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Bruchhagen bedauert Reservistenrolle von Jung und Rode

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Von: Peppi Schmitt

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Am Samstag bestreitet die SGE ihre Heimpremiere gegen den FC Augsburg © Symbolbild: dpa

Frankfurt - Ein Blick auf ehemalige Spieler der Eintracht zeigt, dass längst nicht alle große Chancen auf einen Stammplatz bei ihrem neuen Club haben. In Sachen Neuverpflichtungen machte Hans-Joachim Watzke indes klar, dass Kevin Großkreutz nicht ablösefrei zu haben sein wird. Von Peppi Schmitt

Es war am letzten Sonntag, so zehn Minuten nach dem Abpfiff, da ging Sebastian Jung in die Kabine der Frankfurter Eintracht. Der ehemalige Frankfurter, seit einem Jahr beim VfL Wolfsburg unter Vertrag, hat den alten Kameraden nach dem ersten Bundesligaspiel der Saison einen Besuch abgestattet. Jung kam in zivil, nachdem er zuvor 90 Minuten von der Tribüne aus das Geschehen zwischen seinem ehemaligen und seinem aktuellen Arbeitgeber beobachtet hatte. Auch im dritten Pflichtspiel der Saison, nach dem Supercup gegen Bayern München und dem Pokal bei den Stuttgarter Kickers, hatte Jung (25) nicht dem Aufgebot der „Wölfe“ angehört. Kaum besser geht es seinem früheren Frankfurter Mannschaftskollegen in München.

Sebastian Rode (24) ist bei den Bayern auch nur noch Ersatz für die Ersatzspieler. In den drei Pflichtspielen der Bayern, Supercup in Wolfsburg, Pokal in Nöttingen und nun Bundesliga gegen den HSV hat er keine Minute auf dem Platz gestanden, nur im Pokal war er überhaupt im Aufgebot. Nicht nur Heribert Bruchhagen findet diese Entwicklung im Sinne des ganzen deutschen Fußballs fatal. „Es ist bedauerlich, das Spieler wie Rode und Jung, die mit 24 und 25 Jahren im besten Fussballalter sind, noch nicht einmal im Kader in ihren Vereine sind“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht.

Harte Konkurrenz für Jung und Rode

Und das habe zunächst einmal nichts mit der Situation der Eintracht zu tun, sondern vor allem mit jener der Spieler. Vor einem Jahr waren Sebi Jung unter Nutzung einer Ausstiegsklausel und Seppl Rode nach Ablauf seines Vertrages gegangen, die Eintracht hatte das hinnehmen müssen. Für Jung hatte sie immerhin noch eine Ablösesumme von drei Millionen Euro erhalten, für Rode nichts. Die Frankfurter haben sich längst damit abgefunden, dass sie Spieler dieser Klasse auf Dauer nicht halten können. In diesem Jahr ist der famose Torwart Kevin Trapp trotz eines gerade verlängerten Vertrages gegangen, für neun Millionen Euro nach Paris. Aber, und das ist der feine Unterschied, Trapp spielt regelmäßig, Jung und Rode wenig oder gar nicht. „Wären sie zum Beispiel noch bei uns, würden sie zur Verbesserung des Kaders beitragen und damit für die Eintracht die Chancen erhöhen, um gegen Topteams wie Bayern und Wolfsburg zu bestehen“, argumentiert Bruchhagen im Sinne des Fußballs. Grundsätzlich würde dies dafür sorgen, „dass der Wettbewerb wieder enger zusammenrückt und die Bundesliga spannender wird."

Doch Jung und Rode stehen bei den beiden sportlich besten und wirtschaftlich potentesten Klubs in einem gnadenlosen Konkurrenzkampf, den sie, Stand heute, nicht gewinnen können. In Wolfsburg hat sich Trainer Dieter Hecking längst für den Portugiesen Vierinha als rechten Verteidiger entschieden und auch Christian Träsch steht in der internen Rangfolge noch vorm Ur-Frankfurter Jung. In München hat man Rode nach einem wirklich guten ersten Jahr mit erstaunlichen 23 Bundesligaeinsätzen nun weitere neue Spieler vor die Nase gesetzt. Nicht nur den Superstar Arturo Vidal, sondern auch den talentierten Joshua Kimmich aus Leipzig. Und mit dem Spanier Thiago ist ein absoluter Lieblingsspieler von Pep Guardiola nach langer Verletzung zurückgekehrt. Für die beiden ehemaligen Frankfurter sind Stammplätze bei ihren Klubs fast genauso weit entfernt wie Plätze im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft. Und genau diesem Ziel wollten sie mit ihren Wechseln ja eigentlich näher kommen.

Dass die Eintracht gerade Jung gerne wieder in Trikot mit dem Adler sehen würde, ist kein Geheimnis. Aber das scheint zumindest in dieser Transferperiode unmöglich. „Wolfsburg lässt ihn nicht gehen, deshalb ist es kein Thema mehr“, hat gerade erst Trainer Armin Veh gesagt. Frühestens im Winter wollen die Frankfurter einen neuen Vorstoß wagen. Eine Rückholaktion von Rode wird nicht einmal in Frankfurt für möglich gehalten. Längst hat sich der ehemalige Offenbacher, sportlich wie wirtschaftlich, weit von Niveau eine Mittelklasseklubs, wie es die Eintracht ist, entfernt. Allerdings hilft ihm das auch nicht, wenn er denn wenig bis gar nicht spielen kann.

Großkreutz nicht ablösefrei zu haben

Die Frankfurter müssen in jedem Fall andere Wege gehen. Sie denken aktuell über den Dortmunder Kevin Großkreutz nach, müssen aber erste einen anderen Spieler abgeben, um konkrete Schritte einleiten zu können. „Großkreutz ist kein uninteressanter Spieler“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner gegenüber der FAZ, „und er findet die Eintracht interessant.“ Auf finanzielle Zugeständnisse seitens Dortmund brauche man allerdings nicht zu hoffen. Das machte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke heute deutlich: „Jeder Club auf dieser Welt sollte sich im Klaren sein: Wer einen Spieler von Borussia Dortmund verpflichten will - das ist ja legitim - und glaubt, dass man ihn ohne Ablöse bekommt, der träumt. Das wird es überhaupt nicht geben“.

Trainer Veh verkneift sich zu dieser Personalie jeden Kommentar, bastelt weiter daran, die aktuell größte Baustelle, links draußen im Mittelfeld, mit internen Mitteln zu schließen. Nach Takashi Inui, Luca Waldschmidt und Joel Gerezgiher, die in Wolfsburg nacheinander und teilweise nebeneinander die Chance bekommen hatten, auf sich aufmerksam zu machen, war nun im Training Vaclav Kadlec dran. So richtig entschlossen wirkte der tschechische Nationalspieler dabei aber nicht. „Vaclav kann das“, glaubt der Trainer, „er hat es auch in der tschechischen U 21 schon gespielt.“ Die nächsten beiden Tage werden zeigen, für wen sich der Frankfurter Trainer im ersten Heimspiel der Saison, am Samstag gegen den FC Augsburg, entscheidet.

Bilder vom letzten Bundesligaspiel gegen Augsburg

Verzichten muss die Eintracht gegen die Augsburger Europa-League-Teilnehmer auf Marc Stendera, dessen Muskelverletzung im Oberschenkel inzwischen als Muskelfaserriss diagnostiziert wurde. Trotz der Auftaktniederlage verspürt der Frankfurter Coach keinen besonderen Druck. „Wir dürfen uns nicht jetzt schon verrückt machen“, sagt Veh, „trotzdem ist es natürlich ein wichtiges Spiel, es ist Profifußball und wir brauchen Ergebnisse.“

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