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Wer plant bei der Eintracht die 2. Liga?

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Von: Peppi Schmitt

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Bruno Hübner steht in der Kritik. Ob er auch bei einem Abstieg weitermachen darf, ist fraglich. © dpa

Frankfurt - Es blieben nichts als Durchhalteparolen nach dem 0:3 (0:0) bei Bayer Leverkusen. Nach dieser erneuten Niederlage und den Siegen der Konkurrenz wird die Frankfurter Eintracht den fünften Abstieg der Vereinsgeschichte nach menschlichem Ermessen nicht mehr verhindern können.

„Wir geben nicht auf, das kommt überhaupt nicht in Frage“, hatte der leichenblasse Vorstandvorsitzende Heribert Bruchhagen gesagt und festgestellt, „dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen“. Das ist freilich noch untertrieben. Ganz ähnliche Worte wählte Sportdirektor Bruno Hübner. „Wir haben die Aufgabe, bis zum Schluss an uns zu glauben“, sagte er, „aber wir dürfen auch nichts schönreden.“ Für Kapitän Marco Russ war die Niederlage in Leverkusen ein Spiegelbild der vergangenen Wochen. „Wir schießen einfach keine Tore, das ist dann die Quittung“, sagte er. Und fügte pflichtgemäß hinzu: „Die Welt geht morgen nicht unter, es muss weitergehen.“

Die Wahrheit aber ist, und das wissen alle: Ab sofort muss die Eintracht ganz konkret mit den Planungen für die nächste Saison in der 2. Liga beginnen. Zumindest intern müssen schnellstens wichtige Fragen beantwortet werden. Zunächst einmal jene nach dem neuen Sportvorstand, der seit mehr als einem halben Jahr gesucht wird, aber immer noch nicht gefunden ist. Das ist Aufgabe des Aufsichtsrates um den Vorsitzenden Wolfgang Steubing und den Präsidenten Peter Fischer. Der neue starke Mann, Nachfolger des scheidenden Heribert Bruchhagen, muss die Weichen fürs operative Geschäft stellen. Denn in der Folge des Abstiegs muss die Eintracht sich vor allem im sportlichen Bereich neu aufstellen.

Manager Hübner betonte noch einmal, dass mit Ausnahme eines Spielers (Szabolcs Huszti) alle anderen auch Verträge für die 2. Liga haben. Also muss die Eintracht abwägen, wen sie behalten will, wen sie behalten kann und vor allem, wenn sie halbwegs gut verkaufen kann, um auch die wirtschaftlicher Balance zu halten. Angeblich müssen rund zehn Millionen Euro erlöst werden, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Dies alles geht nur in Verantwortung des neuen Sportvorstandes, dessen Verpflichtung ist Grundvoraussetzung für alle anderen Schritte. Denn der Neue muss in Verantwortung die Entscheidungen über die ihm untergeordneten nächsten wichtigen sportlichen Positionen treffen.

Ist der bislang wenig erfolgreiche Trainer Niko Kovac der richtige Mann zum Neuaufbau? Wäre er überhaupt bereit weiterzumachen? Und was wird mit Manager Hübner, dessen Vertrag noch bis 2018 läuft? Da gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen in den Gremien. Gerade Hübner hat im Aufsichtsrat (AR) nur noch wenige Freunde. Klar ist aber auch, dass der AR über den Manager nicht zu bestimmen hat, sondern der Vorstand mit Axel Hellmann, Oliver Frankenbach und dem neuen Mann. Eine große Rolle spielt auch die Zeit. Am 14. Mai geht die Saison zu Ende, bei Abstieg beginnt die neue Spielzeit in der 2. Liga am 5. August. Bei einer üblichen sechs bis siebenwöchigen Vorbereitung müsste der Neuanfang auf dem Platz in der dritten Juni-Woche begonnen werden. Wenig Zeit also für viele Aufgaben.

Aktuell scheint mit Bruno Hübner nur einer vernetzt genug, um diese Aufgaben überhaupt anzugehen. Für alle anderen bleiben genügend andere Aufgaben, die zu erfüllen sein werden. Die offensichtlichsten Anforderungen sind neben den Personalentscheidungen die Suche nach einem neuen Hauptsponsor in der Zweitklassigkeit und die Entwicklung einer neuen, womöglich anderen Vereinsphilosophie. Mit der Beantwortung der Kernfrage, was es dem Club denn nun nutzt, dass er als einer der ganz wenigen schuldenfrei daherkommt, aber seit bald zwei Jahrzehnten auf der Stelle tritt. Während andere Vereine wie Hamburg oder Schalke, um nur zwei nun nennen, auf hohen Schuldenbergen sitzen, aber es dennoch mit immer neuen kreativen Tricks immerhin schaffen, weiter erstklassig zu bleiben. Womöglich müssen die Frankfurter nun auch ganz andere Wege gehen, um finanziell so stark aufgestellt zu sein, um den direkten Wiederaufstieg anzustreben. Denn nichts anderes kann das Ziel sein.

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