Vorfreude und Bedenken

Goll und Wagner Fanbetreuer bei EM

Offenbach - Bei großen internationalen Turnieren mit deutscher Beteiligung organisiert die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) im Auftrag und in Abstimmung mit dem DFB die Fanbetreuung vor Ort. Von Holger Appel

OFC-Verwaltungsrat Volker Goll aus Kahl und der Dietzenbacher Gerd Wagner zählen bei der EURO 2016 zum elfköpfigen Team. Der 54 Jahre alte Goll, seit heute in Frankreich, sagt vor seinem sechsten großen Turnier in Diensten der KOS: „Dieses Turnier ist wegen der permanent thematisierten Terrorgefahr anders als die anderen. Aber ich sehe das alles ganz professionell. Es ist mein Job, also mach ich das. Auch zuhause in der S-Bahn kann mir etwas passieren.“ Goll, gelernter Mediengestalter und seit 2004 bei der KOS, kümmert sich vor Ort auch um die Produktion des Fanmagazins Helmut, das zu jedem deutschen Spiel erscheinen soll.

Der 57-jährige Wagner, ebenfalls seit 2004 hauptamtlich bei der KOS und nun bei seiner dritten EM als Fanbetreuer im Einsatz, gibt zu, dass er aufgrund der Vorgeschichte „angespannter ist als sonst“. Er sagt: „Ich hoffe, die Franzosen finden die Balance zwischen den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen und der freundlichen Fußballatmosphäre - auch wenn das sicher schwierig ist.“

Alles zur Fußball-EM in Frankreich

Am Abend des letzten Länderspiels der deutschen Auswahl gegen Frankreich im November 2015 in Paris hatten Terroristen Bomben gezündet, mehr als 130 Personen starben. „Wenn die Behörden uns wegen akuter Terrorgefahr nicht an die öffentlichen Plätze in den Städten lassen dürfen oder können, ist alles blöd, unsere Arbeit quasi sinnlos“, sagt Goll und hofft, dass die EM trotz aller Bedenken ein echtes Fußballfest wird.

Volker Goll

So wie die Turniere, die er bisher erlebt hat und die ihm alle in guter Erinnerung geblieben sind. Goll: „Ich freue mich vor allem auf die Isländer, die sind total verrückt. Und auf die ganzen internationalen Kollegen, darunter viele Ehrenamtler. Die Spiele bei diesem Turnier sind mir nicht so wichtig - das Drumherum in den Städten, die vielen Kontakte, die vielen Hilfen, die wir geben können - die stellen für mich den Reiz da.“

Auch Wagner, Fan von Hannover 96, einst aktiver Fußballer beim FC Dietzenbach und Jugendtrainer beim SC Steinberg, schwärmt von den vergangenen Turnieren. Zum Beispiel 2012 in der Ukraine. „Da waren viele deutsche Fans trotz aller Warnungen vor Korruption und Diebstahl mit dem Auto angereist. Das waren vielleicht 15000. Viele hatten kein Hotelzimmer. Wir haben dann Unterkünfte über Privatpersonen vermittelt. Die Ukrainer waren damals warmherzig ohne Ende - das war überragend.“ Er habe viele Kontakte geknüpft, freue sich auf das Wiedersehen mit den Ukrainern, mittlerweile wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat aber in argen Nöten.

Gerd Wagner.

Das ist gleich für Sonntag vorgesehen. Da steht die mobile Fanbotschaft in Lille. Pünktlich zum ersten Vorrundenspiel der DFB-Auswahl gegen die Auswahl der Ukraine (21 Uhr). Wagner hat für den Gegner zwar nach wie vor Sympathien, hofft aber auf einen deutschen Sieg und darauf, dass er mit dem Fanprojekt bis zum 10. Juli in Frankreich bleiben darf. Bis zum Finale in Saint Denis, dann entsprechend mit der Mannschaft von Joachim Löw.

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