U21-Nationalspieler stellen sich den Fragen des Nachwuchses

Kinder bringen Jungstars in Dreieich ins Schwitzen

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„Welchen Spieler magst du überhaupt nicht?“, wird Maximilian Philipp (rechts vorne) auf der Kinder-Pressekonferenz im Dreieicher Sportpark gefragt. „Eigentlich mag ich alle“, lautet die knappe Antwort des BVB-Neuzugangs auf die ungewöhnliche Frage. Zuvor hatte Philipp hilfesuchend zu seinem Pressesprecher geblickt.

Dreieich - Am Tag vor dem Abflug zur Fußball-EM in Polen absolviert die deutsche U21-Auswahl in Dreieich ein öffentliches Training. Zuvor stellen sich die Jungstars Nadiem Amiri und Maximilian Philipp den Fragen von 80 Kindern. Sie müssen sich dabei fast mehr anstrengen als auf dem Rasen. Von Daniel Schmitt 

Das Ziel ist nah. Maximilian Philipp, 23-jähriger Fußballprofi, der in diesem Sommer für 20 Millionen Euro vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund wechselt, steht nur drei Meter entfernt. Noch vier, vielleicht fünf Unterschriften muss der deutsche U21-Nationalspieler aufs Papier kritzeln, bevor auch Bastian an der Reihe ist. Bastian, ein Junge aus dem Dreieicher Stadtteil Offenthal. Blond, Brille, Zahnspange – und in ein schwarz-gelbes Dortmund-Trikot gekleidet. Er kommt näher, nur noch ein Meter. „Hey, ich bin auch noch dran“, drängt sich ein deutlich älteres Mädchen von der Seite rein. Kurz schaut Bastian verlegen auf den Boden, ehe er sich fängt. Sein Ziel wieder im Fokus. Er steht nun direkt vor dem Neu-Dortmunder und der Profi weiß genau, was zu tun ist. Er bückt sich, Bastian drückt ab. Das Selfie ist im Kasten. „Ich wollte unbedingt ein Foto mit Philipp, weil ich großer Dortmund-Fan bin“, sagt Bastian und zeigt stolz den Schnappschuss.

Der junge BVB-Anhänger ist einer von etwa 80 Kindern, die den Jungstars Philipp und Nadiem Amiri (TSG Hoffenheim) Fragen stellen. Einen Tag vor Abreise zur U21-EM in Polen absolviert die deutsche Auswahl im Sportpark des SC Hessen Dreieich das öffentliche Abschlusstraining – mit einer Kinder-Pressekonferenz als Vorspiel. So sitzt der Nachwuchs schon eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung mitten auf dem Boden des Presseraums und wartet. Vorne der Tisch, an dem um halb vier die beiden Bundesligaprofis Platz nehmen sollen, dahinter die Kameras der Fernsehsender. „Wann kommen die denn endlich?“, sagt ein Mädchen. „Ich frage Amiri, ob ich seine Fußballschuhe haben kann“, teilt ein Junge seinem Sitznachbar mit. Amiri ist in Dreieich besonders beliebt, schaute er sich doch auch schon Spiele des SC Hessen an. Dort spielt sein Cousin Zubayr Amiri. Bei den Kindern jedenfalls steigt die Nervosität von Minute zu Minute, der Lärmpegel auch. Als Philipp und Amiri etwas zu früh um 15.22 Uhr den Raum betreten, setzen die Gespräche plötzlich aus. Für einige Sekunden ist kein Kind mehr zu hören, nur die Eltern, die am hinteren Ende des Raums ihren Platz gefunden haben, schwatzen fleißig weiter.

„Hallo zusammen“, ergreift der Pressesprecher der U21 kurz darauf das Wort, „geht’s euch gut?“ „Jaaa“, ertönt das Echo. Nun sind auch die Eltern still, immerhin sind ihre Kinder an der Reihe und stellen vorher extra ausgedachte und auf Zetteln notierte Fragen. Anfangs vorsichtig, teilweise viel zu leise. Nach wenigen Minuten aber deutlich forscher – und vor allem äußerst ungewöhnlich. „Welchen Spieler magst du überhaupt nicht?“, wird Philipp gefragt. „Was machst du in deiner Freizeit?“, wollen die Kinder von Amiri wissen. Die beiden Fußballer, die sicher nicht zu den wortgewandtesten ihrer Zunft gehören, blicken hilfesuchend zu ihrem Pressesprecher, was sie denn bitte antworten sollen. „Eigentlich mag ich alle“ und „viel mit Freunden“ bringen sie daraufhin knapp hervor.

Die U21-Nationalmannschaft zu Gast in Dreieich: Bilder

Nach 20 Minuten haben es die beiden Profikicker geschafft. Etliche Unterschriften und noch viel mehr Selfie-Wünsche später, auch Bastian kommt hier zu seinem Erfolg, stehen sie auf dem Rasen und warten auf ihre Teamkollegen. Die treffen vor den Augen von insgesamt rund 400 Zuschauern mit viertelstündiger Verspätung im Dreieicher Sportpark ein. Trainer Stefan Kuntz schreitet voran, umarmt lange den auf ihn wartenden Dreieicher Coach und Ex-Nationalspieler Rudi Bommer. Dahinter folgen die 23 Nationalspieler um den Neu-Berliner Davie Selke oder den Neu-Münchner Serge Gnabry.

Die Kinder schreien die Namen ihrer Stars. Manche winken zurück, klatschen ab, doch niemand bleibt stehen. Immerhin ist Training angesagt. Auf dem Platz passiert anschließend wenig. Kurzes Aufwärmen, Dehnen, ein paar Passübungen. Die letzte Einheit verrät rein gar nichts über den Leistungsstand des Teams vor dem Auftaktspiel am Sonntag im polnischen Tychy gegen Tschechien. Den Kindern ist das egal, sie fiebern sowieso lieber dem Ende der Trainingseinheit entgegen. Immerhin wollen sie noch Unterschriften, Schuhe und Fotos ihrer Stars abstauben – wie der Dortmund-Fan Bastian aus Dreieich.

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