"Ich habe richtig Bock auf dieses Spiel"

Senkrechtstarter Wolf freut sich auf die Bayern

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Marius Wolf hat in seiner Jugend beim TSV 1860 München gute Erfahrungen in Spielen gegen den Rekordmeister gemacht.

Frankfurt - Marius Wolf ist in aller Munde - und das nicht erst seit Kevin-Prince Boateng dem 22-Jährigen eine Karriere in der Nationalelf voraussagte. Der junge Deutsche hat sich in der Mannschaft von Niko Kovac festgespielt und freut sich auf das Duell mit dem FC Bayern. Von Peppi Schmitt 

Mit dem FC Bayern München hat Marius Wolf bislang nur gute Erfahrungen gesammelt. Nicht als Profi, aber als Jugendlicher. Mit der A-Jugend des TSV 1860 München hat der Frankfurter Verteidiger häufiger mit dem Stadtrivalen die Klingen gekreuzt. "Zweimal gewonnen, zwei Tore geschossen", erinnert er sich gerne an die Münchner Jugendderbys. Am Samstag (15.30 Uhr) beim Spiel der Eintracht gegen die Bayern könnte die Fortsetzung der persönlichen Siegesserie deutlich schwerer werden. "Die Bayern haben zu alter Stärke zurückgefunden", sagte Wolf, nachdem er am Dienstagabend den Gala-Auftritt des deutschen Rekordmeisters gegen Paris St. Germain (3:1) gesehen hatte. Natürlich hat er ganz genau auf Franck Ribery geschaut, der zum ersten Mal nach längerer Verletzungspause wieder wirbelte und als Linkaußen sein direkter Gegenspieler sein könnte. "Eigentlich aber ist es egal, gegen wen man da spielt", sagt er, "das sind alles Weltklassespieler".

Doch die Frankfurter werden nach dem jüngsten Auswärtssieg in Berlin gegen den Spitzenreiter ziemlich mutig in die Partie gehen. Alle seien "vielleicht noch ein bisschen motivierter gegen die Bayern als sonst". Und er selbst habe sowieso "richtig Bock auf das Spiel". Da schreckt ihn auch nicht die in dieser Saison ausgeprägte Heimschwäche der Eintracht. "Vielleicht müssen ja genau die Bayern kommen, damit danach keiner mehr von Heimschwäche spricht", sagt er. Für die Mannschaft mache es sowieso keinen Unterschied, "weil wir auswärts von unseren Fans fast genauso unterstützt werden, wie zu Hause."

Marius Wolf ist die Entdeckung der Saison bei der Eintracht, nicht erst seit ihm am Sonntag sein Kumpel Kevin-Prince Boateng eine Nationalmannschaftskarriere prophezeit hatte, wenn er denn so gut weiterspiele. Ein Aussage, die zu einigen SMS auf dem Handy von Wolf geführt und einige "Späßchen in der Kabine" nach sich gezogen hatte. Die Entwicklung des 22 Jahre alten Wolf ist in jedem Fall erstaunlich und war so nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Denn bei Hannover 96 hatte es noch vor einem Jahr überhaupt nicht geklappt, da wurde er in die zweite Mannschaft abgeschoben. Das erste halbe Jahr in Frankfurt nach der Ausleihe war dann durchwachsen, aber immerhin so gut, dass die Eintracht sich entschlossen hat, die Leihvereinbarung mit Hannover zu verlängern und Wolf zu behalten. Eine weise Entscheidung, denn in dieser Saison ist Wolf durchgestartet. Neun Spiele hat er bestritten, achtmal von Beginn an, dabei zwei Tore erzielt. "Wir mussten ihn ja erst ein bisschen aufpäppeln", sagt Trainer Niko Kovac und spielte darauf an, dass Wolf in den letzten Monaten deutlich an Muskelmasse zugelegt hat und damit auch viel körperlicher spielen kann. "Es war mein Glück, dass ich zur Eintracht gekommen bin", sagt er, "das war meine letzte Chance, die wollte ich unbedingt nutzen". Bislang ist ihm dies eindrucksvoll gelungen. Die Eintracht plant jedenfalls, die vereinbarte Kaufoption über angeblich eine halbe Million Euro zu ziehen und Wolf fest zu verpflichten. "Marius hat eine richtig gute Entwicklung genommen", lobt Trainer Kovac, "ich bin mir sicher, dass wir ihn behalten und in Zukunft noch viel Freude an ihm haben werden."

Bilder: Eintracht gewinnt in Berlin

Zuletzt hat Wolf am Sonntag in Berlin nach einem Eckballtrick getroffen. Der ist jetzt natürlich auch den Bayern bekannt. "Vielleicht kommt ja was Neues", lacht Wolf, "es gibt ja nicht nur einen Trick". Was Neues könnte auch in taktischer Hinsicht auf ihn zukommen. Zuletzt wurde Wolf als Vertreter des verletzten Timothy Chandler als rechter Verteidiger eingesetzt. Eine Position, die bei der Eintracht durchaus auch als rechter Mittelfeldspieler benannt werden kann, fast eine Art Rechtsaußen, alles aufgaben, die Wolf erfüllen kann. Chandler jedenfalls ist nach einer Meniskusoperation erstaunlich schnell wieder fit geworden, absolviert seit einigen Tagen das volle Trainingsprogramm. "Ich habe keine Probleme mehr", sagte er am Mittwoch. Ob Trainer Kovac das Comeback von Chandler schon gegen die Bayern wagt? Ist eher unwahrscheinlich, hätte aber etwas für sich. Denn Wolf wäre frei für andere Aufgaben. Gerade Mijat Gacinovic hat zuletzt so gespielt, dass eine Pause dringend notwendig erscheint. Also Chandler rechts hinten, Wolf davor in der Rolle von Gacinovic?

Viel mehr Gründe, die Aufstellung zu ändern, gibt es nicht. Makoto Hasebe hat am Mittwoch eine individuelle Einheit auf dem Fahrrad und im Kraftraum absolviert, ist aber nicht verletzt und einsatzfähig. Und Jetro Willems ist nach einem Tag Schonung auf den Trainingsplatz zurückgekehrt. Die Sieger von Berlin könnten also alle spielen.

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