Einsatz beim Europapokalspiel

Fan zeigt Beamte an - So reagiert die Polizei

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Banner der Fans von Dynamo Dresden beim Spiel in Darmstadt. Die Darmstädter Polizei sah - anders als ihre Frankfurter Kollegen am Donnerstag - keinen Anlass, das Banner wegen der unflätigen Wortwahl zu beschlagnahmen.

Frankfurt - Beim Europapokalspiel von Eintracht Frankfurt kommt es zu zwei umstrittenen Polizeieinsätzen, die für einige Diskussionen sorgen. Verein und Fans bezweifeln die Verhältnismäßigkeit.

Update, 24. März: Bei dem Polizeieinsatz vor dem Spiel gegen Donezk erlitt ein Fan einen Lendenwirbelbruch, nachdem ihn Polizisten attackiert und über eine Bande gestoßen hatten. Wie die Hessenschau nun berichtet, hat der Fan inzwischen Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Daraufhin hat die Polizei den Mann wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt. Ein Video der Szene hat der hessische SPD-Landtagsabgeordnete Marius Weiß auf Twitter veröffentlicht:

Update, Montag, 25. Februar: Knapp vier Tage nach dem umstrittenen Einsatz der Polizei beim Europapokalspiel von Eintracht Frankfurt gegen Donezk hat der Frankfurter Polizeipräsident das Vorgehen der Beamten verteidigt. Mittlerweile haben mehr als 3000 Menschen eine Online-Petition unterschrieben, in der Hessens Innenminister Peter Beuth zum Rücktritt aufgefordert wird.

In zahlreichen Stadien von der Bundesliga bis zur Regionalliga solidarisierten sich derweil am Wochenende die Fans anderer Vereine mit den Anhängern von Eintracht Frankfurt und protestierten gegen die Polizei und den hessischen Innenminister. Auch die Fans des FC Magdeburg hielten ein Banner in die Höhe, auf dem das laut Frankfurter Polizei beleidigende F-Wort stand.

Angeblich wegen eines unglücklichen Zitats von Vereinspräsident Fischer vermutete die Polizei, dass Eintracht-Fans planten, Pyrotechnik abzubrennen. Auch wenn Peter Fischer seine Aussagen später klarstellte, ließ sich die Staatsmacht nicht davon abbringen, wenige Stunden vor Spielbeginn die Kurve und Räumlichkeiten der Ultras zu durchsuchen. Damit brachte die Polizei die Fans gegen sich auf und störte die Vorbereitungen für die Europapokal-Choreographie. Mit einem beleidigenden Banner wollten die Ultras gegen die Polizeiaktion protestieren, Beamte beschlagnahmten es jedoch unter Einsatz von Gewalt. Zwei Fans sollen dabei schwer verletzt worden sein.

Daraufhin brachen die Fans ihre geplante Choreo ab, Fanvertreter und auch der Verein kritisierten die Polizeiaktion scharf. Am heutigen Samstag solidarisierten zahlreiche Fans anderer Vereine, die Fan-  und Förderabteilung der Eintracht hatte bereits am Freitag unter dem Titel "Innenminister Beuth: wenn Inkompetenz zur Gefahr wird" eine Stellungnahme veröffentlicht, deren Wortlaut wir hier wiedergeben:

Ganz Frankfurt feiert den Einzug der Eintracht in das UEFA Europa League-Achtelfinale. Ganz Frankfurt hat sich gestern wieder einmal großartig präsentiert, angefangen bei der Mannschaft mit ihrer unfassbaren sportlichen Leistung bis hin zum Publikum, das das Stadion mit – selbst in Frankfurt – nur selten gehörter Lautstärke in einen wahren Hexenkessel verwandelte.

Ganz Frankfurt? Nein, leider nicht. Leider gab es doch noch eine Institution, die sich auch an diesem Tag von ihrer schlechtesten Seite präsentierte und bei vielen Eintrachtlern für Wut und Kopfschütteln sorgte: Die Rede ist von der Frankfurter bzw. hessischen Polizei. Deren oberster Dienstherr Peter Beuth hat gestern und heute wieder einmal den Beweis angetreten, eine völlige Fehlbesetzung auf dem Posten des Innenministers zu sein. Die gestern angeordnete und durchgeführte Durchsuchung der gesamten Nordwestkurve sowie des Fahnenraums der Ultras sind der vorläufige Höhepunkt einer besorgniserregenden Entwicklung, die untrennbar mit dem Namen des aktuellen hessischen Innenministers verbunden ist.

Peter Beuth ist offenbar der Auffassung, er könne seiner eigenen Politikerkarriere einen Schub verleihen, indem er sich populistisch als law-and-order-Mann inszeniert. Ein solches Image möchte er mit einem harten Durchgreifen gegen die aktive Fanszene von Eintracht Frankfurt erlangen. Sein gespaltenes Verhältnis zum Rechtsstaat und sein eigenwilliges Verständnis von Verhältnismäßigkeit hat Beuth schon mehrfach zur Schau gestellt; etwa als er das von der Frankfurter Fanszene erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht bekämpfte Betretungsverbot für die Stadt Darmstadt verteidigte, oder kürzlich, als er allen Ernstes Haftstrafen für das Abbrennen von Bengalos forderte.

Auch heute, am Tag nach dem Donezk-Spiel, hatte Beuth einen sehr skurrilen Presseauftritt. Die gestrige Durchsuchung des Stadions sei zum Schutz der Besucher „notwendig und angemessen“ gewesen… Eine Durchsuchung, bei der wohlgemerkt absolut nichts aufgefunden wurde, kein pyrotechnischer Gegenstand, keine Waffen und auch keine als Waffe zu missbrauchenden Gegenstände. Nichts, gar nichts haben die Beamten bei der angeblich so „notwendigen und angemessenen“ Durchsuchung gefunden. Was im Übrigen niemanden überrascht, der sich – anders als offenbar Minister Beuth – auch nur halbwegs für Eintracht Frankfurt interessiert und wenigstens etwas die Entwicklungen rund um die Fanszene verfolgt. Jeder wusste genau, dass bei den Spielen gegen Donezk keinerlei Abbrennen von Pyrotechnik drohte. Die Geschehnisse beim Spiel in Rom und die daraufhin verhängte UEFA-Strafe (also der Zuschauerausschluss auf Bewährung) waren in allen Köpfen präsent und in der Fanszene breit diskutiert worden. Von einem Innenminister sollte man erwarten dürfen, dass er seinen Einsatzbefehlen eine realistische Einschätzung der Gefährdungslage zu Grunde legt. Dazu ist Peter Beuth jedoch aufgrund seiner offensichtlichen Ahnungslosigkeit nicht in der Lage.

Es gibt vieles, was Minister Beuth an Eintracht Frankfurt missfällt. Zum Beispiel, das die Fanszene, bei all ihrer Unterschiedlichkeit, bei wichtigen Dingen und Fragen stets zusammenhält. Und dass die Fanszene insgesamt auch mit dem Verein im steten Austausch und Dialog steht. Dialog, Deeskalation, Vertrauen, Konsensfindung – all das gibt es nicht in der Welt des Peter Beuth. All das ist ihm höchst suspekt.

Sehr geehrter Herr Minister Beuth, am besten wäre es, Sie würden zurücktreten. Oder Sie würden wenigstens bei der Planung von polizeilichen Einsätzen bei Fußballspielen auf Menschen hören, die sich mit der Sache auskennen, und insbesondere die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt miteinbeziehen. Aber solange Sie, weder das eine noch das andere tun, wollen wir Ihnen sagen: Es wird Ihnen nicht gelingen, die Fanszene der Eintracht zu spalten. Aktionen wie das gestrige Verhalten ihrer Beamten und ihre heutigen peinlichen Rechtfertigungsversuche bringen auch die gemäßigten Fans gegen die Polizei auf. Wir werden unseren Weg weitergehen. Unseren Weg des gemeinsamen Dialogs, des Vertrauens, des Zusammenstehens und des steten Versuchs einer Konsensfindung. Wir sind alles Frankfurter Jungs (und Mädels), und das werden wir auch dann noch sein, wenn Ihre Amtszeit einmal zu Ende ist, Herr Minister Beuth!

Eintracht Frankfurt schießt sich ins Euro League-Achtelfinale: Bilder

Zahlreiche Fans anderer Mannschaften in der ersten und zweiten Liga haben am darauf folgenden Spieltag (23./24. Februar) reagiert und sich mit den Anhängern von Eintracht Frankfurt solidarisiert. Bei den Spielen ihrer Vereine zeigten die Fans von Union Berlin, Eintracht Braunschweig, Dynamo Dresden, Bayern München, VfL Bochum und SV Babelsberg Banner, auf denen die Polizei und der hessische Innenminister beschimpft wurden.

In den sozialen Medien muss die Frankfurter Polizei seit dem Einsatz einen massiven Shitstorm über sich ergehen lassen. Die nahezu einhellige Meinung fast aller Nutzer: Der Einsatz war unverhältnismäßig und übertrieben. Inzwischen ist gar eine Online-Petition ins Leben gerufen worden, in der Unterschriften für einen Rücktritt Beuths gesammelt werden. (nb)

Pyrotechnik und Protestbanner

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