Lars Weißenfeldt hat seine Karriere als Fußballprofi mit nur 29 Jahren beendet. Nun will er Lehrer werden.

Vom Rasen in die Bibliothek

Offenbach ‐ „In 15 bis 20 Jahren braucht er kein Abitur mehr.“ Mit diesen Worten hat Schalke-Trainer Felix Magath die Entscheidung vertreten, dem erst 17-jährigen Julian Draxler dazu zu raten, die Schule vorzeitig zu beenden. Dass eine Karriere als Fußballprofi jedoch nicht immer nach Wunsch verläuft und das Abitur durchaus von Nutzen sein kann, zeigt das Beispiel Lars Weißenfeldt. Der ehemalige Profi (Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt) studiert inzwischen Grundschulpädagogik – mit erst 30 Jahren. Von Daniel Schmitt

Weißenfeldt könnte durchaus noch im Profigeschäft mitmischen. Aber er hat sich anders entschieden: „Ich hätte sicherlich noch ein paar Jahre in der dritten oder vierten Liga spielen können, die Angebote waren aber nicht besonders interessant.“

Nach einem Erstligaspiel für die Eintracht, 57 Zweit- und 56 Drittligapartien für den OFC und zuletzt den FSV war nach der Saison 2008/09 Schluss. Das Verhältnis zum damaligen Trainer Tomas Oral war angeknackst und in Christian Müller ein weiterer Rechtsverteidiger geholt worden. Obwohl ihm die Bornheimer eine Vertragsverlängerung anboten, sagte der gebürtige Marburger ab. „Ich wollte nicht nur auf der Bank sitzen“, so Weißenfeldt.

Im folgenden halben Jahr blieben passende Angebote von höherklassigen Klubs aus. Im besten Fußballeralter von 29 Jahren beendete er deshalb seine Karriere. „Ich hatte eine schöne Zeit und habe einen guten Absprung geschafft“, blickt er zurück.

Mittlerweile lebt er mit seiner Freundin Linda in Berlin. „Ich wollte aus Marburg raus und mal etwas Neues sehen. Berlin ist eine besondere Stadt, die mich schon immer interessiert hat“, erklärt Weißenfeldt, der ab und an zwar noch in Frankfurt oder Marburg weilt, der Fokus liegt jedoch auf seinem Studium.

Weißenfeld will Grundschullehrer werden, „weil ich glaube, dass ich ein guter Lehrer sein könnte“. Seit knapp vier Monaten paukt er für sein Hauptfach Grundschulpädagogik und das Nebenfach Biologie. Drei Jahre soll das Bachelor-Studium dauern. „Mit Bio habe ich mich noch nicht ganz angefreundet, ansonsten macht es aber sehr viel Spaß“, sagt der Ex-Profi, obwohl im Februar die ersten schweren Klausuren anstehen. Bis dahin müsse er noch viel Zeit in der Bibliothek verbringen. „Das ist ein kompletter Neuanfang, weil ich seit dem Abitur nie wieder in Lernbücher schauen musste. An diese Prozesse versuche ich mich zu gewöhnen.“

Besonders bei Präsentationen habe er noch Schwierigkeiten. „Es ist nicht unbedingt meine Stärke, weil ich das während meiner Schulzeit nie machen musste. Da haben es die jüngeren Generationen leichter.“ Mit viel Engagement will Weißenfeldt aber auch im neuen Terrain bestehen. „Ich entwickele so langsam genauso viel Ehrgeiz wie auf dem Rasen.“

Doch nur die harte Bank im Hörsaal zu drücken, kommt für ihn nicht in Frage. Beim BFC Viktoria 89 schnürt Weißenfeldt in der Berlin-Liga - vergleichbar mit der Verbandsliga Süd - weiterhin seine Fußballschuhe. Die Mannschaft ist nach der abgelaufenen Hinrunde mit großem Abstand Tabellenführer und will nun in die 5. Liga aufsteigen. Seit einigen Tagen befindet sich das Team wieder in der Vorbereitung auf die Rückserie. „Mit sechs Trainingseinheiten in der Woche ist es aktuell aber mehr als ein Hobby – fast semiprofessionell. Das ist mir zu viel, in Zukunft will ich den Aufwand weiter herunterfahren“, schildert Weißenfeldt, für den trotz der gelegentlichen Rückkehr auf den Rasen ein neues Leben begonnen hat.

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