Eintracht Frankfurt

Riesenenttäuschung bei der Eintracht: „Es gibt nichts schön zu reden“

Extrem ärgerlich: Timothy Chandler (rechts) hadert mit dem Auftritt bei der 3:4-Niederlage auf Schalke.
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Extrem ärgerlich: Timothy Chandler (rechts) hadert mit dem Auftritt bei der 3:4-Niederlage auf Schalke.

Die Blamage auf Schalke hat Eintracht Frankfurt seiner Champions-League-Hoffnungen beraubt und den Klub in seinen Grundfesten erschüttert. Nicht wenige Fans setzen das Scheitern in den vergangenen Wochen mit der verlorenen Meisterschaft 1992 in Rostock gleich.

Frankfurt – Wird das Rostock-Trauma zum Schalke-Trauma? Auch wenn das etwas übertrieben erscheint, hat die 3:4 (1:1)-Niederlage beim Absteiger noch einmal allen vor Augen geführt, wie fahrlässig Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter den Erfolg des Vereins auf dem Altar ihrer persönlichen Interessen geopfert haben. „Wir haben eine historische Chance verspielt, wir haben sportlich versagt und uns blamiert“, wurde Vorstandssprecher Axel Hellmann deutlich. Die Versuche von Trainer und Sportvorstand, den fünften Platz als Erfolg zu verkaufen, könne er wie sein Vorstandskollege Oliver Frankenbach nicht teilen. „Ja, natürlich ist ein fünfter Platz für die Eintracht immer ein sehr gutes Ergebnis“, sagte er, „aber nicht, wenn man mit Spielen gegen Mainz, Schalke und Freiburg die Chance hat, die Champions League aus eigener Kraft zu erreichen. Da gibt es nichts schön zu reden.“

Seit Hütters angekündigtem Abschied nach Mönchengladbach haben die Frankfurter nur noch vier von fünfzehn Punkten geholt und Dortmund vorbeiziehen lassen müssen. „Die ganze Mannschaft samt Trainer hat versagt“, sprach mit Sebastian Rode auch ein erster Spieler Klartext, „dass es was mit dem Abschied vom Trainer zu tun hat, ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn wir uns immer eingeredet haben, es belastet uns nicht.“

Auch Kollege Timothy Chandler entgegnete auf die Frage, ob dies eine Rolle gespielt habe: „Eine Rolle? Natürlich ist das ein Nebeneffekt…“ Sky-Experte Didi Hamann wurde deutlicher: „Hätte Hütter sich anders entschieden, wäre die Eintracht sicher in die Champions League gekommen. Es ist gut für ihn, dass keine Zuschauer in den Stadien sind.“

Bei den Fans haben Sportvorstand und Trainer jeden Respekt verloren, die allermeisten hätten sich eine vorzeige Trennung gewünscht. Aber Bobic wird Hütter sicher nicht entlassen. Zumal er sich selbst frei von Schuld sieht. „Ich habe nie einen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft gesehen“, so Bobic, „meine Person geht weiter, der Trainer geht woanders hin. Das wird in Zusammenhang gebracht. Das ist aus meiner Sicht sehr billig.“

Die Verteidigung von Trainer und Sportvorstand war nach dem Debakel auf Schalke so löchrig wie die der Mannschaft auf dem Platz. Beide betonten, dass auch Platz fünf ein großer Erfolg sei. „Dafür müssen wir uns nicht schämen“, sagte Bobic. Kein Wort der Selbstkritik, wie leichtfertig der viel größere Erfolg verspielt wurde.

Dem Trainer dämmert, welchen Schaden er angerichtet hat. „Es war nicht mehr so, wie es vorher war“, räumte Hütter ein, „natürlich ist etwas passiert. Dass die Enttäuschung nach der Verkündung da war, verstehe ich auch. Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, dass ein großer Zusammenhang besteht.“

Das Spiel bei den Schalkern, die mit einer halben Reserve antreten mussten, hat jedoch die Auswirkungen gezeigt: Aus selbstbewussten Profis sind verunsicherte Fußballer geworden. Der Trainer hat keine Leidenschaft mehr entfachen können und während des Untergangs viel zu spät reagiert. So hätte Tuta viel früher durch Stefan Ilsanker ersetzt werden müssen. Irgendwann hat Hütter das Team verloren.

Anders ist eine Leistung wie auf Schalke nicht zu erklären. Auch die Spieler müssen sich an die eigene Nase fassen. Die Leidenschaft und der Teamspirit waren ebenso weggeblasen wie die spielerischen Fähigkeiten. Tuta und Ndicka, trotz seines Tores zum zwischenzeitlichen 2:1, waren von der Rolle. Martin Hinteregger hat Zweikampfhärte gefehlt. Wann hat es das schon mal gegeben? Daichi Kamada war wieder einmal als Spaziergänger unterwegs. Der fleißige Djibril Sow lief den Gegnern nur hinterher, Filip Kostic wirkte komplett lustlos. Und: Die Defensivleistung der gesamten Mannschaft war desaströs.

Innerhalb von 13 Minuten ließen die Frankfurter drei Gegentore zu. „Dafür gibt es keine Entschuldigung“, sagte Rode. „Wir haben in den vergangenen Wochen nicht mehr unsere Hausaufgaben gemacht, das geht so nicht“, sagte Chandler. Wenigstens bei einigen Spielern hat es nicht an Selbstkritik gefehlt. (Von Peppi Schmitt)

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