Das große Einpacken

Nach WM-Aus: Offenbacher Stadtbild ändert sich

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Nur noch vereinzelt sind Deutschlandfahnen im Stadtbild zu sehen. Viele Fan-Accessoires landen nach dem enttäuschenden WM-Aus in der Tonne. J Foto:

Offenbach - Am Tag nach dem enttäuschenden Auftritt der DFB-Elf bei der WM herrscht auch in Offenbach Katerstimmung. Das Aus der Mannschaft ist überall in der Stadt spür- und sichtbar. Von Steffen Müller 

Spiegelüberzieher in Schwarz-Rot-Gold? Weg! Autos mit Deutschland-Fahnen an den Fenstern? Kaum noch zu sehen! Die Flaggen mit Bundesadler an Hauswänden? Fast alle eingeholt! Auch in den Geschäften in der Frankfurter Straße sind Deutschland-Fanartikel im Sortiment weit nach hinten gerutscht und zum Teil schon reduziert. In Vergessenheit geraten ist das erste WM-Vorrunden-Aus einer deutschen Mannschaft aber nicht. Beim Bäcker, in Eiscafés oder an der Bushaltestelle am Marktplatz überwiegt ein Thema: der müde, ja sogar peinliche Auftritt der deutschen Mannschaft gegen Südkorea. Tenor der Gesprächsfetzen, die man als Vorbeigehender aufschnappt: Das Aus ist verdient.

Ein buntes Programm wird’s am Ringcenter nicht mehr geben. Die WM-Spiele werden aber weiter auf dem Parkplatz übertragen.

Auch im Rathaus beherrscht der Fußball die Unterhaltungen. Für Bürgermeister Peter Schneider gibt es eindeutige Gründe für das Scheitern. Bei einer Umfrage dieser Zeitung vor Beginn der WM äußerte der bekennende Fußball-Fan bereits Zweifel an der Leistungsstärke der deutschen Mannschaft, da die Vorbereitung nicht ideal verlief. Dies habe sich nun bewahrheitet. „Die Mannschaft hat nicht den Eindruck einer echten Mannschaft gemacht.“ Bundestrainer Löw habe es nicht geschafft, elf Spieler aufzustellen, die Zuversicht ausstrahlen. Von pauschalen Rücktrittsforderungen an Jogi Löw hält der Grünen-Politiker nichts, sagt aber auch, dass „der Misserfolg natürlich an Löw hängen bleibt“. Fest steht für Schneider, dass nun ein Neuanfang mit Spielern gemacht werden müsse, die wieder eine Einheit bilden. Löw müsse wissen, ob er sich diese Aufgabe ans Bein binden möchte.

Dass Schneider als ehemaliger Jugendtrainer Ahnung vom Fußball hat, sieht man an seiner Prognose vor Turnierbeginn, dass das erste Spiel gegen Mexiko richtungsweisend sein werde. Von der Auftaktniederlage hat sich die DFB-Elf nicht erholt und das angeschlagene Selbstvertrauen nach der holprigen Vorbereitung ist weiter gesunken. Leider bestätigt wurde auch Polizeisprecherin Andrea Ackermann, die schon vor der WM befürchtete, dass die Mannschaft satt wirkt.

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Gedrückte Stimmung herrschte am Mittwochabend auch bei allen Public-View-ing-Veranstaltungen in Offenbach. Sowohl im Hafen 2, hinterm Stadion am Bieberer Berg und am Ringcenter gingen die Besucher mit gesenkten Köpfen nach Hause. Dabei überwog bei den rund 600 Fußball-Fans im Einkaufszentrum am Odenwaldring noch vor und lange während der Partie gegen Südkorea Optimismus, wie Regina Lubezük aus dem Center-Management berichtet.

Andere dokumentierten ihre Trauer auf Halbmast.

Doch nach dem Spiel hieß es nicht nur für die DFB-Anhänger Trikots und Fahnen einpacken. Sämtliche Attraktionen wie Hüpfburg, Fußball-Billard und Fußball-Darts, die das Ringcenter als Rahmenprogramm angeboten hatte, werden wieder abgebaut. Das bedeutet aber nicht, dass das Public View-ing endet. Wie bisher werden alle WM-Spiele weiterhin im Zelt auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums übertragen. Auch im Hafen 2 ist gemeinsames Rudelgucken weiter geplant, allerdings wird von Partie zu Partie entschieden, ob übertragen wird. Schluss ist dagegen am Bieberer Berg, wo nur die Deutschlandspiele übertragen wurden.

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