Fehlpässe sind seltener geworden, aus der Abwehr heraus wird kombiniert, die Bälle werden nur in Notfällen einfach aus der Gefahrenzone geschlagen. Solche Not gab es am Samstag in Nürnberg aber nur selten. Und die Eintracht hat gelernt, auf die wenigen Chancen geduldig zu warten.

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