Eintracht Frankfurt

„Richtig unangenehmer Tag“ für die Eintracht

Bedröppelt in Gladbach: Die Eintracht Profis Makoto Hasebe, Torwart Kevin Trapp, Tuta und Aymen Barkok (von links) bei der 0:4-Pleite
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Bedröppelt in Gladbach: Die Eintracht Profis Makoto Hasebe, Torwart Kevin Trapp, Tuta und Aymen Barkok (von links) bei der 0:4-Pleite

Ausgerechnet in Gladbach! Das 0:4 beim zukünftigen Club von Eintracht-Coach Hütter sorgt in Frankfurt natürlich für Diskussionen. Die Symbolkraft der Niederlage ist Spielern und Trainer durchaus bewusst

Frankfurt – Es ist gerade eine Woche her, da schien die Frankfurter Eintracht nach den Siegen gegen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg so stabil, dass sich niemand mehr einen wirklichen Einbruch hätte vorstellen können. Seit Samstag ist das anders. Das 0:4 (0:1) bei Borussia Mönchengladbach war das bittere, womöglich sogar logische Ende einer Woche mit vielen selbst verschuldeten Erschütterungen.

Der endgültige Abschied von Sportvorstand Fredi Bobic, die Bekanntgabe des Weggangs von Trainer Adi Hütter, das unwürdige Schauspiel um die Verhandlungen mit Ralf Rangnick, all dies hat die Harmonie und Geschlossenheit der letzten Monate erheblich gestört. Die Mannschaft hat darauf mit der schlechtesten Leistung des Jahres reagiert. Alles nur Zufall?

Trainer Hütter sah „überhaupt keinen Zusammenhang“ mit seinem bevorstehenden Abgang. „Ich habe nicht einmal das Gefühl gehabt, dass ich in der nächsten Saison auf der anderen Seite stehe“, sagte er, „in Summe war das ein richtig unangenehmer Tag.“ Sportchef Bobic wären Argumentationen in dieser Richtung „viel zu oberflächlich“. Aber natürlich könnten sich Kritiker nun „den Mund zerreißen“. Die Spieler reagierten genauso eindeutig. Kevin Trapp beantwortete die Frage nach einem Zusammenhang mit dem Abschied des Trainers, schon bevor sie überhaupt gestellt worden war mit einem klaren „Nein“. Er räumte allerdings ein, dass es schwere Tage gewesen seien unter der Woche. „Es ging allen nicht gut“, sagte er, „aber das sind Entscheidungen, die immer wieder vorkommen. Ich glaube nicht, dass der Verein jetzt auseinanderbricht.“

Er habe volles Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Klubs. Trapp: „Ich weiß, dass wir Verantwortliche haben, die einen guten Job machen und die richtigen Entscheidungen treffen werden.“ Sebastian Rode sieht mit der schwachen Leistung zwar „Wasser auf die Mühlen der Kritiker“, vertritt aber die gleiche Meinung wie seine Kollegen. Es sei „viel zu einfach“ einen Zusammenhang mit Hütter herzustellen.

Die Fans sehen das zu großen Teilen anders. Viele gingen in den Internet-Foren des Vereins gar so weit, die sofortige Freistellung des Trainers zu fordern. Das wird natürlich nicht passieren. „Wenn man gegen Mönchengladbach nicht verlieren kann, dann verstehe ich die Welt nicht mehr“, hat der sichtbar getroffene Frankfurter Trainer gesagt. Da hat Hütter natürlich Recht, denn schließlich war es ja auch erst die vierte Niederlage in der gesamten Saison und immer noch hat die Eintracht einen ordentlichen Vorsprung auf Borussia Dortmund.

Die Verteidigung nach dem Spiel hatte jedenfalls deutlich besser geklappt als die Verteidigung auf dem Rasen. Nur in München beim 0:5 hatte die Eintracht mehr Gegentore hinnehmen müssen. „Mir ist es aber lieber, wenn alles an einem Tag zusammenkommt und nicht auf vier Spiele verteilt“, versuchte Rode noch einen positiven Aspekt nach dem Debakel zu finden. Die Selbstkritik fiel deutlich aus. „Aggressivität, Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft“ hätten komplett gefehlt, stellte Bobic fest, „es war ein gebrauchter Tag.“ Der Trainer konnte sich nicht so recht erklären, was da passiert war, sei die Mannschaft doch vor dem Spiel „sehr fokussiert“ gewesen. Das war offenbar ein Irrtum. „Wir haben nicht das gespielt, was wir können“, so Hütter. Alle Frankfurter waren schwächer.

Das mentale Versagen hatte beim Torhüter begonnen. Kevin Trapp hatte den Gladbachern den zweiten Treffer geschenkt, als er den Ball nach einem Schuss von Jonas Hofmann durch die Hände gleiten ließ. „Das Spiel ist durch meinen Fehler endgültig gekippt“, sagte der Nationalspieler, „es tut mir leid für die Mannschaft.“ Die Abwehr kam mit den Gladbachern nicht zurecht. Tuta, Stefan Ilsanker, auch Evan Ndicka wirkten verunsichert. Im Mittelfeld liefen Rode und Djibril Sow meistens hinterher. Die Außen Erik Durm und Filip Kostic wirkten bemüht, mehr nicht. Die hochgelobte Offensive mit Daichi Kamada, Luka Jovic und André Silva war abgemeldet. „Das Feuer, das uns die gesamte Saison über ausgezeichnet hat, hat uns gefehlt“, legte Djibril Sow den Finger in die Wunde, „wir haben uns ein wenig einschläfern lassen und deshalb nie zu unserem Spiel gefunden.“ Also doch kein Zufall. (Von Peppi Schmitt)

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