Moderne Arena, aber alte Probleme

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Das Stadion Bieberer Berg in Offenbach.

Offenbach - In Wiesbaden gibt es eins, in Frankfurt sogar zwei. Mainz bekommt eins, und auch die Offenbacher Kickers werden bald in einem neuen Stadion spielen. Das Rhein-Main-Gebiet ist dabei keine Ausnahme.

Der Bau moderner Arenen floriert seit Jahren. Und zwar bundesweit - weil durch die vielerorts veralteten Stadien nur geringe Gewinne zu erlösen sind. Einer Studie der Zeitschrift „Sponsors“ zufolge haben in den vergangenen zwei Jahren 23 der 56 deutschen Erst-, Zweit- und Drittligisten Investitionen in einer Gesamthöhe von mehr als 500 Millionen Euro in ihre Stadien geplant oder zumindest beschlossen. Walter Hellmich wundert das nicht: „Alle Vereine müssen sich an den heutigen Standards orientieren, wenn sie im Profifußball überleben wollen“, sagt der Unternehmer, der gleich an zwei Fronten mit dem Fußball verbunden ist.

Die Commerzbank-Arena in Frankfurt.

Der 65-Jährige sitzt neben dem Zweitligisten MSV Duisburg auch der „Hellmich Unternehmensgruppe“ vor, die sich auf den Stadionbau spezialisiert und damit scheinbar das goldene Los gezogen hat. Auch die Verantwortlichen des OFC hatten sich einst bei Hellmich informiert. Das war noch zu Zweitligazeiten. An der Notwendigkeit eines neues Stadions hat sich aber auch durch den Abstieg nichts geändert. Im Gegenteil. Gerade in der 3. Liga, wo die Kosten fast so hoch wie in der 2. Liga, die TV-Gelder jedoch deutlich geringer sind, müssen die Klubs zusätzliche Einnahmen erzielen. Die Lösung heißt oft: Neues Stadion mit mehr Business-Plätzen und Logen. Denn dadurch wird das Umsatzpotenzial in der Regel deutlich gesteigert.

Moderne Stadien geben Zukunftssicherheit“, weiß Hellmich, dessen Firma dem Drittligisten FC Ingolstadt bis Mitte 2010 ein neues Zuhause bauen wird und sich zudem verantwortlich zeigt für den Bau der Schalke-Arena, die Modernisierung des Millerntor-Stadions in St. Pauli und den neuen Aachener Tivoli, der kürzlich eröffnet wurde.

Der OFC soll ab der Saison 2011/12 auf dem umgebauten Bieberer Berg spielen. Die „neue“ Spielstätte entsteht an der Stelle der aktuellen, wobei das Flair des ebenso alten wie ehrwürdigen Stadions erhalten bleiben soll. Eng und nah dran am Spielfeld. Kurzum: „Feeling Bieberer Berg“.

Das neue Stadion am Bornheimer Hang.

Was den einstigen Exerzierplatz in Offenbach von je her auszeichnet, ist inzwischen die augenfälligste Entwicklung in Sachen Stadionum- und -neubau: Die früher üblichen Leichtathletik-Laufbahnen werden systematisch aus den modernen Arenen verbannt. „Die Zuschauer sitzen einfach zu weit vom Geschehen entfernt“, sagt Hellmich. „Da kann im Normalfall keine wirkliche Fußballstimmung aufkommen, und das hat denkbar negative Folgen auf die Zuschauerzahlen.“

Dass durch ein umgebautes Stadion nicht automatisch alle Probleme gelöst werden, zeigt das Beispiel FSV Frankfurt. Die Bornheimer verfügen seit Juli zwar über eine moderne Arena, sind deshalb aber keineswegs frei von Sorgen. Erst gab's Zoff wegen der Haupttribüne, die nicht umgebaut werden kann und deshalb für viel Geld neu errichtet werden muss. Dann machten die Flutlichmasten Probleme, deren Strahler die Autofahrer auf den benachbarten A661 blenden könnten. Das alles ist inzwischen geklärt - im Gegensatz zur Parkplatzproblematik. Vor allem wenn zur gleichen Zeit nebenan die Lions ihre Eishockeyspiele austragen oder die Dippemess' stattfindet, ist das Chaos vorprogrammiert. „Bei eins, zwei Heimspielen könnte es Probleme geben“, gibt Geschäftsführer Bernd Reisig zu. „Das gehört aber beim urbanen Leben dazu.“

Sein „Stimmungsproblem“ hat der FSV, dessen Fans bei Heimspielen weiterhin oft in der Unterzahl sind, ebenfalls noch nicht gelöst. Zuletzt kamen gegen den SC Paderborn lediglich 3 800 Zuschauer und äußerten dann zum Teil auch noch lautstark ihren Unmut. „Wir haben auf der Tribüne einige merkwürdige Leute sitzen, die kommen seit Jahren, um ihre Neurosen zu pflegen“, sagt Reisig. Das dürfe man nicht überbewerten.

Das Bruchwegstadion in Mainz.

Das ist die Kehrseite der Medaille: Die neuen Stadien gehen oft mit gesteigerten sportlichen Ambitionen einher. So griff Walther Seinsch, Vorstandschef des in den letzten drei Jahren wenig furios spielenden Zweitligisten FC Augsburg, zur Eröffnung der neuen Impuls-Arena im Juli gleich nach den Sternen: Innerhalb der beiden nächsten Jahre sollte der Bundesliga-Aufstieg gelingen, sagte er, und zauberte dem eigentlich um Zurückhaltung bemühten Trainer Jos Luhukay einige Schweißperlen auf die Stirn.

Die Stadien im Rhein-Main-Gebiet

FRANKFURT

Commerzbank-Arena

Erbaut: 2005

Bauzeit: drei Jahre (Umbau des Waldstadions)

Baukosten: 150 Millionen Euro

Fassungsvermögen: 52.00

Volksbank-Stadion

Erbaut: 2009

Bauzeit: 20 Monate (Umbau des Stadions am Bornheimer Hang)

Baukosten: 17,5 Millionen Euro

Fassungsvermögen: 10.300

Besonderheiten: Die Haupttribüne konnte noch nicht umgebaut werden. Hierfür fallen noch einmal Kosten in Höhe von 10 Millionen Euro an.

OFFENBACH

Stadion Bieberer Berg

Erbaut: 1921

Erweiterungen/Sanierungen: 1952, 60, 68, 73, 98, 2007

Fassungsvermögen: 25.000

Besonderheiten: Der Bieberer Berg soll für 25 Millionen Euro umgebaut werden und dann nur noch 18.000 Zuschauer fassen. Bei Bedarf kann um 3 000 Plätze aufgestockt werden.

MAINZ

Stadion am Bruchweg

Erbaut: 1929

Sanierungen: 1947, 51, 53, 65, 81, 97, 2002

Fassungsvermögen: 20.300

Coface-Arena

Baubeginn: Mai 2009

Fertigstellung: 2010

Baukosten: 45 Millionen Euro

Fassungsvermögen: 35.000

WIESBADEN

Brita-Arena

Erbaut: 2007

Bauzeit: vier Monate

Baukosten: 14 Millionen Euro

Fassungsvermögen: 12.066

Besonderheiten: Das Stadion gilt als Provisorium, eine langfristige Nutzung ist aber denkbar.

(cd/dpa/sp)

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