„Selbsterkenntnis ist das Wichtigste“

Timothy Chandler: „Wir können dieses Jahr viel erreichen“

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Timothy Chandler im Spiel gegen Leipzig

Frankfurt - Anfang der Woche präsentiert die Frankfurter Eintracht in aller Regel den Medien einen Spieler, der dann seine Sicht der Dinge vorträgt. Dieses Mal: Timothy Chandler. Von Peppi Schmitt

Diese Gesprächsrunde ist in den letzten Monaten nach den vielen Siegen meistens eine ganz angenehmen Pflicht der Öffentlichkeitsarbeit gewesen. Nach Niederlagen fallen sie den Spielern naturgemäß etwas schwerer. Timothy Chandler war diesmal auserkoren, die 0:1-Pleite von Stuttgart, vor allem die schlechte Leistung, zu erklären. Und er nahm kein Blatt vor den Mund. "Wir hätten noch 90 Minuten spielen können und wohl keine Lösung gefunden", sagte er. Allen Spielern sei klar, welchen Mist sie in Stuttgart gebaut hätten. Daraus zieht Chandler aber Energie. "Selbsterkenntnis ist das Wichtigste", sagt er, "gegen Hannover wollen wir am Samstag wieder Punkte sammeln." Dies werde freilich eine schwierige Aufgabe, "denn Hannover ist eine gute Mannschaft, die über den Willen und den Kampf kommt."

Die detaillierte Aufarbeitung des Spiels hat noch nicht stattgefunden. Am Tag nach dem Spiel, am letzten Sonntag, habe es bislang lediglich ein paar Gespräche der Spieler untereinander gegeben. Die Video-Analyse mit den Anmerkungen des Trainers wird in den nächsten Tagen erst noch kommen. Aber Chandler und Kollegen wissen auch so schon, was alles schief gelaufen ist. "Uns ist nichts eingefallen im Spiel nach vorne, wir haben zu viele Fehlpässe gespielt, sind in Konter gelaufen und wir haben auch viel zu langsam gespielt", sagt er. Eine lange Mängelliste. Die so nach den zuletzt erfolgreichen Wochen nicht zu erwarten gewesen war.

Gerade Chandler selbst hatte zuletzt eine doch überraschende Entwicklung genommen. Überraschend deshalb, weil der rechte Verteidiger seit ein paar Wochen auf der linken Seite spielt. Trainer Niko Kovac hat diese Variante gewählt, weil er mit Danny da Costa und Marius Wolf zwei ebenso gute rechte Verteidiger im Kader hat wie Chandler. "Wenn alle gut sind, warum sollte ich einen draußen lassen?", sagt der Trainer der Eintracht. Also hat er für Chandler einen neuen Platz und eine neue Rolle gefunden. Warum er links als Abwehrspieler nun auch torgefährlicher geworden ist, darüber rätselt der 27 Jahre alte Verteidiger selbst. "Ich denke, es ist Zufall", sagt er. Von einem Geheimnis zu erzählen, würde nur dazu führen, "dass alle von mir noch mehr erwarten." Diesem Druck will er sich nicht aussetzen.

Bilder: Eintracht unterliegt in Stuttgart

Rechts und links machen bei Chandler aus eigener Beobachtung keinen Unterschied. "Der Platz ist ja links genauso lang wie rechts" sagt er lachend. Genug Raum auf beiden Seiten, seine Sprints anzuziehen. Mit der Niederlage in Stuttgart hat die Eintracht eine große Chance verpasst, die Konkurrenz noch weiter unter Druck zu setzen. Aber passiert ist im Kampf um Europa auch nichts, denn mit Leverkusen, Leipzig und Dortmund haben auch die meisten Konkurrenten nicht gewonnen. "Wir schauen eh nur auf uns", versichert Chandler, "wir müssen weiter Punkte sammeln, damit wir uns später keine Vorwürfe machen müssen." Intern sind die Ziele klar gesteckt, nachdem es mit 39 Punkten nicht mehr nur um den Klassenerhalt gehen kann. "Wir können dieses Jahr viel erreichen", glaubt Chandler.

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