„Provokante Äußerungen nerven“

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Heribert Bruchhagen

Belek/Türkei ‐ Eine Woche frühlingshafte Temperaturen, Sonnenschein und beste Arbeitsbedingungen - die Frankfurter Eintracht hätte sich keinen besseren Trainingsort aussuchen können als die türkische Mittelmeerküste bei Belek. „Wir gehen gut vorbereitet in die Rückrunde“, hat Trainer Michael Skibbe gesagt. Von Peppi Schmitt

Der Optimismus aber, der guten Vorrunde eine ebenso gute Rückrunde folgen zu lassen, hält sich in engen Grenzen. Der Trainer selbst hat mit seiner indirekten Rücktrittsdrohung und den erneuten Vorwürfen an die Adresse des Vorstandes ganz am Ende des Trainingslagers für mächtige Unruhe gesorgt.

Als die Eintracht gestern Nachmittag von Antalya nach Frankfurt zurückkehrte, war nicht nur das Wetter schlechter geworden, sondern auch die Stimmung. Vorstandschef Heribert Bruchhagen hatte sich in Frankfurt verärgert über den Trainer geäußert. „Ich habe keinerlei Verständnis für seine provokativen Äußerungen, die er immer wieder in der Öffentlichkeit macht, das nervt“, sagt Bruchhagen.

Trainer hat offenbar Bammel vor der Rückrunde

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Der Trainer wurde für heute Mittag zu einer Vorstandssitzung einbestellt. „Wir haben ihn eingeladen“, sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen vorsichtig. Skibbe versuchte am Tag danach, seiner Kritik ein wenig an Sprengkraft zu nehmen. Er habe mit seinen Worten lediglich den unterschiedlichen Leistungsstand der Mannschaft nach der Sommer - und der Wintervorbereitung darstellen wollen. „Die Bedingungen haben sich deutlich verschlechtert“, sagt Skibbe, der dem Gespräch mit dem Vorstand gelassen entgegensieht. Er erwartet keine Sanktionen, und er denkt nicht an Rücktritt.

Der Trainer hat ganz offenbar Bammel vor der Rückrunde, die schon in ein paar Tagen mit dem Heimspiel gegen Werder Bremen beginnt. Die erhofften Verstärkungen sind ausgeblieben, stattdessen geht die Mannschaft wegen der schweren Verletzungen von Zlatan Bajramovic und Aleksandar Vasoski und des Transfers von Markus Steinhöfer geschwächt ins neue Jahr. „Der Substanzverlust ist hoch, wir sind sehr gehandicapt“, sagt Skibbe und baut damit möglichen sportlichen Rückschlägen vor.

Fünf Spieler für die Vierer-Abwehrkette

Viel Auswahl hat der Trainer tatsächlich nicht mehr. Nur im Tor hat er die Qual der Wahl. Dass Oka Nikolov die Nummer eins bleiben wird, war nach dessen guten Leistungen klar. Markus Pröll hat sich mit seiner schnellen Rückkehr nach einer schweren Schulteroperation und eindrucksvollen Leistungen im Trainingslager wohl den Platz auf der Bank erkämpft. „Ich will noch einmal angreifen“, hat Pröll angekündigt. So etwas gefällt dem Trainer, der dann auch nicht auf vertragliche Situationen Rücksicht nehmen will. Dass Pröll im Sommer wohl geht, spiele bei seiner Entscheidung keine Rolle, sagt Skibbe. Die beiden jungen Torhüter Ralf Fährmann und Jan Zimmermann werden sich die Bundesliga zunächst wohl von der Tribüne aus anschauen müssen und Spielpraxis nur in der Regionalliga sammeln.

Für die Vierer-Abwehrkette stehen gerade noch fünf Spieler zur Verfügung. Franz-Russ-Chris-Spycher heißt die Stammformation. Für den wieder einmal schwächelnden Marco Russ könnte Sebastian Jung zum Auftakt ins Team kommen, Maik Franz würde dann in die Innenverteidigung wechseln. Für den Notfall hat Skibbe in Christoph Preuß noch eine weitere Option. Viel mehr Möglichkeiten stehen dem Trainer nicht zur Verfügung. Kaum besser sieht es im Vierer-Mittelfeld aus. Patrick Ochs und Pirmin Schwegler haben ihre Plätze sicher, Selim Teber wohl auch, Benjamin Köhler gehört zum Stamm, auch Caio. Weitere Alternativen? Auch hier Preuß, dahinter drängt sich kaum einer auf. Und vorne? Nikos Liberopoulos und Alexander Meier, weniger geht nicht.

Die vielen Ausfälle und die geplatzten Transfers werden deshalb die Chance der Jungen sein. Marcel Titsch-Rivero, Marcos Alvarez und Juvhel Tsoumou haben sich in Belek näher herangearbeitet. „Sie werden Einsätze bekommen“, sagt der Trainer, wohl wissend, dass weitere Ausfälle mit kleineren und größeren Verletzungen oder Sperren gar nicht ausbleiben können.

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