Fifa-Pläne in der Diskussion

Ex-Präsident Grindel übt Kritik an DFB – „Ein schwerer Fehler“

Ex-DFB-Präsident Grindel kritisiert den Verband. Foto: dpa
+
Ex-DFB-Präsident Grindel kritisiert den Verband.

Ex-Präsident Reinhard Grindel kritisiert „belastetes Verhältnis“ des DFB zur Uefa und fordert ein klares Veto des Verbandes gegen die WM-Pläne.

Frankfurt - Der ehemalige DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die zunächst zögerliche Reaktion des Deutschen Fußball-Bundes auf die Fifa-Pläne einer Weltmeisterschaft im Abstand von nur zwei Jahren kritisiert. Der ab kommenden Sonntag 60-Jährige versteht nicht, warum der DFB nicht sofort klar reagiert und dem Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin uneingeschränkt den Rücken gestärkt hat: „Dafür kann man auch das Telefon nutzen und das in einer Schaltkonferenz abklären.“ Für die DFB-Präsidiumssitzung am Freitag (17.09.2021) erwartet er ein deutliches Statement.

Inzwischen haben sich für den DFB - auch unter dem Druck der erzürnten Bundesligamanager - die Interimschefs Peter Peters und Rainer Koch in den Reihen der Kritiker an den neuen WM-Plänen von Fifa-Präsident Gianni Infantino eingefunden. Unter anderem hatte Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler am Sonntagvormittag (12.09.2021) beim TV-Sender Bild „ein Signal vom DFB“ eingefordert in die Richtung: „Ohne uns.“

DFB lehnt Pläne der Fifa ab – Grindel hält Schritt für längst überfällig

Koch reagierte noch am selben Nachmittag und sprach von einer „persönlich sehr klar ablehnenden Position“ gegen die WM-Pläne der Fifa, Peters äußerte sich im „Kicker“ ähnlich. Der deutsche Fußball werde sich „an der Seite der Uefa deutlich dagegen aussprechen“.

Reinhard Grindel hält das für überfällig. Es sei „ein schwerer Fehler, dass der DFB sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit eher auf die Seite von Infantino als auf die von Ceferin stellt. Wir haben eine EM im eigenen Land vor uns. Erst recht vor diesem Hintergrund kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, wie man permanent das Verhältnis zur Uefa belasten kann“.

Grindel: „DFB muss eng an der Seite von Ceferin stehen“

Ohnehin hält der im April 2019 zurückgetretene Ex-DFB-Chef die Fifa-Überlegungen für absurd: „Sollten die Pläne umgesetzt werden, wäre es schwer vorstellbar, neben Qualifikationsspielen für die WM noch Europameisterschaften und Nations League wie bisher auszutragen. Die Uefa und ihre Mitgliedsverbände würden sich selbst in den Finger schneiden, wenn sie das akzeptieren würden. Denn durch die Beschädigung der europäischen Wettbewerbe würde auch die Grundlage für die Einnahmen aus diesen Wettbewerben zerstört. Davon profitieren die nationalen Verbände der Uefa aber mehr als von Finanzhilfen der Fifa.“ Ohnehin schütte die Fifa „viel zu geringe Summen an die Teilnehmer der WM aus“.

Zudem gibt er zu bedenken, dass zusätzlich zum finanziellen Schaden „auch eine sportpolitische Beschädigung des DFB“ einherginge, „insbesondere vor der in drei Jahren stattfindenden EM-Endrunde in Deutschland. Gerade in dieser Zeit muss der DFB eng an der Seite von Ceferin stehen.“

Ex-DFB-Präsident Grindel hofft auf klare Haltung

Grindel erwartet auch von Fifa-Council-Mitglied Peters, dass er gemeinsam mit anderen europäischen und südamerikanischen Council-Mitgliedern eine klare Haltung in der Fifa zum Ausdruck bringt. „Eine WM alle zwei Jahre ohne Unterstützung von Europa und Südamerika, deren Verband sich auch schon ablehnend geäußert hat, ist unvorstellbar. Deshalb dürften die Pläne bald wieder in der Schublade landen.“

Dem auch aus DFB-Kreisen vorgetragenen Argument, dass asiatische Finanziers große Geldsummen bereitstellen würden, wenn eine WM alle zwei Jahre ausgetragen würde, hält Grindel entgegen: „Es ist absurd, dass so argumentiert wird. Das Geld bringt vielleicht die Augen von Verbandspräsidenten aus Gabun oder Costa Rica zum Leuchten.“

Neuer DFB-Präsident soll einstmals gutes Verhältnis zur Uefa wieder aufbauen

Fifa-Präsident Infantino interessiere sich auch deshalb mehr für die Kleinen aus den 211 Mitgliedsverbänden, „weil er in Europa viel an Unterstützung verloren hat“. Grindel sieht es als notwendig an, dass ein künftiger DFB-Präsident das einstmals gute Verhältnis zur Uefa wieder aufbaut. „Der muss dann auch Mitglied in der Uefa-Exekutive werden.“

Darauf hatte der im Mai dieses Jahres zurückgetretenen Ex-DFB-Präsident Fritz Keller verzichtet. Deshalb sitzt für den deutschen Fußball seit Frühjahr 2020 der Bayer Rainer Koch in dem hohen Uefa-Gremium. Koch wurde im März 2021 für weitere vier Jahre auf dieser Position bestätigt. Sollte Koch jedoch im kommenden März im DFB-Bundestag bei den Präsidiumswahlen durchfallen, müsste der 62-Jährige spätestens im darauffolgenden Jahr auch seinen Sitz in der Uefa-Regierung aufgeben. (Jan Christian Müller)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare