Einziger Coach, der Eintracht und Lilien trainierte

Lothar Buchmann sieht Eintracht im Derby unter Druck

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Lothar Buchmann

Frankfurt - Nur ein Mann hat die Frankfurter Eintracht und den SV Darmstadt 98 trainiert: Lothar Buchmann. Wir haben mit dem fast 80-Jährigen gesprochen. Von Peppi Schmitt

Nächstes Jahr wird Lothar Buchmann 80 Jahre alt, was man ihm nun wirklich nicht ansieht. Seine aktive Trainerkarriere hat er erst im letzten Jahr beim damaligen Verbandsligisten FC Bensheim beendet. Nun ist Buchmann im Unruhestand. Und gerade in dieser Woche vor dem hessischen Bundesligaderby zwischen der Frankfurter Eintracht und dem SV Darmstadt 98 (Sonntag, 17.30 Uhr) gefragt für viele Interviews. Denn er ist der einzige Trainer, der beide Clubs trainiert hat. Die Darmstädter zweimal, von 1976 bis 1979 und 1996 bis 1998, die Frankfurter von 1980 bis 1982. Übrigens war er zwischendurch auch zweimal Cheftrainer bei den Offenbacher Kickers (1982 bis 1984 und 1992 bis 1994), also ein absoluter Fachmann für den Fußball in Rhein-Main.

Seinen größten persönlichen Erfolg hat Buchmann mit der Eintracht gefeiert, den DFB-Pokalsieg 1981 mit einem 3:1 in Stuttgart gegen den 1.FC Kaiserslautern. Zum Derby am Sonntag hat er eine klare Meinung. „Der Druck liegt auf Seiten der Eintracht, das macht für sie das Spiel so gefährlich“, sagt er, „in der jetzigen Situation dürfen sie einfach kein Heimspiel verlieren.“ Dass Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen ziemlich sicher von einem Sieg ausgeht, hat ihn überrascht. „Es ist sehr gefährlich, das Fell des Bären zu verteilen, bevor er erlegt ist“, sagt Buchmann, „zumal es für die Eintracht eine viel schwerere Aufgabe ist als für die Darmstädter.“

Der Eintracht-Tag im Ticker

Doch Lothar Buchmann ist kein Mann für Allgemeinplätze, befasst sich mit großem Fachwissen mit den Anforderungen an seine beiden Trainerkollegen. Armin Veh habe zweifellos die schwierigere Aufgabe. „In seiner Haut möchte ich nicht stecken“, sagt der Trainerroutinier, „ich kann mit Armin mitfühlen.“ Im Grunde müsse die Eintracht nämlich genau das machen, was die Darmstädter wollten. Die Gastgeber müssten angreifen, eine andere Chance hätten sie im eigenen Stadion gar nicht, glaubt Buchmann. „Sie brauchen ein schnelles Tor“, sagt er.

Der Lilien-Tag im Ticker

Der Darmstädter Trainer Dirk Schuster dagegen könne genau so weitermachen wie in der gesamten Saison. „Sie können nur das spielen, was sie spielen“, hat Buchmann bei mehreren Besuchen am Böllenfalltor analysiert, „sie werden tief stehen.“ Das System sei dabei gar nicht so wichtig. Buchmann hat bei Ballbesitz des Gegners bei den „Lilien“ ein 6-3-1 oder 4-5-1 erkannt. Die Stärken der Darmstädter seien offensichtlich: „Sie sind zweikampfstark, sind körperlich gut drauf und arbeiten gut nach hinten.“ Freilich bringe diese Spielart auch mit sich, „dass die Wege nach vorne sehr weit sind“.

Eintracht-Zeugnis gegen Mainz

Unter normalen Umständen müsse die Eintracht versuchen den Gegner „auszuspielen“. Doch dies sei in der aktuellen Situation, auch wegen der Ausfälle von Alexander Meier und möglicherweise Marc Stendera, auf dessen Rückkehr noch gehofft wird, leichter gesagt als getan. Gerade Meier werde dem Team fehlen, „weil der Respekt vor ihm bei den Gegnern sehr groß ist.“ Da erinnert sich Buchmann an seine Frankfurter Zeit, als Bum-Kun Cha der Eintracht-Torjäger war und Angst und Schrecken bei den Kontrahenten ausgelöst habe. Derbyerfahrung hat der 79 Jahre alte Fußball-Lehrer auch. Mit der Eintracht hat er am 7. November 1981 in Darmstadt mit 4:1 gewonnen. Stefan Lottermann (2), Bernd Nickel und Werner Lorant erzielten damals die Tore, das zwischenzeitliche 1:0 für die Darmstädter hatte Bodo Mattern geschossen.

Ob er beim Spiel sein wird am Sonntagabend weiß er noch nicht. „Noch habe ich keine Karte“, gibt er zu, dies sei bei der Eintracht manchmal „etwas kompliziert.“ Sein Ergebniswunsch sei ein Unentschieden, damit die Lilien ihrem großen Ziel wieder etwas näher kommen könnten. „Für die 98er wäre es eine Supersaison, wenn sie die Relegation erreichen würden“, sagt ihr ehemaliger Trainer. Und die Eintracht? „Die müssen einfach einen Mittelfeldplatz belegen, diese Qualität haben sie“, ist er überzeugt.

Lilien-Zeugnis gegen den 1. FC Köln

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