Die Ruhe vor dem Sturm?

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Unzertrennlich? Trainer Michael Skibbe (links) und Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

Frankfurt (sp) ‐ Gestern war vorübergehend Ruhe eingekehrt bei Eintracht Frankfurt. Zwei Tage nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli, das trotz des ersten Sieges im Jahr 2011 mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben hat, gab es keine neue Entwicklung in der Trainerfrage.

Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hatte sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Bleibt die Frage, ob dies nur die Fortsetzung der „Politik der ruhigen Hand“ ist oder die Ruhe vor dem Sturm? Heute trifft sich der Vorstand der Eintracht, dem neben Bruchhagen noch Finanzchef Dr. Thomas Pröckl und Klaus Lötzbeier angehören, zu seiner wöchentlichen Sitzung. Erst dann steht fest, wer Trainer der Eintracht in den letzten sieben Saisonspielen sein wird. Michael Skibbe hatte seinen Spielern nach dem Sieg gegen St. Pauli zwei Tage freigegeben, heute um 11 Uhr wird wieder trainiert.

In Entscheidungsfindung hin- und hergerissen

Bruchhagen scheint in seiner Entscheidungsfindung hin- und hergerissen zwischen grundsätzlichen Erwägungen und Zukunftszweifeln. Gerne würde er mit Skibbe weitermachen und damit seiner ureigensten Überzeugung folgen, dass Trainerwechsel nicht wirklich hilfreich sind. Auch würde er gerne weiter beweisen, dass ausgerechnet Frankfurt im aktuellen „Tollhaus Bundesliga“ ein Hort der Ruhe und Vernunft ist. Andererseits sieht Bruchhagen die Gefahr, dass die Eintracht den vierten Abstieg (nach 1996, 2001 und 2004) nicht verhindern kann, wenn sich nicht einschneidende Dinge ändern. Daher muss der Eintracht-Chef die Frage beantworten, ob es diese Änderungen unter dem aktuellen Trainer geben kann. „Ich muss gut überlegen und mir in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, was für Eintracht Frankfurt gut ist“, hat er am Sonntag gesagt, „ich muss das erst mal sacken lassen.“

Bruchhagen wurde nie eine wichtige Personalentscheidung verweigert

Wie blank die Nerven trotz des ersten Sieges liegen, haben die teilweise heftigen Formulierungen in den Medien gezeigt. Auch der sonst so zurückhaltende Bruchhagen soll verbal entgleist sein und einem Bericht der „Bild“ zufolge die Skibbe-Kritiker beschimpft haben: „Die haben doch alle einen Vogel und nicht alle Latten am Zaun.“ Einige würden nur auf Skibbes Entlassung „geiern“, andere wollten nur handeln, um des Handelns Willen. Viele Mitglieder des Aufsichtsrates, allen voran dessen neuer Vorsitzender Dr. Wilhelm Bender, werden das nicht gerne gehört haben. Denn im höchsten Gremium des Klubs hat man sich zuletzt durchaus kritisch mit dem Auftreten der Mannschaft und der Arbeit des Trainers auseinandergesetzt. Bruchhagen hatte sich dabei immer wieder schützend vor Skibbe gestellt.

Die letzte Entscheidung über die Besetzung des Trainerpostens obliegt alleine dem Vorstand und hier im speziellen dem Vorstandschef. Der Aufsichtsrat würde sich einem Trainerwechsel, der wegen des finanziellen Volumens genehmigungspflichtig wäre, wohl ebensowenig widersetzen wie einer Trainerbestätigung. Seit seinem Amtsantritt im Dezember 2003 wurde Bruchhagen nie eine wichtige Personalentscheidung verweigert.

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