Gerüchte um Marius Wolf

Trainer und neue Spieler: Eintracht im Wartestand

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Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner

Frankfurt - Es hätte alles so schön und ein bisschen bequemer sein können: Die Frankfurter Eintracht für die Europa-League qualifiziert, als Höhepunkt noch das Pokalfinale vor der Sommerpause, die personellen Planungen zumindest früh in die Wege geleitet, ein paar Transfers schon abgeschlossen. Von Peppi Schmitt

Neue Spieler, die den viel versprechenden Weg in Frankfurt mitgehen wollen, Aufbruchsstimmung allenthalben. Das war der Stand vor vier, fünf Wochen. Doch nun hat sich vieles verändert, aus der Planungssicherheit ist eine Planungsunsicherheit geworden. Die Spiele in der  Europa League sind zumindest fraglich, der Trainer als Anziehungspunkt wechselt zum FC Bayern. Eine Entwicklung, die mit sich bringt, dass neue Spieler zumindest etwas zurückhaltender bei ihrer Entscheidungsfindung sein werden. Abwarten heißt nun das Motto. Die Arbeit für den Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner hat sich auf jeden Fall erschwert. „Das ist ein normaler Prozess“, sagt Bobic.

Nun ist nicht etwa alles schlecht, nein, die Eintracht gehört weiter zu den aufstrebenden Klubs, sportlich wie wirtschaftlich. So viel Geld wie in diesem Sommer hat noch nie für Transfers zur Verfügung gestanden, auch wenn die unter der Woche bekanntgegebene Finanzspritze mit der Erhöhung des Eigenkapitals um 15 Millionen Euro ganz sicher nicht komplett in die Mannschaft fließen wird. Doch die Eintracht ist in den letzten Monaten auch auf anderen Ebenen weiter erstarkt. Vor einem Jahr wurden rund zwanzig Millionen Euro eingesetzt für neue Spieler, in diesem Sommer könnten es mehr sein.

Es kann auch getrost davon ausgegangen werden, dass Bobic und Hübner viele Transfers vorbereitet haben. Mit Torwart Frederik Rönnow aus Bröndby wurde einer ja auch bereits perfekt gemacht. Und doch sind nun viele Fragezeichen aufgetaucht. Bis klar ist, ob die Eintracht in Europa spielt, werden noch einige Wochen ins Land gehen. Wann der neue Trainer verpflichtet ist, kann niemand vorhersehen. Bei Bobic und Hübner gilt ganz speziell in diesem Fall: Genauigkeit geht vor Schnelligkeit. Der Schuss muss sitzen, denn auf Niko Kovac folgen, wird für dessen Nachfolger aus vielerlei Gründen nicht einfach.

Der Trainer wird die Königsentscheidung des Sommers. Alle in der Diskussion befindlichen Namen wie Slaven Bilic, Markus Weinzierl oder gar Roger Schmidt, der der Eintracht ja vor vier Jahren auf ziemlich unschöne Art und Weise kurzfristig abgesagt hatte, sind bislang nur Gerüchte. Die Neugier der Öffentlichkeit ist dabei nur ein kleiner Teilaspekt. Viel wichtiger wird eine baldige Entscheidung für die Zusammensetzung des neuen Spielerkaders sein. Der Neue wird klare Vorstellungen haben, mit wem er arbeiten will und mit wem nicht, wen er neu hinzuholen und wen er abgeben will. Die neuen Spieler wollen wissen, wer ihr Trainer wird in den nächsten Monaten. Bis vor zwei Wochen waren sie ja noch der Überzeugung, Niko Kovac werde das sein. Solange nicht feststeht, welcher Trainerkandidat am Ende genommen wird, solange müssen Bobic und Hübner auch in den Gesprächen mit Spielern und deren Berater sehr vorsichtig mit Aussagen sein, denn über diese Kanäle dringen doch immer wieder Meldungen nach außen.

Auch der sportlich offene Ausgang der Saison trifft die Eintracht ein kleines Stück weit unvorbereitet. Denn vor wenigen Wochen waren nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Eintracht und ihre Verantwortungsträger überzeugt davon, in er nächsten Spielzeit auch international dabei zu sein. Das ist durch die Negativserie der letzten Spiele (vier Begegnungen, nur ein Punkt) in Frage gestellt. Und natürlich beeinflusst das Planungen enorm. Europa heißt mehr Geld, Europa heißt aber auch mehr Spieler, einen breiteren Kader. Der eine oder andere ins Auge gefasste Neue wird seine Zusage von Europapokalspielen abhängig machen. Das wird nicht offen gesagt, in den Verhandlungen aber sicher ein Thema sein.

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Steht Marius Wolf vor Wechsel?

Die Bild-Zeitung hat nun ein Gerücht gestreut, das sowohl die wirtschaftlichen als auch die sportlichen Voraussetzungen noch einmal deutlich verändern würde. Danach liebäugelt Marius Wolf angeblich mit einem Vereinswechsel. Und die Eintracht könnte für ihn bis zu 16 Millionen Euro erlösen. Geholt haben die Frankfurter den Flügelstürmer für nur 500.000 Euro aus Hannover. Das wäre finanziell das größte Geschäft, das dieser Verein je gemacht hat. Sportlich aber wäre es ein großer Verlust. Gerade wer die letzten Spiele gesehen hat, dem kann durchaus der Gedanke kommen, dass die Frankfurter sich alles Mögliche leisten können, aber nicht den Abgang eines der wenigen wirklich aus der Masse herausragenden Spielers. Wolf gehört zu dieser kleinen Gruppe. Mit Hradecky ist ja einer schon weg, dazu auch noch ablösefrei. „Wir planen mit Marius“, sagt denn auch Sportchef Bobic nachvollziehbar, „es gibt im Moment überhaupt keine andere Idee.“ Andererseits gehört es zur Philosophie der neuen Eintracht, Spieler günstig einzukaufen und teuer zu verkaufen. Dafür wäre Wolf ein Musterbeispiel. Komplett ausschließen würde Bobic einen Transfer in jedem Fall nicht, „dafür bin ich zu sehr Realist.“

Arbeitsreiche Wochen mit schweren und grundsätzlichen Entscheidungen also für Sportvorstand und Manager. Bobic bringt das nicht aus der Ruhe. „Schwerer ist es nicht geworden“, versichert er.

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