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Ex-Offenbacher Fabian Bäcker: „Konnten nur noch Schaden begrenzen“

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Von: Jörg Moll

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Fabian Bäcker, von 2012 bis 2016 Profi beim OFC, ist seit Mitte Februar und noch bis Sommer von Germania Ober-Roden als Trainer an Bayern Alzenau ausgeliehen.
Fabian Bäcker, von 2012 bis 2016 Profi beim OFC, ist seit Mitte Februar und noch bis Sommer von Germania Ober-Roden als Trainer an Bayern Alzenau ausgeliehen. © imago

Offenbach – Mit Kickers Offenbach verbindet Fabian Bäcker viele Erinnerungen, „schöne und unschöne“. Am Samstag (14 Uhr) trifft er als Trainer des FC Bayern Alzenau auf den OFC, mit dem er 2015 den Titel in der Fußball-Regionalliga Südwest gewann.

Fabian Bäcker, der FC Bayern Alzenau kehrt nach zwei Wochen Quarantäne ins Spielgeschehen der Regionalliga Südwest zurück. Haben alle zehn Betroffenen die Corona-Infektion überstanden?

Nein, ein Betroffener ist nach zwei Wochen immer noch positiv. Alle anderen kommen im Laufe dieser Woche ins Training zurück. Wir hatten das volle Spektrum dabei: Vier Jungs ging es richtig schlecht, drei hatten einen leichten Schnupfen und drei weitere haben gar nichts gemerkt.

Mit wem rechnen Sie am Samstag gegen Kickers Offenbach?

Wir werden elf gesunde, fitte Spieler aufs Feld schicken. Wer das sein wird, ist noch nicht absehbar.

Seit wann können Sie überhaupt wieder trainieren?

Seit OFC-Zeiten heimisch in Rhein-Main: Fabian Bäcker

Fabian Bäcker, am 28. Mai 1990 in Rotenburg/Fulda geboren, ist im Rhein-Main-Gebiet heimisch geworden. Der frühere Jugendnationalspieler, der zwei Bundesligaspiele (1 Tor) für Borussia Mönchengladbach und ein Zweitligaspiel für Alemannia Aachen absolvierte, kam 2012 zum Drittligisten Kickers Offenbach. Nach 91 Pflichtspielen (17 Tore) wechselte er 2016 nach Alzenau in die Hessenliga, dann zu Germania Ober-Roden in die Verbandsliga. Seit Juni 2019 ist er dort Trainer. Bis Sommer ist er an Alzenau ausgeliehen, hat dort per Sondergenehmigung die Nachfolge von Artur Lemm angetreten. Bäcker ist selbstständiger Allianz-Vertreter, er hat im Zuge seines Wechsels 2016 die Umschulung in der Versicherungsagentur von Andreas Trageser, Vorsitzender des FC Bayern, absolviert und 2018 abgeschlossen. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder. jm

Wir haben Montag das erste Mal wieder trainiert, es war eher ein Anschwitzen, um zu sehen, wie belastbar die betroffenen Spieler sind. Wir werden in dieser Woche sehen, was an Substanz verloren gegangen ist. Klar ist: Wir müssen wieder in den Wettkampfmodus kommen, aber die Spieler dürfen auch nichts für ihr Leben davontragen.

Die Teams werden getestet, die Hygiene-Regeln sind bekannt, dennoch kommt es – wie zuletzt beim FSV Frankfurt, Stadtallendorf oder nun beim FC Bayern – zu solchen Ausbrüchen. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Wir haben alles Mögliche dafür getan, um uns zu schützen. Wir hatten die Verdachtsfälle in der Trainingswoche vor dem Spiel beim FSV Mainz 05 II sofort isoliert, hatten Tests durchgeführt. Aber wenn das Virus, noch dazu die britische Mutante, erstmal drin ist, ist es nicht mehr zu stoppen. Wir konnten dann nur noch den Schaden begrenzen und sind froh, dass es nur zehn Fälle waren.

Skizzieren Sie doch mal den Maßnahmenkatalog nach dem Ausbruch.

Die Fälle werden alle dem Gesundheitsamt gemeldet, die Verdachtsfälle wurden durch PCR-Tests bestätigt. Daraufhin hat das Gesundheitsamt alles dicht gemacht. Alle mussten in Quarantäne, durften nur nochmal zum Test raus. Dann sitzt du zuhause und hoffst, dass du nicht noch die Familie ansteckst. Ich selbst hatte Glück: Ich war in Mainz nach meiner Gelb-Roten Karte gegen Aalen gesperrt, war somit nur als Kontaktperson betroffen.

Sie haben Spieler, die einem Beruf nachgehen oder studieren. Wie sehr belastet da eine solche Zwangspause?

Da gab es verschiedene Schicksale. Ein Spieler durfte seine Prüfung an der Uni nicht absolvieren, muss sie nun in einem halben Jahr nochmal angehen. Ein anderer hatte Familienmitglieder angesteckt, sodass in der Folge sogar eine Kita schließen musste.

Wie sehr hat die Quarantänezeit Alzenau zurückgeworfen?

Das wird man erst noch sehen. Rein sportlich war das Spiel in Mainz das beste unter meiner Regie, wir hätten dort gewinnen können und ich hätte gerne weitergemacht. Alleine personell wird der Ausbruch Auswirkungen haben. Es wird sich zeigen, ob alle Spieler die kommenden Wochen durchstehen.

Und nun kommt Kickers Offenbach, ein Duell, das zuletzt stets mit großer Brisanz versehen war. Ist der FC Bayern bereit für diese Aufgabe?

Wenn Kickers Offenbach kommt, ist das immer das Spiel des Jahres. So oder so. Da muss man bereit sein. Da muss man nicht mehr extern motivieren. Aber klar ist: Offenbach ist Favorit. Wir nehmen die Außenseiterrolle an. Wir werden also elf Motivierte in der Startelf haben, und noch Motiviertere auf der Bank.

Für Sie selbst ist es ein Wiedersehen mit ihrem letzten Profiklub. Kommen da besondere Erinnerungen auf?

Ja, ganz viele. Schöne und unschöne. Da war der Klassenerhalt in der 3. Liga (2013), der Zwangsabstieg, die Insolvenzphase. Dazu die Spiele im DFB-Pokal, der verpasste Aufstieg (2015), meine schwere Knieverletzung. Eine besondere Verbindung gibt es noch immer zu den Fans, es ist sehr schade, dass sie am Samstag nicht dabei sein können.

Sie gehörten dem Meisterteam 2015 an. In diesem Jahr unternimmt der OFC erneut einen Anlauf, die Rückkehr in die 3. Liga zu schaffen. Welche Chancen geben Sie den Kickers?

Es ist etwas leichter geworden, seit es die Aufstiegsrelegation nicht mehr gibt und ein Verein sicher aufsteigt. Andererseits gibt es mit Freiburg, Steinbach, Ulm oder Offenbach einige ambitionierte Klubs. Ich denke, es wird ein Herzschlagfinale geben.

Sie selbst sind ein (Aushilfs-)Trainer auf Zeit in Alzenau, sind von Germania Ober-Roden ausgeliehen. Wie fällt Ihr Fazit aus nach den ersten Wochen?

Grundsätzlich macht es in der Trainingsgruppe unheimlich viel Spaß, mit jungen, hungrigen Talenten zu arbeiten. In Alzenau ist Potenzial da, mehr Punkte zu holen. Es gibt konkrete Argumente dafür, dass es bald viel besser läuft.

Welche sind das?

Wir waren in drei von vier Spielen über weite Strecken der Partien die bessere, aktivere und gefährlichere Mannschaft. Es fehlt also nicht viel, um Spiele zu gewinnen. Und wenn es gelingt, ein enges Spiel in unsere Richtung zu drehen, gibt das einen neuen Schwung. Aber klar ist: Wenn du seit Ende Dezember (Anm. d. Red.: 1:0 bei Spitzenreiter SC Freiburg II am 22. Dezember) nicht mehr gewonnen hast, dann nagt das an den Spielern, gerade bei jüngeren. Und wir haben ja ein sehr junges Team. In Mainz hatten wir eine jüngere Mannschaft als die FSV-Reserve auf dem Platz.

Bis Ende April stehen nun neun Pflichtspiele und drei Englische Wochen in Folge an. Ein Programm, das eigentlich nur der große FC Bayern (München) stemmen kann, oder?

Eigentlich schon (lacht), aber es nutzt ja nichts. Es war klar, dass das passieren kann. Also müssen wir das Beste daraus machen. In einem halben Jahr wird es keinen interessieren, dass wir in 29 Tagen neun Spiele absolvieren mussten.

Alzenau ist seit zehn Spielen ohne Sieg. Der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt 11 Punkte. Das ist die Bilanz eines Absteigers.

Die nackten Zahlen sprechen nicht für uns. Ich weiß aber, wie schnell sich das drehen kann. Es ist nicht unmöglich. Aber ich befasse mich derzeit gar nicht mit der Tabelle. Wir müssen erstmal wieder anfangen zu punkten.

Was würde ein Abstieg für Alzenau bedeuten?

Das hätte gar nicht so große Auswirkungen. An den Strukturen würde sich nicht viel ändern. Der Verein ist finanziell solide aufgestellt. Das Konzept ist ja, regionale Talente, die es anderswo nicht geschafft haben, weiterzubringen. Es gäbe halt nicht mehr solche Highlightspiele wie gegen Offenbach.

Sind Sie froh, im Sommer wieder zur Germania zurückzukehren?

Ich muss sagen: Ich bin unglaublich gerne in Alzenau. Das Trainerteam mit Birger Nass und Murat Kurtulus unterstützt mich total. Aber ich freue mich auch wieder auf den normaleren Alltag mit ambitioniertem Verbandsliga-Fußball. Das ist auf Dauer besser stemmbar mit Beruf und Familie.

Zum Schluss die Frage: Was muss passieren, damit Sie am Samstag gegen Offenbach zufrieden vom Platz gehen?

Wenn wir mindestens einen Punkt holen. Am Ende helfen uns nur Punkte.

Das Gespräch führte Jörg Moll

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