Machtkampf bei Eintracht Frankfurt

„Zeit von Fischer ist abgelaufen“

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Am Sonntag wählt Eintracht Frankfurt seinen Präsidenten. Zum ersten Mal seit bald zwei Jahrzehnten gibt es zwei Kandidaten: Peter Fischer (58) und Herausforderer Reiner Schäfer (70)

Frankfurt - Viel Brisanz steckt in dieser Wahl, hat sie doch nicht nur Auswirkungen auf die Zukunft des Vereins (EV), sondern spielt auch in den Profifußball hinein. Knapp 30.000 Mitglieder hat die Eintracht, rund 16.000 davon sind wahlberechtigt. Von Peppi Schmitt

Für den „Notfall“, dass am Sonntag um 12 Uhr die rund 1300 Plätze in der Wolfgang-Steubing-Halle am Riederwald nicht ausreichen, hat die Eintracht, so Pressesprecherin Nina Bickel, „Vorkehrungen getroffen“. Amtsinhaber Peter Fischer (58) muss sich des Herausforderers Reiner Schäfer (70) erwehren. Peter Fischer, zuletzt dreimal mit so hohen Prozentzahlen wie sonst nur DDR-Politiker wiedergewählt, geht auch diesmal als Favorit ins Rennen. Er kann sich der Unterstützung der Fußballabteilung und der mächtigen Fan- und Förderabteilung sicher sein. Reiner Schäfer, ehemaliger Geschäftsführer des Klubs, zuletzt im Verwaltungsrat, ist dennoch zuversichtlich. „In der Stadt ist die Stimmung für mich eindeutig“, glaubt er, „die Zeit von Fischer ist abgelaufen“.

Schäfer wird, so ist zu vermuten, von einzelnen Abteilungen, u.a. den Leichtathleten, unterstützt und kann auf Rückhalt bei ehemaligen Funktionsträgern wie dem früheren Aufsichtsrats-Vorsitzenden Herbert Becker oder der ehemaligen Stadträtin Sylvia Schenk bauen. Fischer hat sich zuletzt in der Öffentlichkeit merklich zurückgehalten. „Ich mache keinen Wahlkampf“, hat er betont, „ich werde meine Positionen den Mitgliedern in der Versammlung deutlich machen.“ Angeblich soll die Rede des amtierenden Präsidenten länger als eine Stunde dauern. Darin wird er seine unbestreitbaren Verdienste im letzten Jahrzehnt herausarbeiten. Dazu gehören der Neubau des Riederwaldes, die Befriedung der Situation zwischen EV und AG und der rasante Mitgliederanstieg.

Der Herausforderer wird die schwierige Finanzsituation des Klubs, der noch im März 2013 ein Finanzloch von sechs Millionen Euro stopfen musste, in den Mittelpunkt seiner Rede stellen und die Verantwortung des Präsidenten betonen. „Die wirtschaftliche Lage des Vereins ist dramatisch“, sagte Schäfer gestern. Der 70-Jährige wirft Fischer „Misswirtschaft“ vor, „das kann man gar nicht anders sehen.“ Wie Schäfer prangert auch Sylvia Schenk, die im Vorstand von Transparency International Deutschland für den Sport zuständige ehemalige Frankfurter Sportdezernentin, an, dass Fischer den Verein zusammen mit seinen Präsidiumskollegen durch Steuernachzahlungen in eine finanziell bedrohliche Situation gebracht habe.

Zudem gibt es Anträge aus der Versammlung, dass in Zukunft die Entlohnung des Präsidenten öffentlich gemacht werden soll. Während Schäfer ankündigte, „ehrenamtlich“ zu arbeiten, soll Fischer in den letzten Jahren Zuwendungen erhalten haben. „Die Stimmung in der Stadt ist ganz klar die, dass die Zeit von Peter Fischer zu Ende geht“, sagte Schäfer. Er setzt vor allem darauf, dass der Präsident in geheimer Wahl gekürt wird. Viele Mitglieder hätten Angst, sich in der Öffentlichkeit gegen Fischer zu stellen und dann im Falle von dessen Wiederwahl in Ungnade zu fallen.

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Die Wahl im EV hat auch Auswirkungen auf den Profifußball. Denn der Präsident ist automatisch im Aufsichtsrat der AG und kann zwei weitere Mitglieder nominieren. Es geht also auch um die Mehrheitsverhältnisse im neunköpfigen Aufsichtsrat, der wiederum die Geschicke des Profifußballs maßgeblich bestimmt. So gilt Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Steubing als einer der größten Befürworter des amtierenden Präsidenten, hat angeblich finanzielle Zuwendungen von dessen Wiederwahl abgängig gemacht. Schäfer empfindet diese Verknüpfung als „ungeheuerlich und eines traditionsreichen Vereins wie Eintracht Frankfurt unwürdig“.

Auch der Kapitän der Profimannschaft, Kevin Trapp, hat sich für Fischer stark gemacht und damit einen Zusammenhang zu seiner Vertragsverlängerung hergestellt. Das wiederum ist in den Abteilungen des Vereins gar nicht gut angekommen. Auch Vorstandsboss Heribert Bruchhagen ist der Meinung, „dass sich die Spieler da rauszuhalten haben“. Peter Fischer wird mit den Vizepräsidenten Dieter Burkert, Stefan Minden und Thomas Förster ins Rennen gehen. Herausforderer Schäfer hat neben Christian Geiser noch Gerhard Jourdan als zukünftigen Schatzmeister für seine Mannschaft benannt.

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