Viel Lob nach 0:0 gegen Mönchengladbach

Kovac und die Eintracht: Reifeprüfung abgelegt

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Niko Kovac während des Spiels in Gladbach.

Frankfurt - Es war kein wirklich gutes Bundesligaspiel, dieses 0:0 zwischen Borussia Mönchengladbach und der Frankfurter Eintracht. Für die Zuschauer war es sogar langweilig. Von Peppi Schmitt

„Zäh“, sagte Gladbachs Trainer Andre Schubert. „Kein Highlight“, urteilte sein Frankfurter Kollege Niko Kovac. Und doch gab es hinterher so viel Lob für die Frankfurter wie noch nie in dieser Saison. Die Eintracht und ihr Trainer hatten im Borussia-Park eine Art Reifeprüfung abgelegt. „Eine herausragende Mannschaft, die haben ihre Punkte nicht umsonst geholt“, beschrieb Borussia-Manager Max Eberl den Gegner. „Taktisch überragend, sensationell“, adelte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic Mannschaft und Trainer. Ja, das ist die Eintracht im Herbst 2016. Eine stabile Einheit, gefestigt, sachlich, ruhig. Die Spieler wissen, was sie zu tun haben, sie wissen, was sie spielen sollen und wollen.

Es ist sicher kein Zufall, dass die Eintracht gegen alle „Großen“ in dieser Saison gepunktet hat, gegen Schalke und Leverkusen haben sie gewonnen, den Bayern und Mönchengladbach haben sie Punkte geklaut. Der meist in Frankfurt so trübe Oktober war diesmal fast ein „goldener“. Dreimal in Folge ist die Mannschaft ohne Gegentor geblieben, das Pokalspiel gegen Ingolstadt eingeschlossen. Aus Hamburg und Gladbach haben sie vier Punkte mitgebracht. „Freiburg ist jetzt vergessen“, sagt Kovac. Die unnötige 0:1-Niederlage im Breisgau war bisher die ärgerlichste in dieser Saison. In Mönchengladbach hatten die Fans ihren Spaß, selbst wenn diesmal ein eigener Treffer gefehlt hat. Noch lange nach dem Abpfiff harrten sie aus in ihrem Block, forderten den Trainer und feierten dann gemeinsam mit ihm. „Ich habe mich bei unseren Fans für ihre tolle Unterstützung bedankt, im Namen des Vereins, im Namen der Mannschaft und natürlich persönlich“, sagte Kovac. Eigentlich aber war es umgekehrt, die Anhänger hatten sich bei ihm bedankt.

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Kovac war zufrieden mit dem einen Punkt. Das ist er selten. „Wir haben taktisch sehr gut gespielt, wir haben der Borussia keine Räume geboten, haben alles zugestellt“, fasste er die 90 Minuten zusammen. Gerade zweimal war das eigene Tor in Gefahr geraten. Einmal, als Omar Mascarell in höchster Not fast ein Eigentor fabriziert hätte, kurz darauf, als Torwart Lukas Hradecky bei einem Schuss von Oscar Wendt gerade noch die Hände an den Ball gebracht und ihn an die Latte abgefälscht hatte. „Das war ein purer Reflex und ich hatte auch Glück“, sagte der finnische Keeper erfrischend ehrlich, „ich war da sogar etwas desorientiert.“ Die Mannschaft war dies in keiner Sekunde des Spiels. „Mutig“ habe man gespielt, attestierte Kovac seinen Spielern, „wir haben uns den Punkt redlich verdient.“ In Mönchengladbach, davon ist er überzeugt, „werden nicht viele Mannschaften Punkte holen.“ Den Spielern gab Kovac zur Belohnung zwei Tage frei, empfahl ihnen, den Erfolg zu genießen. „Nach der englischen Woche sind die Beine aufgeblasen, deshalb brauchen sie jetzt Ruhe“, sagte er, „und dann werden wir wieder hart arbeiten“.

Eintracht-Zeugnis gegen Mönchengladbach

Dem guten Oktober soll nun ein ebenso erfolgreicher November folgen. 15 Punkte hat die Eintracht schon angesammelt. Aus den letzten sieben Spielen des Jahres wünscht er sich so „zehn bis zwölf Punkte.“ Geht der Wunsch in Erfüllung wäre das dann an Weihnachten schon mehr als die halbe Miete beim Kampf um jene 40 Punkte, die zuletzt immer zum Klassenerhalt gereicht haben. „Wir brauchen noch 25 Punkte“, sagte Sportchef Bobic trocken. Keiner zweifelt daran, dass diese Eintracht das in dieser Saison schaffen wird. Die Mannschaft hat eine erstaunliche Entwicklung genommen. Und dem Trainer bieten sich kurz- und mittelfristig noch viele weitere personelle Alternativen. Fürs Heimspiel gegen den 1. FC Köln am nächsten Samstag kann er wieder mit Alexander Meier rechnen, vielleicht auch mit Ante Rebic und Danny Blum. Nach der Winterpause hoffen dann auch die Rekonvaleszenten Guillermo Varela, Marco Russ und Marc Stendera auf ihre Comebacks.

Bilder: Eintracht erkämpft 0:0 in Gladbach

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