Torwart Hradecky und Sänger Forster bescheren der Eintracht Millionen

Tawatha und Seferovic: Die Helden aus der zweiten Reihe

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Hannover/Frankfurt - Was haben Lukas Hradecky (27), der Fußball-Torwart, und Marc Forster (33), Sänger und Songwriter, gemeinsam? Sie haben die Frankfurter Eintracht glücklich gemacht. Von Peppi Schmitt

Der eine am späten Mittwochabend um kurz vor halb elf, als er einen Elfmeter von Salif Sané abwehren konnte und die Frankfurter damit ins Viertelfinale des DFB-Pokal rettete. Der andere, als er kurz nach Mitternacht in der von der ARD unsäglich lange hinausgezögerten Pokalauslosung als nächsten Gegner in diesem Viertelfinale (28. Februar/1. März) ein Heimspiel gegen den einzig verbliebenen Zweitligisten Arminia Bielefeld zuloste. Es ist das absolute Traumlos für die Frankfurter, die mit dem Sieg von Hannover 1,2 Millionen Euro sicher haben und bei einem Einzug ins Halbfinale weitere 2,6 Millionen Euro an TV-Geld plus die geteilten Zuschauereinnahmen verdienen könnten. Schon gleich nach der Auslosung haben Trainer und Sportvorstand damit begonnen, die Sinne zu schärfen. „Die große Gefahr ist, dass man einen Gegner zu leicht nimmt“, mahnte Niko Kovac. „Bielefeld ist ein ernstzunehmender Gegner“, sagte Fredi Bobic. Die Arminia hatte sich im Elfmeterschießen beim Viertligisten Astoria Walldorf durchgesetzt.

Doch wie man es auch dreht und wendet, so nahe wie jetzt waren die Frankfurter dem Endspiel in Berlin schon seit elf Jahren nicht mehr. Zwei Siege noch und das Finale ist erreicht. Über Bielefeld war die Eintracht schon einmal ins Endspiel eingezogen. Am 11. April 2006 hatte das Team zu Hause vor 50.000 Zuschauern das Halbfinale gegen die Arminia mit 1:0 gewonnen (Torschütze: Ionannis Amanatidis), diesmal ist es das Viertelfinale.

Parade mit Vorgeschichte

Zu verdanken haben die Frankfurter diese nun auch im Pokal prächtigen Aussichten ihrem Torwart. Der „fliegende Finne“ wehrte in der sechsten Minute der Nachspielzeit einen Elfmeter von Sané ab. „Ich wollte pünktlich nach Hause“, sagte Hradecky, der bei Eiseskälte eiskalt geblieben war. Es war eine Parade mit Vorgeschichte. Denn die Frankfurter waren auch diesmal wieder auf den Elfmeterschützen gut vorbereitet. Es war genau dieser Sané, der in der ersten DFB-Pokalrunde in Offenbach in letzter Minute der Verlängerung per Elfmeter den 3:2-Siegtreffer für Hannover gegen die Offenbacher Kickers erzielt hatte. Eintracht-Videoanalyst Marcel Daum hatte das noch auf dem Schirm, über Torwarttrainer Moppes Petzt war die Info schon vor dem Spiel zu Hradecky gelangt. Sané schoss damals ins linke Torwarteck. „Und diesmal wieder“, sagte Hradecky, der sich immer mehr zum Elfmeterspezialisten entwickelt. In der ersten Pokalrunde hatte Magdeburg beim Elfmeterschießen den Ball bei sechs Versuchen nur dreimal im Tor untergebracht, beim Elfmeterschießen gegen Ingolstadt in der zweiten Runde hatten die Gäste zweimal verfehlt. Und jetzt eben das Elfmeterschießen-„light“, wie Trainer Niko Kovac das dramatische Ende beschrieb. In der Bundesliga wurde Hradecky auch nur bei drei von sieben Strafstößen bezwungen.

„Ich wollte der Mannschaft nach Leipzig etwas zurückbezahlen“, sagte er später. Zu Jahresbeginn war Hradecky nach einem schweren Fehler wegen eines dummen Handspiels außerhalb des Strafraums nach drei Minuten vom Platz geflogen, hatte so die 0:3-Niederlage eingeleitet. Jetzt hat der unlängst von den eigenen Fans zum beliebtesten Spieler des letzten Jahres gewählte finnische Nationaltorwart diesen Patzer wieder wett gemacht. „Manchmal ist man der Anti-Held, manchmal der Held“, sagte er lapidar. Ähnlich unaufgeregt sah es auch Sportvorstand Bobic. „Er steht ja im Tor damit er auch mal einen hält“, sagte er mit einem breiten Lächeln.

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Für Bobic hatte dieses Spiel aus Frankfurter Sicht viele Helden. Und die waren dieses Mal aus der zweiten Reihe gekommen. So die beiden Torschützen Taleb Tawatha und Haris Seferovic, die zuletzt immer nur auf der Bank gesessen hatten. „Das ist die Story dieser Saison“, sagte Bobic, „egal wer reinkommt, er ist richtig gut und stark.“ Der Israeli Tawatha war zur Halbzeit für den angeschlagenen David Abraham eingewechselt worden, war am Gegentor zwar nicht ganz unbeteiligt, zeigte aber eine frische Leistung auf der linken Seite und erzielte per Kopf das 1:1. Und Seferovic macht zwar nicht mehr wirklich viele Tore, aber dafür wichtige. Er hat die Eintracht mit seinem 1:0 im Relegationsspiel in Nürnberg in der Liga gehalten, er hat das Siegtor beim 2:1 gegen Dortmund erzielt, nun hat er sie in die nächste Pokalrunde geschossen. „Ich will nicht der Mann der wichtigen Tore sein“, sagte er später, „ich will immer Tore schießen, so wie in meiner ersten Saison.“ Beim 2:1 von Hannover sei auch Glück im Spiel gewesen. „Prib hat mich angeköpft, dann war ich eiskalt“, hat er das Tor beschrieben.

Im Team und beim Trainer genießt Seferovic große Anerkennung. „Es freut mich für Haris, er setzt sich immer ein und macht deutlich, dass er ein Teil dieser Mannschaft sein will“ sagte Kovac. Womöglich helfe dem Schweizer in diesen Tagen, dass seine Zukunft geklärt ist. Er sei „locker und total entspannt“, ist dem Trainer aufgefallen. Angeblich wird Seferovic ja im nächsten Sommer die Eintracht Richtung Benfica Lissabon verlassen. Der Spieler wollte so weit nicht gehen. „Ich weiß noch nicht, was im Sommer passiert“, versicherte er, „ich weiß nicht, ob ich gehe oder bleibe.“ Ganz unabhängig davon wolle er „das Vertrauen zurückgeben, das ich vom Trainer bekomme.“ Es ist diese Einstellung, die im gesamten Team Einzug gehalten hat, die die Frankfurter in dieser Saison so stark macht. (sp)

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