Angespannte Stille und erleichterter Jubel

Wie kroatische Fans in Offenbach das WM-Viertelfinalspiel erlebten

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Es war nicht nur für Kroatien-Fans ein emotionaler Abend.

Offenbach - Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Mannschaft sind die Public Viewing-Angebote eingeschränkt. Doch die Fußballweltmeisterschaft ist noch lange nicht zu Ende, schon gar nicht in einer so multikulturellen Stadt wie Offenbach. Von Peter Klein 

Immerhin 3650 Kroaten drücken ihrer Mannschaft die Daumen, und nicht nur sie, wie ein Streifzug durchs Offenbacher Nachtleben während des Viertelfinalspiels Russland gegen Kroatien zeigt.

In der Billardbar Pulse an der Ludwigstraße haben sich rund zwei Dutzend Menschen vor den drei Monitoren versammelt. T-Shirts in den rot-weißen Karos der Kroaten und Fan-T-Shirts von Karacic machen deutlich, wie die Sympathien verteilt sind. Wirt Anes Jarebica ist Bosnier, doch drückt den Kroaten die Daumen. „Sie müssen offensiv spielen“, fordert der eingefleischte Kickers-Fan.

Währenddessen dampft in der Bar Prestige an der Ecke Waldstraße, Lindenstraße bereits der Grill. Paprika und Cevapcici schmoren vor sich hin. Wirt Armin Muric will seinen Gästen etwas bieten. Schließlich ist es ein gefühltes Jahrhundert her, dass eine Mannschaft aus dem ehemaligen Jugoslawien bei einer WM so weit gekommen ist. Er selbst ist aus Mazedonien, die Gäste kommen aus allen Teilstaaten des Balkans.

Nach dem 1:0 für Russland liegt Stille im Raum. Acht Minuten später, beim 1:1 durch Kramaric, hält es im Pulse keinen mehr auf den Stühlen.

Kroatien nach Elfmeterschießen gegen Russland im Halbfinale

Im Biergarten von Muric ist zu dieser Zeit kein Platz mehr zu bekommen, ebenso wenig drinnen vor dem zweiten Monitor. Im Pulse muss Bedienung Sarah Runde um Runde nachlegen, die Spannung ist den Gesichtern abzulesen. Verlängerung, die Führung – und wieder ist Hoffnung in den Gesichtern. Dann der späte Ausgleich durch Russland, es geht ins Elfmeterschießen. Erst der letzte Elfmeter durch Rakitic sorgt für Erleichterung und Jubel. Die ersten Autos fahren hupend über die schon nächtliche Waldstraße, doch der große Autokorso bleibt aus. Stattdessen geht im Prestige die Musik an. Es darf gefeiert werden. Doch nicht nur Kroatien-Fans sind anwesend. Auch ein Russe, der dort Freunde gefunden hat und seiner Mannschaft fest die Daumen drückt, ist dabei. Reden möchte er nach dem Schlusspfiff nicht, doch man gibt sich freundlich die Hand. Später feiert er dann doch mit, auch wenn sein Land draußen ist. So ist’s eben im multikulturellen Offenbach.

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