Immer weniger Akzeptanz für Bengalos

Pyrotechnik hat den „Charakter von Widerstand“

Frankfurt - Am 12. Dezember 2012 haben die 36 Fußball-Clubs des Ligaverbandes das neue Sicherheitskonzept verabschiedet. Ein Jahr danach zieht Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt, eine Bilanz.

Michael Gabriel

Die Fanproteste damals - wie die „12:12“-Kampagne mit Schweigeminuten in den Stadien - hatten bewirkt, dass das Sicherheitspapier modifiziert wurde. Was haben die Maßnahmen in der Fanszene bewirkt?

Der Protest war so ein großer Erfolg, weil er von allen Stadionbesuchern mitgetragen wurde und dadurch nicht zu ignorieren war. Viele Fangruppen haben realisiert, dass sie tatsächlich Einfluss haben können - wenn sie eine Meinungsbildung organisieren und sich mit den Vereinen und Verbänden an einen Tisch setzen.

Die verschärften Kontrollen an den Stadieneingängen waren ein großer Streitpunkt. Wie intensiv werden diese umgesetzt und wie reagieren die Fans?

Unser Eindruck ist, dass hier der Druck insgesamt ein wenig raus ist.

Trotz des Konzepts wird an jedem Wochenende verbotene und gefährliche Pyrotechnik gezündet. Hört das nie auf?

Die Chance, dass Pyrotechnik nicht mehr gezündet wird, steigt, wenn diese Entscheidung aus der Fanszene selbst kommt. Im Moment hat das Zündeln der Ultras ja den Charakter von Trotz und etwas Widerstand. Positiv ist aber, dass die bengalischen Feuer bei Weitem nicht mehr so oft geworfen werden.

Aber die „normalen“ Zuschauer wollen das nicht mehr.

Auch wir stellen fest, dass die Akzeptanz für Pyrotechnik quer durch alle Zuschauergruppen zurückgegangen ist. Die Vereine wären gut beraten, hier den demokratischen Meinungsbildungsprozess innerhalb ihres Publikums zu fördern. Diese Fans sollten nicht nur auf der Tribüne sitzen und meckern, sondern - Stichwort Fanbeirat oder Fanparlament - dabei unterstützt werden, dass sie sich einmischen.

Pyrotechnik und Protestbanner

Pyrotechnik und Protestbanner

Das Höchstmaß bei Stadionverboten wird zum 1. Januar 2014 von drei auf fünf Jahre erhöht. Die Bundespolizei kritisiert, damit würden die Probleme mit gewalttätigen Fans nur vor die Stadien verlagert. Was ist Ihre Meinung?

Das Höchstmaß darf nur unter ganz bestimmten Bedingungen ausgesprochen werden - für schwerwiegende Vergehen von Wiederholungstätern. Viel wichtiger bei den Richtlinien ist, dass das Verfahren nun insgesamt transparenter abläuft, um mit jedem Einzelfall möglichst gerecht umzugehen. Bewährungen und pädagogische Alternativen zum Stadionverbot sind gestärkt worden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare