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Spielabbruch in 3. Liga wegen Rassismus: Polizei ermittelt gegen 55-Jährigen

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Von: Mirko Schmid

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Osnabrücks Aaron Opoku spricht mit Schiedsrichter Nicolas Winter nach rassistischen Beleidigungen von den Zuschauerrängen.
Osnabrücks Aaron Opoku spricht mit Schiedsrichter Nicolas Winter nach rassistischen Beleidigungen von den Zuschauerrängen. © Revierfoto/dpa

Das Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück in der 3. Fußball-Liga wurde nach rassistischen Äußerungen abgebrochen Nun ermittelt die Polizei.

Duisburg – Die Fans beider Lager skandieren „Nazis raus“. Die Stadionregie spielt den Antirassismus-Klassiker „Schrei nach Liebe“ der Band „Die Ärzte“. Die Mannschaften des MSV Duisburg und des VfL Osnabrück verlassen gemeinsam den Platz. Schiedsrichter Nicolas Winter beschließt gemeinsam mit den Verantwortlichen beider Vereine, das Spiel der 3. Fußball-Liga beim Stand von 0:0 nach 33 Minuten abzubrechen. Grund dafür: Offenbar ein 55-Jähriger, der seiner rassistischen Gesinnung mit Affenlauten Luft machte. Erstmals also wurde eine Partie im deutschen Profifußball wegen rassistischer Ausfälle abgebrochen.

„Es wurden Affenlaute von der Tribüne gerufen“, bestätigte Schiedsrichter Winter. Gegolten haben sie wohl dem VfL-Stürmer Aaron Opoku-Tiawiah. Laut den Ausführungen von VfL-Geschäftsführer Michael Welling könnten sie auch dem Duisburger Abwehrspieler Leroy Kwadwo gegolten haben, der zur Unterstürzung in Richtung Eckfahne geeilt war. „Aaron ist tatsächlich sehr, sehr fertig und nicht mehr in der Lage zu spielen“, so Welling. Seine Forderung: „Es kann nicht sein, dass wir immer nur Parolen formulieren, dass wir Sprüche auf T-Shirts kleben. Wir müssen reagieren, wenn so etwas passiert.“

Spielabbruch wegen Rassismus: Fans des MSV Duisburg halfen, den mutmaßlichen Täter zu identifizieren

So sah es auch Schiedsrichter Winter: „Das ist etwas, wo wir sehr sensibel sind und auch direkt reagieren. Ich habe versucht, mich direkt um ihn zu kümmern und habe gesehen, wie schockiert er (Opoku-Tiawiah) war.“ Winter, der das Spiel nach Rücksprache mit den Verantwortlichen beider Vereine abgebrochen hatte, und kündigte einen Sonderbericht: „Erst einmal sind wir alle geschockt, weil das einfach in eh schon schwierigen Zeiten ganz traumatisch ist.“ Über das weitere Vorgehen wird der DFB zu entscheiden haben. Die Regularien des Verbands sehen „bei diskriminierenden Vorfällen jeglicher Form“ einen Drei-Stufen-Plan vor. Der Spielabbruch ist Stufe drei.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch begrüßte den Spielabbruch und forderte, den oder die Täter umgehend zur Rechenschaft zu ziehen, Rassisten hätten in den Stadien nichts verloren: „Ich bin froh, dass der Schiedsrichter, die Verantwortlichen beider Vereine und die überragende Mehrheit der Zuschauer im Stadion dies unmissverständlich zum Ausdruck gebracht haben.“ Der mutmaßliche Täter konnte nach Hinweisen aus Fankreisen schnell identifiziert werden. Genau wie Zeugen wurde er noch am Sonntag (19.12.2021) polizeilich befragt.

Nach Abbruch wegen Rassismus: VfL Osnabrück und MSV Duisburg wollen Wiederholungsspiel

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat sich ebenfalls zu dem Vorfall geäußert. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung drückte er seine Hoffnung aus, wonach die Justiz „Mit voller Härte gegen den Täter“ vorgehen werde. Die Reaktionen beider Fangruppen und Teams nannte Pistorius eine „großartige und solidarische Reaktion der Zuschauer und der beiden Mannschaften, die gesagt haben, wir spielen nicht weiter“. Die CDU-Politikerin Katharina Pötter, Oberbürgermeisterin der Stadt Osnabrück, bekräftigte: „Auch im Sport dürfen wir keinen Rassismus dulden. Das ist wichtiger als jedes Ergebnis.“

VfL-Geschäftsführer Welling danke ausdrücklich den Fans des MSV Duisburg, mit deren Hilfe der mutmaßliche Täter schnell identifiziert werden konnte und die „so reagiert haben, wie sie reagiert haben“. Über die Wertung der Partie werde zu einem späteren Zeitpunkt ein Sportgericht entscheiden, teilte der DFB mit. Die Verantwortlichen beider Vereine haben bereits mitgeteilt, gerne ein Wiederholungsspiel austragen zu wollen.

Unter Anfeidnungen und Rassismus litt auch OFC-Idol Erwin Kostedde. (Mirko Schmid)

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